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Alles wieder anders

Fotografien aus der Zeit des Strukturwandels – Zu sehen im Ruhr Museum in Essen noch bis zum 16. Februar 2011.

Im Ruhrgebiet hat sich ein rasanter Strukturwandel vollzogen: Der ehemalige Industriemoloch, die Heimat von Kohle und Stahl, entwickelt sich immer mehr zur post-montan-industriellen Kultur- und Naturlandschaft. In diesem Prozess sind völlig neue Lebens- und Arbeitsformen entstanden. Dabei hat sich Gesicht der Region grundlegend verändert. Der Kohlekrise folgte die Stahlkrise. Sie führte in den 1980er und 1990er Jahren zum endgültigen Niedergang der traditionellen Montanindustrie. Damit wurde ein ganzes Lebensmodell entwertet und eine grundlegende Neuorientierung auf praktisch allen Ebenen von der Wirtschaft über die Gesellschaft und die Umwelt bis zur Kultur erforderlich.

Die vom Wiener Architekten Bernhard Denkinger gestaltete Ausstellung zeigt Bilder dieses Wandels – zirka 400 Fotografien aus den 1970er Jahren bis 2000, überwiegend aus eigenen Beständen, viele bisher unveröffentlicht – von Bernd und Hilla Bechers Dokumentationen der Relikte industrieller Architektur über die Bestandsaufnahme des Lebens im Stadtteil Bottrop-Ebel von Michael Wolf, alte und neue Arbeit (Milton Rogovin, Wolfgang Staiger, Timm Rautert, Rudolf Holtappel), politische Proteste (Manfred Scholz, Manfred Vollmer), jugendliche Subkulturen (André Gelpke, Andreas Weinand, Klaus Baumers u.a.), bis hin zum Wandel des Alltags (Joachim Brohm, Marga Kingler, Rudi Meisel), der Städte (Thomas Struth, Joachim Schumacher) und der Landschaft, etwa durch die Projekte der IBA-Emscherpark (u.a. Peter Liedtke). Fotografen haben den Strukturwandel intensiv begleitet, sei es im Auftrag journalistischer Medien, für Archive, zur Imagewerbung unterschiedlicher Institutionen oder auf eigene Initiative. Nahezu in jedem Bild tauchen die Bewohner des Reviers auf, deren Alltag und Lebensstil sich drastisch in der Zeit des Strukturwandels verändert hat. Mittlerweile zeigt sich, dass „Wandel“ zum Imagebegriff geworden ist, alte Mythen des Reviers von neuen abgelöst wurden, traditionelle Klischees zwar noch existieren – vor allem außerhalb der Region – vor Ort aber mittlerweile meist als überholt wahrgenommen werden.

Die vergleichende Zusammenstellung von Bildern aus 30 Jahren Reviergeschichte bietet dem Betrachter die Möglichkeit, sich ein eigenes, frisches Bild von der Zeit zu machen, in der das Ruhrgebiet neue Gestalt gewann und alles wieder anders wurde.

Weitere Informationen: www.ruhrmuseum.de/.

Fotoausstellungen 10 / 2010

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Rudi Meisel, Essen 1985,  © Fotoarchiv Ruhr Museum

"Essen 1985, © Fotoarchiv Ruhr Museum"
Rudi Meisel

Manfred Vollmer, Barkhofsiedlung, Essen-Altenessen, 1977 © Fotoarchiv Ruhr Museum

"Barkhofsiedlung, Essen-Altenessen, 1977, © Fotoarchiv Ruhr Museu"
Manfred Vollmer

Marga Kingler, Abbruch Boecker, Essen, Januar 1991 © Fotoarchiv Ruhr Museum

"Abbruch Boecker, Essen, Januar 1991, © Fotoarchiv Ruhr Museum"
Marga Kingler

André Gelpke, Tanzturnier in Recklinghausen 1985 © Fotoarchiv Ruhr Museum

"Tanzturnier in Recklinghausen 1985, © Fotoarchiv Ruhr Museum"
André Gelpke