100 deutsch-deutsche Bilddokumente: Den „Wahnsinn“ mit der Kamera festgehalten

Fotoausstellung „25 Jahre Fall der Berliner Mauer“ im Deutschen Kameramuseum Plech. – „Wahnsinn! Wahnsinn! Wahnsinn!“ steht auf einem Schild, das Herbert Piel nach dem Mauerfall in einem DDR-Dorf auf Film bannte. „Wahnsinn! Wahnsinn! Wahnsinn!“ könnte auch als Motto über der Ausstellung stehen, die das Deutsche Kameramuseum in Plech mit den drei Fotografen Herbert Piel (Boppard), Jens Werlein (Schwäbisch Gmünd) und Kurt Tauber (Plech) vom Sonntag, 9. November, bis Sonntag, 30. November 2014, präsentiert. Diese drei Chronisten empfanden das, was sie „damals“ sahen und im Bild festhielten, ebenfalls als Wahnsinn – jeder zu seiner Zeit und am jeweiligen Ort. Und passenderweise einer nach dem anderen…

Die drei Fotografen in der chronologischen Reihenfolge ihrer insgesamt rund 100 Fotothemen im Kurzporträt:

Kurt Tauber: Die DDR, Berlin und die Mauer

© Kurt Tauber
© Kurt Tauber
Heute Rentner und Plecher Museumsleiter, war Tauber damals stellvertretender Redaktionsleiter der Nürnberger Nachrichten für die Bezirksredaktion Pegnitz. Er bereiste 1979 und 1982 privat jeweils für ein paar Tage auf Verwandtenbesuch die DDR.

Bei Ausflügen im Raum Meiningen – Schmalkalden – Suhl – Eisenach fotografierte er fleißig und brachte einige hundert Farbdias mit nach Hause (und animierte damit die Stasi, eine Akte über ihn anzulegen, die er sich später von der Gauck-Behörde in Kopie zusenden ließ). Das Haus der Geschichte (hdg) in Bonn kaufte eine Auswahl seiner Bilder für Ausstellungen zum Thema DDR an.

In Berlin hielt sich Kurt Tauber erstmals als 18-Jähriger im März 1970 auf Abiturfahrt auf und fotografierte seine ersten Mauerbilder. Spätere Besuche – dienstlich und privat – häuften sich ab 1980. Damals entstanden viele Fotos der Berliner Mauer und auch Aufnahmen in Ost-Berlin.

Jens Werlein – Fotograf und Hochschuldozent

© Jens Werlein
© Jens Werlein
Der selbstständige Fotograf (seit 1982) und Hochschuldozent für Fotografie (seit 1985) in Schwäbisch Gmünd, Jens Werlein, hörte am 9. Dezember 1989 im Radio und im Fernsehen von den unglaublichen Dingen, die da in Berlin vor sich gingen. Er setzte sich ins Auto und fuhr – nein: raste – quer durch Deutschland nach Berlin, wo er dann die ganze restliche Nacht die turbulenten Szenen an und auf der Mauer mit der Mittelformatkamera festhielt.

Werleins Fotos von damals blieben bewusst und voller Absicht viele Jahre seine ganz persönlichen, privaten Erinnerungen an diese denkwürdige Nacht und wurden bisher nie in einer Zeitung oder Zeitschrift veröffentlicht.

Zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls zeigte Werlein eine Auswahl in einer Berliner Ausstellung, wo er auch einige Prints in limitierter Auflage anbot. Jetzt, fünf Jahre später, beteiligt sich Jens Werlein, der inzwischen zum harten Kern der Plecher Museumsmacher gehört, mit den damaligen Aufnahmen an der Ausstellung im Deutschen Kameramuseum.

Herbert Piel: Wendezeit

Der Dritte im Bunde ist der bekannte deutsche Fotograf und Bildjournalist Herbert Piel (geboren 1957) aus Boppard, der unter anderem für internationale Agenturen wie Reuters, Associated Press (ap) und die Deutsche Presse-Agentur (dpa) sowie als Auftragsfotograf für den Stern, die Bunte und den SPIEGEL gearbeitet hat. Piel ist auch seit Mai 2014 Lehrbeauftragter der neuen „Leica MasterClass“ im Bereich Reportage, zunächst in Berlin, München, Frankfurt, Hamburg und Salzburg.

© Herbert Piel
© Herbert Piel
© Herbert Piel
© Herbert Piel
Die Themen, die er beisteuert, passen in die oben beschriebene Chronologie: Ob mittlerweile verschwundene Berufsstände wie Korbmacher, Blautonerin, Panflötenbauer in Erfurt, oder auch Reaktionen der ehemaligen DDR-Bürger auf die neu gewonnene „Freiheit“, oder offizielle politische Besuche und Begebenheiten wie die zweite Fensterrede Willy Brandts in Erfurt oder der erste Besuch Hans-Dietrich Genschers in seiner Heimatstadt Weimar – all diese Motive hielt Herbert Piel mit der Kamera fest.

Unter dem Titel „My life – my work – in pictures – in stories“ hält Herbert Piel am Samstag, 8. November 2014, 19 Uhr, einen Vortrag über sein Leben, seine Arbeit und seine Werke anhand von Bildern und Geschichten aus seiner Biografie.

Die Ausstellung im Deutschen Kameramuseum in Plech ist vom 9. bis 30. November 2014 sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr, werktags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist ein Katalog namens „Wendezeit“ mit Herbert Piels Fotos und ein Begleitbuch mit Taubers Arbeiten („25 Jahre Fall der Berliner Mauer: DDR – Berlin – Die Mauer“) erschienen.

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 11 / 2014

9 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden