Beate Gütschow - place(ments)

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"LS#7, 1999"
Beate Gütschow

Staatliche Kunstsammlung Dresden, noch bis 17. Januar 2010

Beate Gütschow präsentiert in ihrer Ausstellung „place(ments)“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau erstmalig ihre neue Serie I (Innenräume). Zum ersten Mal in Deutschland werden außerdem neue Arbeiten aus der Serie S (Stadtlandschaften) zu sehen sein. Bekannt wurde Gütschow mit Arbeiten ihrer Serie LS (Landschaft), aus der in Dresden ebenfalls eine Auswahl gezeigt wird. „Beate Gütschow place(ments)“ zeigt insgesamt 40 teils großformatige Arbeiten der 1970 in Mainz geborenen Künstlerin.

Gütschows Fotos wirken auf den ersten Blick wie technisch perfekte Landschaftspanoramen, sind aber das Ergebnis eines aufwändigen Puzzles aus Fragmenten der Realität. Als Ausgangsmaterial verwendet die Künstlerin analoge Fotografien, die sie digitalisiert und archiviert. Am Computer setzt sie bis zu hundert Einzelaufnahmen zu einem Bild zusammen. An die Stelle des isolierten Wirklichkeitsausschnitts der klassischen Fotografie tritt die freie Komposition, vergleichbar mit den Möglichkeiten in der Malerei. Auch, wenn die Landschaftsblicke und Stadtansichten merkwürdig unkonkret wirken, glaubt man, die vorgeführte Situation so oder ähnlich schon einmal gesehen zu haben. Doch die später unter genauer Betrachtung einsetzende Irritation ist umso größer. Die vorgenommene Manipulation blendet die Realität weder aus noch versucht sie, sie zu überbieten; stattdessen konstruiert sie - aus den Fragmenten des Gegenwärtigen - Erkenntnisräume des Vergangenen (Landschaft) oder Aufzeichnungen des Zukünftigen (Stadt).

Der komplexe Entstehungsprozess von Gütschows Arbeiten ist stets mitzudenken, hinterfragt die Künstlerin doch durch ihn die Authentizität fotografischer Reproduktionen. Mit den Mitteln der Fotografie bearbeitet sie ideale Projektionen von Natur und Architektur in der Kunstgeschichte, die bereits zu kollektiven Wahrnehmungsmustern und zur Bildkonvention geworden sind. Schon die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts von Claude Lorrain, Nicolas Poussin oder Jacob van Ruisdael bediente eine Fiktion: Die ideale Landschaft wurde nach einem festgelegten Kompostitionschema im Atelier konstruiert. Im Gegensatz zu den arkadischen Landschaften herrscht in Gütschows schwarzweißen Stadtbilder eine pessimistische Stimmung: Die großformatigen Fotos zeigen unwirklichliche Gegenden mit heruntergekommenen Gebäuden, modernistische Fragmente fügen sich zusammen zu einer negativen Utopie.

Seit ihrer Wiedereröffnung im Jahr 2005 verfolgt die Kunsthalle im Lipsiusbau an der Brühlschen Terrasse das Ziel, sich in Dresden als Forum zeitgenössischer Kunst zu etablieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei jungen Künstlern, die an diesem traditionsreichen Ausstellungsort ein ideales Experimentierfeld vorfinden - berühren sich doch in seiner heutigen Gestalt Vergangenheit und Zukunft. Martin Eder war hier mit seinen Gemälden zu Gast und sorgte für viele Diskussionen zum Thema "Was darf Kunst?". Derzeit ist die Sammlung Hoffmann mit verschiedenen Positionen der zeitgenössischen Kunst zu sehen.

Weitere Informationen: www.skd-dresden.de/de/index.html.
 

Fotoausstellungen 11 / 2009

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