Zwei Drittel der Bevölkerung photographieren

Bildgalerie betrachten

Heiner Henninges

Computerspiele, Fernsehen und Sport - das sind die Freizeitbeschäftigungen, die man als Hobbys mit der jungen und jüngsten Generation verbindet. Photographieren, ob für das schnelle Erinnerungsbild oder die liebevoll und aufwändig gestaltete Aufnahme, schreibt man allgemein eher den gesetzteren Jahrgängen zu. Dass diese Ansicht überholt ist, hat Joachim Hansen, Institut für Demoskopie Allensbach, auf der Jahrestagung des Photoindustrie-Verbandes in Hamburg mit einer Studie über das Verbraucherverhalten im Photomarkt aufgezeigt. Basis der Untersuchung war die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland ab 14 Jahren. Insgesamt sind es danach fast zwei Drittel der Bevölkerung, die mehr oder weniger oft photographieren.

Die Allensbach-Untersuchung hatte darüber hinaus viel Überraschendes aufzuzeigen: Man lese und staune - die Gruppe der 14- bis 19-jährigen lag beim Photographieren um Längen vor der Generation ihrer Großeltern, der über 60-jährigen. In Zahlen ausgedrückt, photographieren von den Youngstern 71 Prozent, bei den Senioren aber nur 44 Prozent. Auch die 50- bis 59-jährigen konnten mit 65 Prozent nicht mit den jugendlichen Photofans mithalten. Mehr photographiert wird jedoch bei den jungen Erwachsenen (20 bis 29 Jahre), die zu 75 Prozent zur Kamera greifen, aber noch von den 30- bis 39-jährigen getoppt werden, die mit 77 Prozent an der Spitze liegen.

Auch die Kinder von 6 bis 13 Jahren sind, laut der Kids Verbraucheranalyse, schon mit der Kamera unterwegs. Aktiver sind hier die Mädchen (mit 36 Prozent) vor den Jungs (mit 32 Prozent). Noch mehr driftet das Ergebnis im Teeniealter von 14 bis 19 Jahren auseinander, wo die jungen Damen mit 78 Prozent vor den zu 64 Prozent photographierenden männlichen Jugendlichen liegen. Insgesamt sind es 5,67 Millionen Kinder und Jugendliche (6 bis 19 Jahre), die häufig oder zumindest ab und zu photographieren.

Was und wo photographieren junge Menschen? Besonders viel wird unterwegs beim Ausgehen mit Freunden, auf Klassenfahrten oder bei Sport- und Konzertveranstaltungen photographiert. Die Kamera ist Bestandteil des jugendlichen Lifestyles - immer dabei und spontan im Einsatz. Das trifft nicht nur, wie zu vermuten wäre, auf die Handycams zu. Die Gameboy-Generation liebt die Kamera und weiß, wie visuelle Botschaften wirken - emotional und spannend. Der Begriff „Bildsprache“ bekommt damit einen ganz neuen Klang und entspricht visuell jenen Ausdrucksformen, die verbal die jugendlichen Szenarien auszeichnen. Geschossen wird buchstäblich aus allen Lebenslagen und sehr gern auch mit kürzester Brennweite in der Nahdistanz, aber auch aus der Hüfte - dies belegen tausende Bildeinsendungen zu Europas größtem Amateurphotowettbewerb „Blende“, der den Nachwuchsphotographen seit über 10 Jahren eine Plattform bietet.

Urlaubsbilder sind offensichtlich für alle Altersklassen unverzichtbar, bei der Jugend umso mehr, wenn sie ohne Eltern unterwegs sind. So selbstverständlich wie junge Menschen heute mit Computer und Internet umgehen, haben sie auch kein Problem damit, ihre Bilder dort zu verwalten, zu versenden und als Ausdruck, Photogeschenk oder Photobuch zu bestellen. Denn nächstes Weihnachten kommt bestimmt und dann hat man schon ein Geschenk für Freunde und Verwandte. Spätestens aber, wenn man eine Familie gründet und eigene Kinder hat, erreicht die Photographierlust, wie es schon bei den Eltern und auch Großeltern war, ihren Höhepunkt.

Auf der photokina vom 23. bis 28. September 2008 wird es auch für das jugendliche Publikum wieder viele Anregungen zur Photographie geben. Dazu gehört für Mädchen sicher die Aktion „Princess for one day“ bei der Top-Visagist Ulrich Remus weibliche Messebesucher in Prinzessinnen verwandeln wird, die dann der bekannte Photograph Guido Karp porträtiert. Dazu zählt aber sicher auch das „Photobuch XXL“, in dem sich alle Besucher der photokina mit ihren digitalen Bildern, die auf Printstationen ausgedruckt werden, verewigen können.
 

Deutschland / Europa / Welt 09 / 2008

62 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden