Smartphonekamera versus Kamerasmartphone

Quelle: Samsung
Quelle: Samsung
Bevor wir in die Thematik der unterschiedlichen Qualitäten des Fotografierens mit Smartphone/Handy einsteigen, stellt sich die Frage, welche Begrifflichkeit aktuell hinsichtlich der Bildaufzeichnung mit dem Smartphone/Handy genutzt wird. Eine Generationenfrage – so unsere kleine interne Umfrage – scheint es nicht zu sein, welche Bezeichnung aktuell die adäquatere ist. Dementsprechend könnte die Überschrift auch Handykamera versus Kamerahandy lauten.

Smartphones gelten als „Immer-Dabei-Kamera“, deren Bildqualität, je nach Modell, oftmals nicht zufriedenstellend ist und die auch die gewohnten Funktionen von Fotoapparaten vermissen lassen. Inzwischen gibt es einige wenige Smartphones, die mit überzeugenden Fotofunktionen und Bildqualitäten aufwarten. Wir zeigen, wie man sie erkennt und was sie können.

Herzstück: Größerer Sensor

Kameras konventioneller Smartphones und Tablets bringen heutzutage auf den ersten Blick durchaus ansehnliche Bilder zustande – allerdings vor allem unter guten Lichtverhältnissen. Sobald man in Innenräumen oder unter nicht optimalen Lichtbedingungen fotografiert, beginnen die meisten zu schwächeln: Sie liefern nur noch verrauschte oder sogar unscharfe Bilder.

Kamerasensoren im Größenvergleich. Quelle: Wikimedia/MarcusGR
Kamerasensoren im Größenvergleich. Quelle: Wikimedia/MarcusGR
Ursache dafür sind der in der Regel die sehr kleinen verbauten Kamerasensoren und lichtschwache Objektive. Spezielle Kamerasmartphones/Kamerahandys, wie das Panasonic CM1, unterscheiden sich in diesen Punkten deutlich. Im CM1 etwa ist ein 1 Zoll großer Sensor verbaut und damit einer in der Größe einer Nikon-Systemkamera. Er ist etwa 15 Mal größer als der einer typischen Smartphonekamera, der oft nur über eine Diagonale von 6 Millimetern verfügt. Anders als in anderen Lebensbereichen gilt bei Kamerasensoren vom Prinzip her „bigger is better“. Je größer ein Sensor ist, desto geringer fällt unter anderem das Rauschen bei wenig Licht aus. Vor allem wenn viele Megapixel auf kleinstem Raum zusammengequetscht werden, kommt sonst zu dem unschönen Effekt, der sich in „krisselig“ wirkenden Details äußert.

Daher können spezielle Kamerasmartphones/Kamerahandys Lichtempfindlichkeiten von bis zu 25.600 ISO bieten. Konventionelle Smartphone- und Tablet-Kameras erreichen dagegen meist allenfalls 1.600 oder 3.200 und weisen dort wesentlich schlechtere Bildergebnisse auf. Durch die kleinen Sensoren sieht man nämlich ein deutliches Rauschen. Dazu kommt, dass die Belichtungszeiten meist so lang werden, dass die Bilder verwackeln.

Vergleich Panasonic CM1 - iPad

Plus: Hochwertiges Objektiv statt Plastiklinse

Quelle: Samsung
Quelle: Samsung
Hochwertige Kamerasmartphones/Kamerahandys zeichnet ein lichtstarkes Objektiv aus. Bei einer Blende von 2.8 und einer ISO-Zahl von 3.200 kann dann beispielsweise auch in Innenräumen ohne Blitz verwacklungsfrei fotografiert werden. Ein weiteres Plus von speziellen Kamerasmartphones/Kamerahandys kann ein echtes Zoomobjektiv sein. Das Samsung Galaxy K Zoom etwa bietet einen 10-fach-Zoom mit einem Brennweitenbereich von 24 bis 240mm. Damit können auch weit entfernte Objekte noch herangeholt werden. Das Sony-Objektivmodul QX1L bietet 24-75mm und damit typische Porträtbrennweiten. Konventionelle Smartphone-Kameras dagegen verfügen meist nur über ein Weitwinkelobjektiv. Das ist vor allem für Nahporträts problematisch, da die Porträtierten dann mit verzerrter Knubbelnase wiedergegeben werden. Wird bei diesen Smartphones ein Zoom angeboten, handelt es sich meist um eine digitale Variante. Dabei wird einfach aus dem Bild herausvergrößert. Dadurch sinkt die Auflösung. Das ist vor allem für alle problematisch, die ihre Aufnahmen später im Fotobuch oder einem Abzug verewigen wollen. Darüber hinaus sind in „konventionellen“ Smartphones oft billige Plastiklinsen verbaut. Spezielle Kamerasmartphones/Kamerahandys dagegen verfügen über hochwertige Linsen renommierter Hersteller, wie etwa das CM1 mit Leica-Objektiv.

Megapixel: Nur begrenzt relevant

Die nominelle Auflösung in Megapixel wird erst in Kombination mit den vorgenannten Aspekten relevant. Quetschen sich nämlich zu viele Pixel auf zu kleinem Raum, nimmt die Bildqualität eher ab als zu. Insofern verspricht für kleinere Handysensoren sogar eine eher geringere Megapixel-Zahl bessere Ergebnisse – vor allem bei wenig Licht. Setzt man bei Smartphones mit geringer Megapixel-Zahl allerdings den Digitalzoom ein, sinkt die Auflösung der Bilder so stark, dass sie für den Druck kaum noch zu gebrauchen sind.

Wer mit dem Smartphone auch Videos aufnehmen möchte, sollte auch deren Auflösung vergleichen. Je nach Modell reicht sie von mageren 640 × 480, die man nur als Miniclip zeigen kann, bis hin zu Full-HD. Vor allem, wer seine Aufnahmen später mit solchen von Kompaktkameras beziehungsweise kompakten System- oder Spiegelreflexkameras zusammenschneiden möchte, sollte auf vergleichbare Werte achten. Neben der reinen Video-Auflösung sollte die Aufmerksamkeit auch noch auf den Frames per Second (FPS) gelten. Weniger als 16 werden schnell als „ruckelig“ wahrgenommen, da das Gehirn erst ab etwa 14 bis 16 Bildern pro Sekunde eine Bildersequenz als Film wahrnimmt.

Autofokus: Auslöseverzögerung kann den Spaß trüben

Schließlich beeinträchtigt vor allem bei älteren Smartphones eine Auslöseverzögerung oder eine zu lange Zeit bis zur Fotobereitschaft den Fotospaß. Vor allem, wer Menschen fotografiert, sollte darauf achten, ein Kamerasmartphone/Kamerahandy mit möglichst geringer Auslöseverzögerung zu verwenden, da man sonst immer den falschen Moment erwischt. Spezielle Kamerasmartphone/Kamerahandys, wie das Panasonic CM1, können dagegen in diesem Punkt mittlerweile mit kompakten Systemkameras und Spiegelreflexkameras mithalten.

Bedienung: Einstellungsmöglichkeiten

Einstellungsmoeglichkeiten
Ein weiterer großer Unterschied zwischen einem konventionellen Smartphone mit Kamerafunktion und einem speziellen Kamerasmartphone/Kamerahandy sind die Einstellungsmöglichkeiten: Konventionelle Smartphones bieten schlicht keine. Man kann in der Regel nur auslösen und zwischen Kamera- und Videofunktion umschalten. Spezielle Kamerasmartphone/Kamerahandys dagegen bieten alle Einstellungsmöglichkeiten, die man von Fotoapparaten gewohnt ist. Da lassen sich dann neben Blende, Zeit, ISO-Werten und Weißabgleich sogar Motivprogramme einstellen. Wer von einer Digitalkamera der gleichen Marke aufs Kamerasmartphone/Kamerahandy umsteigt, muss sich meist nicht mal umgewöhnen, weil die Oberflächen nahezu identisch sind.

Handling: Stativgewinde und Co.

Schließlich sollte man bei der Auswahl des Kamerasmartphone/Kamerahandys noch aufs Handling achten: Bei wenigen, wie dem Samsung Galaxy K Zoom, fährt das Objektiv zum Beispiel ein und schützt damit die Linse, bei anderen liegt der Finger beim Telefonieren quasi ständig darauf, so dass ein Linsenputztuch zum Dauerbegleiter werden sollte. Auch die Bequemlichkeit der Einstellung unterscheidet sich deutlich: Wenige, wie das Panasonic CM1, verfügen über Drehknöpfe. Das ist vor allem für alle sehr praktisch, die manuell eingreifen möchten.

Ein weiterer kleiner Pluspunkt ist ein Stativgewinde. Wenige Smartphones und das Sony-Objektivmodul QX1L bringen es mit und erlauben damit, die Kamera zum Beispiel zum Filmen stabil aufzustellen. Für Langzeitbelichtungen dagegen taugen die meisten Smartphones aufgrund der kleinen Sensoren sowieso nicht.

Fazit: Smartphonekamera/Handykamera ist nicht gleich Kamerasmartphone/Kamerahandy

Die Unterschiede bei Kameras in Smartphones sind groß. Wem die Fotofunktion am Smartphone wichtig ist, der sollte beim Kauf neben dem verbauten Sensor und der Optik auch auf die Kamerafunktion achten. Schließlich ist nichts schlimmer als ein hervorragendes Motiv, das gut eingefangen wurde, aber aufgrund technischer Mängel des Smartphones nicht gut wirkt.

Digitalfotografie 12 / 2014

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