Hilfe, meine Kamera löst manchmal nicht aus!

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© Blende, Till Graßmann, Stickerflagge

Ist Euch das auch schon mal passiert, dass die Kamera kein Bild macht, obwohl Ihr den Auslöser fest durchgedrückt habt? Bevor man sich ernsthaft Sorgen macht, funktioniert sie meist kurz darauf wieder. Keine Angst: Das ist meist kein Wackelkontakt, sondern in der Regel eine Voreinstellung. Die meisten Kameras sind nämlich so eingerichtet, dass sie nur auslösen, wenn die Autofokus-Funktion auch einen Schärfepunkt/-bereich findet. Gelingt ihr das nicht, „beschützt“ der Apparat den Nutzer quasi vor einer Aufnahme, die sowieso wieder gelöscht würde.

Die eigentlich spannende Frage ist also: Warum gelingt es dem Autofokus gerade nicht, scharf zu stellen? Das hat oft eine der drei folgenden Ursachen:


  • Du bist zu nah dran am Motiv
    Jedes Objektiv hat einen minimalen Abstand (Mindestabstand), der zum zu fotografierenden Objekt mindestens eingehalten werden muss, damit noch scharfgestellt werden kann. Dieser reicht von wenigen Zentimetern bis zu über einem Meter. Das ist die sogenannte „Naheinstellgrenze“. Im Kamera-/Objektivhandbuch könnt Ihr den genauen Wert herausfinden. Mit einer Suchmaschine geht es im Internet oft sogar noch schneller, wenn Ihr den Kamera-/Objektivnamen und den Begriff „Naheinstellgrenze“ eingebt. Als Faustregel gilt, dass die Naheinstellgrenze größer wird, je größer die Brennweite des Objektivs ist. Ein Teleobjektiv (also eines, mit dem Ihr weit entfernte Objekte heranholen könnt), kann schon mal eine Naheinstellgrenze von über einem Meter haben.

    Entfernst Du Dich über die Naheinstellgrenze hinaus vom Motiv, sollte das Scharfstellen wieder funktionieren – wenn es denn am Abstand gehangen hat. Manchmal hilft bei Kompaktkameras auch die Wahl des Makro-Aufnahmemodus (den erkennt Ihr bei den meisten Kameras leicht am Blumen-Symbol).
  • Es ist zu dunkel
    Damit der automatische Autofokus funktionieren kann, braucht er eine gewisse Menge Licht. Besser ausgestattete Kameras verfügen dazu sogar über ein sogenanntes „AF-Hilfslicht“, das Ihr aufleuchten seht, wenn Ihr etwa in einem abgedunkelten Raum versucht, ein Bild zu machen und den Auslöser halb durchdrückt. Meist gelingt damit das Scharfstellen. Einsteigerkameras verfügen zum Teil nicht über diese Funktion und bei anderen kann sie abgeschaltet sein. Gibt es keinen kleinen Lichtstrahl beim Scharfstellen im Dunkeln, solltet Ihr das prüfen. Ist das AF-Hilfslicht ausgeschaltet, aktiviert es einfach wieder. War das nicht der Fall oder hat Eure Kamera keines, dann müsst Ihr für mehr Licht sorgen. Das ist oft sowieso eine gute Idee – denn wenn es nicht hell genug zum Scharfstellen ist, bringen die meisten Kameras nur sehr verrauschte Bilder zustande.
  • Es gibt keine klare Kante im Bild
    Der automatische Autofokus sucht zum Scharfstellen klare Kanten im Bild. Gibt es die nicht, weil es zum Beispiel total neblig ist oder ihr schräg in einen Spiegel fotografiert, kann es sein, dass er den Auslöser blockiert. Ein Trick, um das Problem zu lösen ist, jemanden (oder ein Objekt) nur zum Fokussieren ins Bild zu stellen während Ihr den Auslöser halb durchdrückt. Hat die Kamera einen Schärfepunkt gefunden, haltet Ihr den Auslöser weiter halb durchgedrückt und bittet die Person aus dem Bild zu gehen (oder den Hilfsgegenstand zu entfernen). Dann erst drückt Ihr den Auslöseknopf durch und macht Ihr Euer Bild.

    Bei höherwertigen Kameras könnt Ihr übrigens oft selbst einstellen, ob der Fotoapparat trotzdem auslösen soll, wenn er keinen Schärfepunkt findet. Die Einstellung heißt „Auslösepriorität“ und ist oft tief in den Detaileinstellungen versteckt (das Handbuch sagt Euch wo). Aber Achtung: In den meisten Fällen ist es eine gute Voreinstellung, dass die Kamera gar nicht erst auslöst, wenn sie keinen scharfen Punkt findet. Einzig bei Sportaufnahmen ist Auslösepriorität manchmal eine Voraussetzung, um überhaupt Fotos machen zu können.

Foto Jugend Ratgeber 05 / 2014

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