Für immer verloren geglaubten Bilddaten auf der Spur

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Blende ,"Nashörner"
Jens Triefenbach

Die Digitalkamera ist in vollem Einsatz, Bild für Bild wird auf der Speicherkarte gesichert, die Freude ist groß - aber plötzlich sind alle Aufnahmen weg. Die Gründe dafür sind vielschichtig und unbedachtes Vorgehen sollte nun nach Möglichkeit vermieden werden, um der Rettung der Bilddaten eine Chance einzuräumen.

Wie aber kann es überhaupt zum Datenverlust auf der Speicherkarte kommen? Auf einen Defekt der Speicherkarte ist der Bilddatenverlust in den wenigsten Fällen zurückzuführen, denn wie bei Festplatten wird dieser durch Umleitung auf Reservesektoren von der Elektronik behoben. Läuft hingegen der Akku der Digitalkamera beim Bilddatentransfer vom Cache auf die Speicherkarte leer, so kann es passieren, daß die gesamte Speicherkarte unlesbar wird. Oder man ist vom Menümarathon zum Initiieren des USB-Modus genervt und entfernt versehentlich die Speicherkarte aus der Kamera, auch dies kann die Digitalaufnahmen ins Jenseits befördern. Ebenfalls sehr riskant ist das Entfernen beziehungsweise Einstecken der Speicherkarten im eingeschalteten Kamerabetrieb. Oder aber man ist auf den falschen Menüpunkt geraten und löscht versehentlich alle Aufnahmen oder formatiert in der Hektik die falsche Karte, ohne die Bilder vorher gesichert zu haben. Diese Beispiele verdeutlichen, daß Unachtsamkeit in der Regel zu Datenverlusten auf der Speicherkarte führt.

Wurden die digitalen Bilddaten versehentlich ins Jenseits befördert, heißt es zunächst Ruhe bewahren, denn in den meisten Fällen kann das Bildmaterial gerettet werden. Oberstes Gebot ist zunächst, in keinem Fall schreibend auf das Medium Speicherkarte zuzugreifen, bis die Bilder gerettet sind. Wurde die Speicherkarte versehentlich formatiert beziehungsweise wurden die Bilder gelöscht, so sieht es technisch wie folgt aus: Im Inhaltsverzeichnis des Datenträgers wird der erste Buchstabe vom Namen des Bildes mit dem hexadezimalen Wert "E5" überschrieben, und der vom Bild belegte Platz freigegeben. Von "Löschen" kann also nicht die Rede sein. Solange der freie Bereich nicht mit neuen Daten überschrieben wurde, kann durch das Ersetzen des ersten Buchstabens durch einen beliebigen anderen Wert als "E5" das digitale Bild gerettet werden. Das klingt einfach, ist es aber nicht, denn jedes einzelne Bild muß so wiederhergestellt werden. Sogenannte Sektoreditoren oder spezielle Tools vereinfachen den Vorgang und für wirklich wichtige Bilder ist es eine Überlegung wert, entsprechende Software zu erwerben. - Unsere Recherchen haben ergeben, daß Recovery aus der PC INSPECTOR-Serie von Convar auch dann noch Bildinformationen zu retten vermag, wenn andere Programme an ihre Grenzen stoßen. Grund hierfür ist, daß sich File Recovery nicht nur auf die Restoration von Informationen aus dem Dateisystem verläßt, sondern auch die einzelnen Bytes der Platte lesen und Muster erkennen kann, die auf Bilddateien hinweisen. Selbst bei völlig zerstörten Verzeichnissen können so unter Umständen noch Daten gerettet werden.

Fazit
Für immer verloren geglaubte Bilddaten können mit entsprechender Software wieder hergestellt werden, solange keine neuen Bilder "geschossen" wurden. Wer sicher gehen möchte, sollte das Wiederherstellen von Bildern vorher testen, denn dann weiß man, wie im Ernstfall zu verfahren ist. Spezielle "Datenrettungsprogramme", die sogar als Shareware oder Freeware angeboten werden, sind notwendig, um die verloren geglaubten digitalen Bilddaten wieder ans Licht zu holen. Grundvoraussetzung für die Nutzung von "Datenrettungsprogrammen" ist der Zugriff auf die Speicherkarte per Laufwerksbuchstaben. Neuere Digitalkameras verfügen in der Regel über diese Möglichkeit, während sich ältere Digitalkameras häufig nur über einen speziellen Treiber des Herstellers und dessen Software ansprechen lassen. In diesem Fall ist ein Kartenlesegerät unerläßlich, das als Laufwerkbuchstabe erkannt wird. Die Funktionsweise der "Datenrettungsprogramme" ist recht ähnlich. Einige fragen nach dem Quell- und Ziellaufwerk, andere stellen die Daten auch direkt auf der Speicherkarte wieder her. In der Regel werden die Bilddaten fortlaufend neu numeriert, das heißt, sie bekommen nicht den Dateinamen unter dem sie ursprünglich gespeichert wurden.
 

Digitalfotografie 11 / 2003

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