Entwicklung des Fotomarktes 2011 - Kameras mit Wechselobjektiven

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Marion Knoche, GfK, wies in ihrem Vortrag, während der Mitgliederversammlung des Photoindustrie-Verbandes in Weimar, zur Entwicklung des Fotomarktes darauf hin, dass Konnektivität sich auch für Kameras zu einem Zukunftsthema entwickelt. Ihr Kernthema aber war die Verschiebung der Nachfrage im Weltmarkt für Foto- und Imagingprodukte, die sich zum Teil zulasten von Westeuropa und zugunsten von Südamerika, Asien und Osteuropa auswirken könnten. Was ihren Erhebungen zufolge die Märkte für technische Produkte treibt, sind nach wie vor die digitalen Kameras, allen voran die Kategorien mit Wechselobjektiven, mit oder ohne Spiegel. Beide Kategorien haben den Markt vorangetrieben und entscheidend zum Gesamtwachstum des Marktes in Deutschland von 4,2 Prozent im März 2011 beigetragen. Vor allem wurde dadurch die Nachfrage nach Wechselobjektiven stimuliert, die im März ein Wachstum von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr vorweisen konnten. Das ist vor allem im Bereich zu anderen Branchen ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis, wenn man den Rückgang von 8,6 Prozent bei den Produkten der Consumer Electronics im gleichen Zeitraum betrachtet.

Im letzten Jahr seien 1,5 Milliarden Aufnahmegeräte für Foto und Video verkauft worden. Smartphones und Multimediacams waren dabei die am stärksten wachsenden Produktkategorien. Möglicherweise verdanken, laut Marion Knoche, Smartphones und Multimediacams ihren Erfolg auch der Tatsache, ihrer im Vergleich zu Digitalkameras besseren Einbindung in die immer intensiver genutzten Social Networks. Auch die Videoauflösung spiele für die Beliebtheit dieser Produkte eine wichtige Rolle. So liefern bereits 24 Prozent der Smartphones HD-Qualität. Märkte für Foto und Video wachsen, aufgrund gleicher Funktionen in den Geräten unterschiedlicher Kategorien, immer stärker zusammen.

„Ich glaube nicht, dass wir Kameranutzer an Smartphone-Nutzer verlieren“, äußerte sich Marion Knoche. „Aber unsere Aufgabe wird es sein, zu analysieren, wie der Konsument sein Smartphone verwendet. Was schätzt er an diesem Produkt und was davon braucht er später auch in seiner Kamera?“ Ziel der Kamerahersteller sollte es, nach Erkenntnissen der Marktforscherin, sein, die Smartphone-User in die Welt der Digitalkameras „upzugraden“ und darauf zu achten, sie nicht an die „connected world“ zu verlieren.

Einen großen Einfluss auf Design und Ausstattung zukünftiger Foto- und Imagingprodukte werden auch die stark wachsenden Märkte in China und Indien nehmen. Schon heute fungiert China mit 16 bis 17 Millionen Kameras in der Nachfrage als der zweitgrößte Markt für diese Produkte hinter Nordamerika.

Die Aussichten für den Foto- und Imagingmarkt 2011 sieht Marion Knoche, aufgrund der Zahlen aus den ersten drei Monaten, recht positiv. Hier konnte sie weltweit ein leichtes Wachstum von fünf Prozent beobachten. Als „Outperformer“ zeigte sich wiederum der Markt für Systeme mit Wechselobjektiven, die wertmäßig um 30 Prozent zulegen konnten, bei D-SLR waren es 16 bis 17 Prozent. Mängel entdeckte Marion Knoche hinsichtlich der Netzwerk-Anbindungen von Digitalkameras. Ihren Erhebungen zufolge bieten nach wie vor 97 Prozent der Kameras keine Vernetzung. „Sie lassen sich zwar per Kabel über die Desktop-Anbindung anschließen“, so Marion Knoche, „doch bieten sie keine direkte Konnektivität, wie sie sich im Bereich von Mobile- und Smartphones darstellt.“ Anders zeigt sich das in Produktgruppen, wie beispielsweise den Multifunktionsdruckern, die in Europa schon etwa zur Hälfte kabellose Verbindungsmöglichkeiten aufweisen. Dabei ist der Wunsch, Bilder einfach miteinander auszutauschen, extrem stark. Viele Verbraucher nutzen bereits Communities und ihr Smartphone, um ihre Aufnahmen mit anderen zu teilen. Je nach Altersgruppe macht das 70 bis 80 Prozent aller Anwender aus. Überraschenderweise nutzen ältere Verbraucher diese Medien intensiver als die jungen. Auch Foren werden von älteren Verbrauchergruppen inzwischen intensiver genutzt als noch vor wenigen Jahren. Vor allem facebook erfreut sich hierbei großer Beliebtheit.

„Bisher brauchen die Leute meist ein anderes Produkt, wie etwa den PC, um ihre mit der Kamera gemachten Fotos zu betrachten oder weiter zu verschicken“, so Marion Knoche. Allerdings konnte sie auch eine deutliche Zunahme im „Sharing“ bei den Fernsehgeräten und Smartphones feststellen.

Die Marktforscherin zeigte auch auf, welche Auswirkungen die neuen Funktionalitäten der Kameras auf das Verbraucherverhalten und die Absatzkanäle haben. So würden in manchen osteuropäischen Märkten Digitalkameras bereits zu 30 Prozent in Computershops verkauft. Auch das Internet spiele eine zunehmend wichtigere Rolle, die sich aber auch abhängig von bestimmten Produktkategorien entwickle. „So geht bei Wechselobjektiven ein Viertel des Wertes über das Internet“, so Marion Knoche, „bei Multimediakameras mehr als ein Drittel und bei Camcordern sind es 20 Prozent. Das sind Verschiebungen, die wir in der Handelslandschaft, aufgrund der Verschiebung der Produktkategorien, feststellen. Multifunktionsgeräte gehen nur zu zwölf Prozent über das Internet.“

Ausstattung und technische Entwicklungen motivieren weiterhin entscheidend die Nachfrage. Sie stimulieren und generieren Kaufinteresse. In den großen Aktionen und Promotionen im Niedrigpreisbereich sieht Marion Knoche eher Probleme. Sie zweifelt daran, dass 40 bis 50 Euro billige Digitalkameras eine wirklich langfristige Nachfrage generieren können. Kompakte Systemkameras sind ein wichtiger Markttreiber, auch, weil sie Zubehörkäufe nach sich ziehen. Dabei beeinträchtigen sie kaum die Märkte der Zoom- oder DSLR-Kameras.

„Das gesamte Wettbewerbsumfeld entsteht neu infolge vergleichbarer Produktmerkmale bei Foto und Video“, so Marion Knoche. Smartphones zeigen schon heute wichtige Foto- und Videokameraeigenschaften und sind aber darüber hinaus mit den Social Networks verbunden. Ein Erfolgsfaktor für die Zukunft wird nicht nur die Verbindung der Produkte untereinander, sondern auch in die sozialen Netzwerke hinein sein.

Deutschland / Europa / Welt 05 / 2011

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