Spielwelten spielend fotografieren

© Blende, Steffen Bültel, Unfall
© Blende, Steffen Bültel, Unfall
Lego, Playmobil und beispielsweise Dinosaurierfiguren animieren dazu, eigene Spielwelten zu schaffen. Da ist auf der Straße auf einmal mächtig viel los, der Rohrbruch muss schnellstmöglich beseitigt werden. Das Straßengefüge offenbart einen klaffenden Spalt, der durch die Miniaturfiguren gewaltig anmutet. Der inszenierte Lärm des Presslufthammers und der Rüttelplatte ist allgegenwärtig. Dreck wird mit einer Schaufel auf eine Schubkarre geworfen. Der Bauingenieur überprüft am Klemmbrett die Fortschritte. Szenerien wie sie uns tagtäglich begegnen werden in die Spielwelt übertragen. Die Vergänglichkeit wird gestoppt, indem wir unsere Spielwelten als Momentaufnahme konservieren. Das machen übrigens nicht nur unsere Nachwuchsfotografen leidenschaftlich gern, sondern auch Erwachsene. Die Rede ist von der Miniaturfotografie und die findet immer mehr Anhänger, die ihrer Kreativität – sowohl bei der Schaffung ihrer Spielwelten als auch fotografisch gesehen – freien Lauf lassen. Zu beobachten ist zudem der Trend, dass die geschaffenen Spielwelten immer öfter auch in Zeitraffervideos/Trickfrequenzen festgehalten werden. Hunderte Einzelaufnahmen, mit minimalen Veränderungen der Szenerie, sind hier zusammengefügt. Spielt man das Video ab dann wirkt es so, als würden sich die Spielfiguren bewegen. Wichtig ist hier natürlich, dass die Kamera oder aber auch das Smartphone auf einem Stativ ruhend in Position gebracht werden, denn der Ausschnitt muss bei jeder Aufnahme immer identisch sein. Ein weiterer Trend, den wir beobachten, ist die Schaffung von Bildgeschichten die aus drei bis über 50 Einzelaufnahmen bestehen. Möchte man diese zu einem Werk zusammenführen, dann bietet sich das selbstgestaltete Fotobuch dafür natürlich bestens an.

© Blende, Manuel Greim, Einsatz
© Blende, Manuel Greim, Einsatz
Eure Spielwelten könnt Ihr mit einer Kamera oder aber auch mit dem Smartphone einfangen. Die Kamera bietet Euch mit ihren Fotofunktionen mehr kreativen Spielraum. Ihr kennt es sicherlich, dass Aufnahmen, die mit dem Smartphone gemacht wurden, von vorne bis hinten durchgängige Schärfe haben. Dass fotografische Spiel mit Schärfe und Unschärfe entfällt mit diesen Aufnahmegeräten, weswegen schon allein deshalb, die Kamera als Aufnahmegerät die bessere Wahl ist. Nahezu alle Kameramodelle verfügen zudem über einen Makromodus, der natürlich für diese Art der Fotografie prädestiniert und deshalb die beste Wahl ist. Zu beachten ist, dass der Schärfebereich in diesem Modus verhältnismäßig kurz ist.

Ein wichtiger Aspekt, wie Eure Spielwelten als Momentaufnahme in Euren Fotografien wirken, ist die von Euch gewählte Perspektive. Hier unterscheidet man zwischen Froschperspektive, Untersicht, Normalsicht, Aufsicht, Vogelperspektive sowie Schrägsicht und Top-Shots. An dieser Aufzählung seht Ihr, wie sehr sich Euer fotografisches Spiel mit der Perspektive lohnt, denn damit nehmt Ihr natürlich auch großen Einfluss auf die Bildaussage. Probiert es einfach mal aus. Am weitesten verbreitet ist, mit dem Aufnahmegerät auf Augenhöher mit der Spielwelt zu gehen. Auf die Raumaufteilung solltet Ihr bei Euren Spielwelten auch achten, denn durch eine geschickte Tiefenstaffelung könnt Ihr spannende Akzente setzen, so dass Eure Aufnahme eine noch eindrucksvollere Geschichte zu erzählen weiß.

© Blende, Nicolas Landgraf, Männchen at work
© Blende, Nicolas Landgraf, Männchen at work
Mit Euren geschaffenen Spielwelten könnt Ihr sogar zu internationaler Bekanntheit gelangen, wie jüngst das Beispiel der `socialitybarbie´ zeigte. Durch die Fotoplattform Instagram wurden die über 100 Bilder der Sociality-Barbie weltberühmt, was natürlich auch das Interesse der Medien auf sich zog. National berichteten Bild, Spiegel oder Stern zum Phänomen der etwas anderen Hipster-Fotos und international wurde man von CNN, The Guardian oder Vogue auf dem Laufenden gehalten.

Heute ist vieles einfacher als früher

Irgendwie vergeht die Zeit immer schneller, je älter man wird. Wer erinnert sich da nicht an die Grundschulzeit, in der einem sechs Wochen Sommerferien schier endlos vorgekommen sind. Unser Leben ist heute von Hektik und unzähligen Terminen bestimmt. Vermutlich erinnern wir uns deshalb gerne an vergangene Zeiten. Man hat sich mit den Freunden getroffen und den ganzen Tag seinen Spielsachen gewidmet. Jeder von uns hatte eine – mehr oder minder große – Spielzeugkiste vollgepackt mit allem was das Kinderherz zum ausgelassenen Spielen braucht: Lego und Playmobil, Siku und Matchbox, Barbie und He-Man. Spielen hieß für uns, in fantastische Welten einzutauchen, in denen alles möglich und erlaubt ist. Unter dem Strich recht einfache Dinge, die aber unglaublich viel Spaß gemacht haben.

© Blende, Lea Blumenthal, Crossroad
© Blende, Lea Blumenthal, Crossroad
Eines hatten wir damals aber nicht, die Möglichkeit unsere Spielwelten in Bildern festzuhalten. Einen Knipser, so wurde eine Kleinbildkamera oft liebevoll genannt, hatte zwar jede Familie, aber das gute Stück bekamen Kinder nur in den seltensten Fällen in die Hand. Das Fotografieren war viel teurer, denn ein Film mit seinen 36 Aufnahmen hatte ebenso seinen Preis wie die Papierbilder, die man davon bestellen musste. Heute sieht die Fotowelt ganz anders aus, jeder hat sein eigenes Aufnahmegerät und wenn es das Smartphone ist.

Viele Dinge sind heute schlichtweg einfacher und darum beneiden Euch die Erwachsenen, die diese Möglichkeiten in ihrer Jugend nicht hatten. Nutzt diese, wenn beim nächsten Mal Eure Puppen in der Bettenburg tanzen, wenn das Gemüsebeet von Actionfiguren erkundet wird oder Modellautos über den Highway brettern – einfach mal die Kamera ins Spiel einbeziehen. Wer weiß, vielleicht wird genau dadurch von Euch der nächste Trend geboren.

Wenn Ihr tiefer in die Miniaturfotografie eintauchen wollt, dann findet Ihr hier weitere Tipps.

Foto Jugend Ratgeber 01 / 2016

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