Fototipp: Schattenriss zaubern - Das Spiel mit dem Gegenlicht

© Blende, Christopher Buß, la silhouette
© Blende, Christopher Buß, la silhouette
Fotografieren heißt nichts anderes, als mit Licht zu malen – ob Fotografen die besseren Maler sind, dieser Diskussion wollen wir uns an dieser Stelle nicht hingeben, denn heute zeigen wir Euch, dass das fotografische Spiel mit dem Gegenlicht überaus reizvoll ist. Früher wurde übrigens gern zum Besten gegeben, dass man als Fotograf das Gegenlicht meiden soll – wie es zu diesem Ammenmärchen gekommen ist, können wir Euch nicht sagen. Fest steht, dass Euch das Gegenlicht ganz viele Gestaltungsmöglichkeiten für beeindruckende Aufnahmen bietet. Denken wir nur an den Schattenriss, der auch als Silhouette bezeichnet wird. Diese leben von einem hohen Kontrast mit intensivem Schwarz bis hin zu überstrahlten, nahezu weißen Flächen.

© Blende, Holger Fischer, Himmelsstürmer
© Blende, Holger Fischer, Himmelsstürmer
Was versteht man eigentlich unter Gegenlicht? Im Verlauf eines Tages verändert sich nicht nur die Lichtintensität, -farbe und -winkel, sondern auch die Lichtrichtung. In der Fotografie ist in Bezug auf den Kamerastandpunkt von Seitenlicht (rechts/links), Streiflicht (extremes Seitenlicht), Gegenlicht (Fotografie, die in Lichtrichtung aufgenommen wird) oder von Rückenlicht – vielfach auch als Vorderlicht bezeichnet – (aus der Blickrichtung des Fotografen) die Rede. Beim Gegenlicht schaut Eure Kamera beispielsweise quasi direkt in die Sonne und wenn ihr Eure Freunde zwischen Kamera und Sonne postiert, dann werden sie als Silhouetten abgebildet. Dies könnt Ihr am Tag auch mit Eurer Kamera zaubern, wenn Ihr Eure Freunde in den eigenen vier Wänden vor einem Fenster postiert, da es draußen deutlich heller als drinnen ist. Eure Kamera hat bei der Belichtungsmessung den hellen Hintergrund zu stark berücksichtigt, weshalb Eure Freunde als Schattenriss abgebildet werden. Wenn Ihr ihnen ein Gesicht geben wollt, dann habt Ihr drei Optionen. Ihr könnt den Aufhellblitz aktivieren, eine Belichtungskorrektur (+/-) vornehmen oder Euren Aufnahmestandpunkt ändern.

© Blende, Stefanie Pellens, Silhouettenspiel
© Blende, Stefanie Pellens, Silhouettenspiel
Aber zurück zum Fotografieren bei Gegenlicht. Die größte Herausforderung bei Gegenlichtaufnahmen besteht für Euch darin, die richtige Belichtung zu finden. Grund hierfür ist nicht Eure beziehungsweise die Unzulänglichkeit Eurer Kamera, sondern der enorme Kontrast. Aus diesem Grund empfiehlt sich bei Gegenlichtaufnahmen eine Belichtungsreihe. Sehr viele Kameramodelle bieten diese Option – von ein und demselben Motiv werden mehrere Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung gemacht. Dabei schießt die Kamera automatisch, ohne dass erneut der Auslöser betätigt wird, einige Bilder mit verschiedenen Blendenstufen. Im Menü der Kamera könnt Ihr die Blendenstufen festlegen. Meist handelt es sich um eine 1/3 nach oben und unten veränderte Blende.

© Blende, Christoph Offerhaus, Wasser - wertvoller als Gold
© Blende, Christoph Offerhaus, Wasser – wertvoller als Gold
Sofern Eure Kamera darüber verfügt, könnt Ihr auch auf die Spotmessung zurückgreifen und messt verschiedene Bildteile einzeln aus. Anschließend wählt Ihr aus den so ermittelten Belichtungswerten einen Mittelwert und probiert es damit. Ist eine scherenschnittartige Wirkung gewünscht, so solltet Ihr auf die hellen Bildbereiche belichten.

© Blende, Sabine Funke, Abendlicht
© Blende, Sabine Funke, Abendlicht
Beim Fotografieren mit Gegenlicht können Blendenflecke auftreten. Die Flecke können diffus begrenzt sein; häufiger haben sie aber die vieleckige Form der Blende. Verantwortlich für dieses Phänomen ist die Tatsache, dass Linsen das Licht nie vollständig hindurch lassen. Ein kleiner Teil des Lichts wird von den Glasflächen eines mehrlinsigen Objektivs hin und her geworfen, und wenn eine Lichtquelle sehr viel heller als das übrige Umgebungslicht ist, werden ihre Reflexionen im Bild sichtbar. Das von den einzelnen Linsen zurückgeworfene und gebrochene Licht passiert meist wenigstens einmal auch die Blende, und der helle Fleck erscheint dann durch die Blendenlamellen scharf begrenzt. Blendenflecke könnt Ihr durch den Einsatz von Gegenlichtblenden verhindern. Hochwertige Objektive sind meist mit einer solchen ausgestattet. Ist das nicht der Fall, so sind Gegenlichtblenden in Form starrer Tuben aus Metall oder Kunststoff sowie als faltbare Gummiblenden im Handel für nahezu alle handelsüblichen Objektive erhältlich. Wichtig ist, dass Objektiv und Gegenlichtblende eine Einheit bilden, da sich sonst Abschattungen (Vignettierung) an den Bildrändern bilden können (wenn die Gegenlichtblende für eine größere Brennweite konstruiert ist) oder im umgekehrten Fall, die Wirkung der Gegenlichtblende zu gering ist.

Foto Jugend Ratgeber 04 / 2015

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