Ausnahmezustand

Red House I (May Day Stadion, Pjöngjang) Bildgalerie betrachten

"Red House I (May Day Stadion, Pjöngjang)"
NOH Suntag

Noch bis 18. Mai 2008 zeigt der Württembergische Kunstverein Stuttgart mit rund 200 Photographien die erste umfassende Einzelausstellung außerhalb Asiens des 1971 in Seoul geborenen Künstlers Noh Suntag. Noh zählt zu den avanciertesten Photokünstlern Südkoreas, dessen Werke dort in den letzten Jahren eine hohe Aufmerksamkeit erregten. Unter anderem nahm er 2006 an der Gwangju Biennale teil.

Seine meist über Jahre entwickelten Serien aus Schwarz-Weiß- und Farbphotographien beobachten Konfliktsituationen innerhalb der gegenwärtigen koreanischen Gesellschaft. Diese Konflikte gehen zurück auf die Teilung und den Krieg zwischen Nord- und Südkorea, auf die Diktaturen in beiden Teilen des Landes (im Süden bis 1987) und - in Südkorea - auf den seit den 90er Jahren um sich greifenden Turbokapitalismus. Das Bild, das Noh von Korea entwirft, ist das eines permanenten Ausnahmezustands.

Noh, dessen Photographien in Nord- und Südkorea entstehen, interessieren die Ambivalenzen und Brüche innerhalb und zwischen den beiden Gesellschaften: ihr Spiegelverhältnis, die militärische Präsenz und ideologischen Extreme auf beiden Seiten, das Verhältnis von Individuum und Masse oder die gleichermaßen subtilen wie offen gewalttätigen Situationen, die den Alltag im Süden wie im Norden durchdringen.

Diese Ambivalenz findet ihre Entsprechung in Noh’s eigenwilliger photographischer Ästhetik, die das Dokumentarische mit dem Fiktiven, die Momentaufnahme mit strenger Komposition verbindet. Die harten Kontraste verstärken die Dramatik der meist konfliktgeladenen Situationen, die er ablichtet - eine Dramatik, die zugleich zurückgenommen wird durch die Nüchternheit und Distanziertheit seines Blicks. Die Perfektion des Einzelbildes wird durch dessen Einbettung innerhalb von Serien relativiert. Weit von den Ästhetiken und Strategien der inszenierten Photographie entfernt, wirken sie dennoch gestellt. Sie erinnern an filmische Szenarien oder wenden Ästhetiken der Modephotographie ebenso wie Traditionen der pathetischen Landschaftsphotographie an. Es ist gerade diese Nicht-Einordbarkeit und Widersprüchlichkeit, die Noh’s Photographien auszeichnen.

Weitere Informationen: www.wkv-stuttgart.de
 

Fotoausstellungen 03 / 2008

32 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden