Instagram, die große Bühne - Risiken und Nebenwirkungen - Likes, die soziale Währung

© Blende, Jana Schurmann, Die süße Versuchung
© Blende, Jana Schurmann, Die süße Versuchung
Ein Leben ohne soziale Netzwerke ist in unserer digitalen vernetzen Welt unvorstellbar. Ja, und man muss ihnen, wie aktuell der Fotosharing-Plattform Instagram, wohl heute vielfach auch angehören, um den sozialen Anschluss nicht zu verlieren. Über dreihundert Millionen Menschen sind derzeit bei Instagram registriert, die täglich mehr als siebzig Millionen Fotos teilen, Videos hochladen, Bilder liken und natürlich kommentieren. Da verwundert es nicht, dass manche Nutzer über Instagram, aber auch WhatsApp, eine Standleitung zu ihren Freunden haben. Alles andere würde wohl bedeuten, dass man vom Informationsfluss abgeschnitten ist und im Abseits steht. Wer will das schon? Damit steigt jedoch unaufhörlich auch der Druck, den soziale Netzwerke auf jeden einzelnen ausüben können. Die möglichen Risiken und Nebenwirkungen werden durch die Vorteile vielfach nicht gesehen und schnell ist man womöglich der Hamster im Laufrad, der aus diesem nicht mehr entfliehen kann. Es ist das Maß der Dinge, das entscheidet. Wichtig ist, sich nicht zum Sklaven der virtuellen Gemeinschaft zu machen, sich als Individuum mit seiner Persönlichkeit treu zu bleiben, sich nicht vom Wettkampf des Likes-Sammelns blenden und anstecken zu lassen und dafür mit seinen eingestellten Fotos Grenzen zu überschreiten.

Instagram – und da erzählen wir Euch nichts Neues – gilt aktuell als die große Bühne der Selbstdarstellung – die Inszenierungsspielregeln sind bekannt. Es geht um Schönheit, wie auch immer die zu definieren ist. Werden Fotos hochgeladen, dann müssen diese perfekt sein, und zwar durch und durch. Ist man auf Fotos nicht perfekt, dann werden entsprechende Foto-Apps für den professionellen Fein-Schliff herangezogen. Schein und Wirklichkeit driften auseinander, Schönheitsideale werden geschaffen, die, wie soziale Netzwerke, heute in und morgen out sein können. Analysen bringen zutage, dass durch diese perfekt inszenierten Aufnahmen die Zahl der Menschen steigt, die sich Schönheitsoperationen unterziehen. Einer Studie zufolge gab ein Drittel der befragten Ärzte an, dass vermehrt Patienten Eingriffe vornehmen lassen, um ihre Attraktivität in sozialen Netzwerken zu erhöhen. Das ist doch erschreckend und zeigt zugleich den enormen Druck, der auf jedem einzelnen lastet.

© Blende, Charlotte von Grotthuss, Child of the Meadows
© Blende, Charlotte von Grotthuss, Child of the Meadows
Ohne zu wissen, was perfekt ist, muss alles an einem perfekt sein, wenn Fotos in sozialen Netzwerken wie Instagram hochgeladen werden – es geht um Likes, die soziale Währung. Augenscheinlich ist, dass die Anzahl der Likes steigt, je mehr Haut zu sehen ist und je erotischer die Fotografien sind. Der Wettkampf auf Instagram ist Realität – es geht um Applaus, und der präsentiert sich in der Höhe des Likes. Und was bedeutet es, keine Likes zu erhalten? Man ist unsichtbar und steht im Abseits. Was das ausdrückt, weiß jeder – es ist das Letzte, was man will, wenn man in sozialen Netzwerken wie Instagram unterwegs ist.

Bewusst sein muss man sich darüber, dass Portale wie Instagram manipulativ sind, und das ganz subtil. Will man der virtuellen Gemeinschaft angehören, dann heißt es meist auch, Trends zu folgen. Das fängt beispielsweise bei der Kleidung an, die Promis zur Schau stellen. Wann trage ich diese Kleidung und präsentiere mich damit in den sozialen Netzwerken einem Millionenpublikum. Verbunden damit ist, dass der Neidfaktor steigt und wer nicht mithalten kann, der schämt sich und hat womöglich verloren.

Wir haben nichts gegen soziale Netzwerke wie Instagram – man sollte sich ihrer Funktionsweise jedoch bewusst sein und beispielsweise nicht über Menschen aufgrund ihrer Likes über sie urteilen. Bilder sind heute das Kommunikationsmittel schlechthin – man muss und sollte aber nicht jede Aufnahme in sozialen Netzwerken wie Instagram posten.

Foto Jugend Ratgeber 06 / 2015

13 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
1 Kommentare

Ich bin nicht ganz der Meinung, dass auf Instagram schöne Bilder und viel Haut überzeugen. Ich sehe dort ziemlich viele Knipser- und Urlaubsfotos. Dazu kommen Katzen- und Hundebilder. Ein großer Teil folgt auch seinem "Idol", wie Katy Perry, Miranda Kerr, Calvin Hollywood, Miley Cyrus, Beyonce, Stilpirat oder seinen Serienstars wie "Game of Thrones". Ich würde die Seite eher "als bunten Eintopf" bezeichnen

von detlev motz
03. Juni 2015, 11:02:24 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden