Bilder von Paaren und Familien

Architektenehepaar [Dora und Hans Heinz Lüttgen], 1926 Bildgalerie betrachten

"Architektenehepaar [Dora und Hans Heinz Lüttgen], 1926"
August Sander

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln präsentiert noch bis zum 20. April 2008 die Ausstellung „Bilder von Paaren und Familien“ mit rund vierzig Photographien von August Sander aus der Zeit von 1911 bis in die 1950er Jahre. Die Ausstellung zeigt, welch wichtige und durchgehende Bedeutung das familiäre Motiv im Werk des berühmten Photographen einnimmt. Sie bietet zudem eine interessante historische Parallele zur zeitgleich präsentierten Hauptausstellung Thomas Struth.

Viele der in familiären Kontexten aufgenommenen Photographien Sanders sind ursprünglich als Auftragsarbeiten entstanden, sei es, dass August Sander aufs Land, vornehmlich in den Westerwald, gerufen wurde, um dort Familien abzulichten oder sei es, dass er die Bilder in seinem Atelier in Köln-Lindenthal fertigte. Anlässe dafür boten beispielsweise vielerlei Ereignisse: Jubiläen, Geburtstage, Konfirmationen, Hochzeiten, Taufen oder schlicht der Wunsch, ein Andenken zu erwerben, das den Kreis der Angehörigen, Kinder oder das Zusammensein mit dem Ehepartner gut getroffen wiedergibt. Es entstanden Erinnerungsstücke, die heute wie damals so besonders wie alltäglich sind, Erinnerungsstücke, die über einzelne Familien sowie über die Vielgestaltigkeit von Lebenswegen erzählen und nicht zuletzt trotz aller sachlicher Darstellungsweise emotional geladene Stationen markieren, die die persönliche oder auch - allgemeiner betrachtet - die gesamtgesellschaftliche Entwicklung betreffen.

Dass Photographien insofern eine über das Individuelle hinausgehende modellhafte Aussage haben können, darüber war sich August Sander im Laufe seiner bereits seit vor der Jahrhundertwende durchgeführten professionellen Arbeit sehr bewusst geworden. So hatte er Mitte der 1920er Jahre den Vorsatz gefasst, unter dem Titel „Menschen des 20. Jahrhunderts“ ein photographisches Werk zusammenzustellen, das unter Hervorhebung einzelner typologischer Aufnahmen einen Querschnitt durch die Gesellschaft seiner Zeit bietet. „Mit Hilfe der reinen Photographie“, so seine Worte, „ist es uns möglich, Bildnisse zu schaffen, die die Betreffenden unbedingt wahrheitsgetreu und in ihrer ganzen Psychologie wiedergeben. Von diesem Grundsatz ging ich aus nachdem ich mir sagte, dass, wenn wir wahre Bildnisse von Menschen schaffen können, wir damit einen Spiegel der Zeit schaffen, in der diese Menschen leben.“ (August Sander an Professor Erich Stenger, Brief vom 21. Juli 1925, Original Museum Ludwig, Köln/Sammlung Agfa)

Weitere Informationen www.photographie-sk-kultur.de/
 

Fotoausstellungen 01 / 2008

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