Bildleiste

Karten für die Photographie: Kleiner, schneller, vielseitiger

Speicherkarten sind nicht einmal so groß wie eine Briefmarke und dennoch finden Tausende von Photos, ja sogar ganze Spielfilme oder komplette Musiksammlungen, auf ihnen Platz. Die jüngste Generation dieser kleinen, leistungsstarken Speicherkarten lässt sich für viele Zwecke nutzen: als Filmersatz, als Alternative zur Videokassette oder aber auch an Stelle von Tonband, CD beziehungsweise DVD. Ob Kamera, Camcorder, Handy, Minicomputer, MP3-Player, die immer höheren Kapazitäten und schnelleren Schreib- und Lesezeiten bietenden Speichermedien sind ein komfortabler und sicherer Weg zum Erfassen, Archivieren und Transport von Daten jeder Art.

Für die digitale Photographie haben sich hauptsächlich vier Kartentypen und zahlreiche von ihnen abgeleitete Untergruppen am Markt durchsetzen können: SD - Secure Digital Card, CF - CompactFlash Card, MS - Memory Stick, xD-Picture Card. Nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind die Smart Media Card (SMC) und die MultiMedia Card (MMC). Die wesentlichen Unterschiede der einzelnen Kartentypen liegen nicht nur in ihrer Größe und Form oder im Preis pro MB-Speicherkapazität, sondern auch in der Funktionalität und Verbreitung. Auch hinsichtlich der Schreib- und Lesegeschwindigkeiten, der Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse gibt es gravierende Unterschiede. Mit dem Erscheinen neuer, weiterentwickelter Hochleistungsspeicherkarten spielt auch die Kompatibilität zu Geräten älterer Bauart zunehmend eine Rolle. Während neue Geräte mit Funktionseinschränkungen meist auch ältere Kartentypen verwenden können, lassen sich die neu auf den Markt gebrachten Karten in der Regel auch nur in Geräten der jüngsten Generation einsetzen. Das Angebot an Speicherkarten ist groß - einen umfassenden Überblick bietet die photokina 2006 (26. September bis 1. Oktober in Köln).

SD - Secure Digital Card
Die größte Verbreitung aller Speicherkarten besitzt inzwischen die SD - Secure Digital Card. Sie und ihre Ableger, die Mini-SD- und Micro-SD-Karte, werden nicht nur in der Digitalphotographie, sondern auch in zahlreichen anderen Produkten, wie Navigationsgeräten oder Mobiltelefonen, eingesetzt. Für die beiden Varianten Mini-SD und Micro-SD gibt es aber auch Adapter, mit denen sie sich in Steckplätzen für SD-Karten in Standardgröße verwenden lassen. Während die Standard-SD-Karten 32 x 24 x 2,1 mm groß sind, betragen die Maße für die mini-SD 20 x 21,5 x 1,4 mm und für die Micro-SD nur 11 x 15 x 1 mm. Der Name „Secure“ verweist auf den hohen Sicherheitsstandard der Karten, die zudem über einen eingebauten Controller für das Datenmanagement verfügen. So lassen sich die auf ihnen abgelegten Daten mit einem Kopierschutz versehen. Außerdem besitzen sie einen Schieber, der das versehentliche Überschreiben gespeicherter Daten verhindert. SD-Speicherkarten in der Standardgröße werden mit Kapazitäten bis maximal 4 GB angeboten. Die neuen Spezifikationen 2.0 für das SD-Kartenformat sehen Karten mit Kapazitäten bis zu 32 GB vor. Die neue Generation der SDHC-Karten (Secure Digital High Capacity) verlangt jedoch auch neue Geräte mit kompatiblen Steckplätzen. Ältere Produkte sind nur mit Karten bis zu 2 GB kompatibel. Ein Problem für Anwender: Es ist meist nicht auf den Geräten vermerkt, welche Kartengeneration verwendet werden kann. Daher ist es ratsam, das entsprechende Produkt, aber auch die für den Datenaustausch verwendeten Kartenlese- und -schreibgeräte jeweils zusammen mit der Karte auszuprobieren. Die neuen SD-Spezifikationen definieren auch neue Leistungsklassen hinsichtlich der Schreib- und Lesegeschwindigkeiten der Karten. Während bislang verbindliche Standards fehlten, kennzeichnen nun die Klassen 2, 4 und 6 das steigende Leistungsvermögen der Speicherkarten. Bei Karten der Klasse 2 beträgt die Transferrate 2 MB pro Sekunde. Karten der Klasse 4 schaffen 4 MB und die Klasse 6 entsprechend 6 MB pro Sekunde.

CF - CompactFlash Card
Die zweitgrößte Verbreitung im Markt haben CF-Speicherkarten (CompactFlash), sie sind der älteste Kartentyp. Auch sie verfügen über einen integrierten Controller. Die relativ große Bauform ermöglicht das breite Angebot an Adaptern, mit denen sich viele der kleineren Speicherkarten auch in Geräten mit CF-Steckplatz verwenden lassen. CF-Karten zeichnen sich durch hohe Kapazitäten, schnelle Transferraten aus. Auch bei den CF-Karten wird zwischen unterschiedlichen Leistungsklassen hinsichtlich Kapazität, Transferraten und Robustheit unterschieden. Da bei Profigeräten die Baugröße nicht immer unbedingt das entscheidende Kriterium ist, sind vor allem digitale Spiegelreflexkameras oder professionelle Digitalrückteile für Mittelformatkameras mit CF-Steckplätzen ausgerüstet. Aber auch hier lässt sich ein Trend hin zu SD-Karten feststellen. Es werden zwei CF-Kartentypen unterschieden: CF-Karten vom Typ I sind 42,8 x 36,4 x 3,3 mm groß, Karten vom Typ II besitzen eine Dicke von 5 mm. Obwohl die Baugrößen gleich blieben, veränderten sich auch die Standards für die CF-Karten mit der Zeit. So wurden höhere Kapazitäten, schnellere Transferzeiten und zusätzliche Funktionen, wie beispielsweise die Möglichkeit eines Passwortschutzes für die gespeicherten Daten, eingeführt. Zudem gibt es, wie übrigens bei den SD-Karten auch, Karten, die nicht als Speicher, sondern zur Funktionserweiterung von Geräten dienen, wie etwa für den Radioempfang oder für kabellose Netzwerkverbindungen. CF-Karten gibt es mit Kapazitäten bis zu 12 GB. Die Transferraten werden analog zu den Schreib- und Lesegeschwindigkeiten von CDs oder DVDs angegeben. Dabei entspricht 1x einer Transferrate von 150 KB pro Sekunde. Bei den Schreibgeschwindigkeiten sehen die Spezifikationen bis zu 16 MB pro Sekunde vor. Das entspricht der Transferrate von 100x. Bei den Lesegeschwindigkeiten werden Karten mit bis zu 22 MB pro Sekunde angeboten, das wäre im Vergleich zur Bezugsgröße von 150 KB pro Sekunde 150x schneller.

Auch bei den CF-Karten gibt es Kompatibilitätsprobleme mit älteren Geräten, die in der Regel nur Karten bis 2 GB aufnehmen können. Hier empfiehlt es sich ebenfalls, vor dem Kauf der Karte die Kompatibilität zu prüfen. Da die neuen Karten für die höhere Kapazität im FAT32 Modus formatiert werden, kann es vorkommen, dass die neuen Karten von älteren Geräten nicht erkannt oder nur mit geringerer Kapazität genutzt werden.

MS - Memory Stick
Ein vorwiegend in Geräten aus dem Hause Sony verwendetes Speichermedium ist der Memory Stick. Es gibt ihn in sechs verschiedenen Varianten, von denen zum Teil wiederum bestimmte Untergruppen angeboten werden. Auch Sony nutzt das Speichermedium nicht nur in Digitalkameras oder Camcordern, sondern in einer breiten Palette an Geräten der Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie. Das Standardprodukt ist der MS - Memory Stick. Er ist 50 x 21,5 x 2,8 mm groß, besitzt einen integrierten Controller und eine maximale Speicherkapazität von 128 MB. Inzwischen gibt es die Version MS Select, die praktisch die Kapazität von zwei Memory Sticks in einem aufweist. Der Anwender hat so zweimal 128 MB zur Verfügung und kann je nach Bedarf von einem zum anderen umschalten. Weiterhin gibt es die Typen MSD - Memory Stick Duo, MSP - Memory Stick Pro, MSPD - Memory Stick Pro Duo und den MSM - Memory Stick Micro. Zusätzlich werden die Versionen mit dem Zusatz HS für High-Speed, die sich durch besonders schnelle Transferzeiten auszeichnen, angeboten. Einige Speicherkartentypen sind mit dem Sony-eigenen Kopierschutzsystem „Magic Gate“ ausgestattet. Die Karten in der „Memory Stick Pro“-Version gibt es inzwischen mit Kapazitäten bis zu 4 GB. Trotz gleicher Maße wie der Memory Stick können diese aber nicht in den älteren Geräten für den Standard-Memory-Stick gelesen werden. Der MSD ist mit den Maßen 31 x 20 x 1,6 mm etwa halb so groß wie der normale Memory Stick und lässt sich über Adapter auch in Steckplätzen für die MS-Version verwenden. Bei manchen Anbietern gehört der Adapter zum Lieferumfang. In der Version als MSDP werden bei gleicher Baugröße Kapazitäten höher als 128 MB angeboten. Noch kleiner ist der Memory Stick Micro. Mit den Maßen 15 x 12,5 x 1,2 mm besitzt er nur ein Viertel der Größe einer MSD-Speicherkarte. Ihn gibt es nur in einer Version, deren Spezifikationen denen der Pro Varianten entsprechen und so eine Dateiverwaltung von bis zu 32 GB vorsehen. Erhältlich sind zurzeit Memory Stick Micro Karten mit maximal 1 GB Speicherplatz. Auch für ihn gibt es Adapter für den Einsatz in MSP-Steckplätzen. Eine Adaption auf Memory Stick Duo Steckplätze ist nicht vorgesehen.

xD-Picture Card
Vor allem zwei Firmen (Fujifilm und Olympus) statten ihre Imaging-Produkte mit der xD-Picture Card als Speichermedium aus. Die Karte misst nur 20 x 25 x 1,7 mm. Die kompakte Baugröße war auch möglich, weil die Karte keinen integrierten Controller verwendet, sondern von den Controllern der kompatiblen Geräte gesteuert wird. Bisher gibt es Karten mit Kapazitäten bis maximal 2 GB. Vorgesehen sind Kapazitäten bis zu 8 GB. Auch bei den xD-Picture Cards gibt es High-Speed-Varianten, die nicht zu allen Geräten mit xD-Picture Card Laufwerken kompatibel sind. Zu erkennen sind diese Karten an dem Zusatz „H“. Die angekündigten xD-Picture Cards mit 2 GB tragen den Zusatz „M“ und sind nur zu den Geräten der jüngsten Generation kompatibel. Sie verfügen auch nicht über die gleich hohen Transferraten wie High-Speed-Karten. Es gibt Adapter, um xD-Picture Cards in CF-Steckplätzen zu verwenden.

Kapazitäten sowie Schreib- und Lesegeschwindigkeiten der Speicherkarten werden mit den wachsenden Anforderungen an Speicherplatz und Verarbeitungsgeschwindigkeiten von Digitalkameras und zahlreichen anderen mobilen Geräten weiter wachsen. Bauart, Leistung, Verbreitung und Preis des Speicherkartentyps werden sicherlich künftig stärker die Kaufentscheidung für technische Produkte beeinflussen - schließlich möchten die Verbraucher sich nicht für jedes Gerät unterschiedliche Speichermedien anschaffen wollen.
 

Digitalfotografie 09 / 2006

Bewerten 47

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Wasserschlacht

Blende ,"Wasserschlacht"
Werner Halm