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Burka meets ...

Die Petra Rietz Salon Galerie in Berlin präsentiert noch bis zum 20. August 2011 die Ausstellung „Burka meets …“ mit Arbeiten von Lela Ahmadzai.

Die afghanische Burka ist eine Extremform des Körperschleiers, der den Körper der Frau bis auf ein kleines, gitterartiges Sichtfenster im Bereich der Augen vollständig bedeckt. Während Frauen in den 90er Jahren vom Regime der Taliban zum Tragen der Burka verpflichtet waren, gilt sie ihnen heute teilweise als Schutz und willkommenes Medium, Armut zu verstecken. Die in Deutschland lebende Künstlerin Lela Ahmadzai reflektiert in ihrer Medieninstallation „Burka meets…“ eigene und fremde Alltagserfahrungen. Ihre Fotografien und Objekte vermitteln eindrucksvoll die Situation der afghanischen Frauen unter dem Schleier.

Die Bilder erzählen vom regen Markttreiben, von Karawanen mit beladenen Eseln und Kanister schleppenden Kindern oder einzelnen Menschen inmitten karger Landschaften und ärmlicher Behausungen. Immer wieder tauchen Frauen gehüllt in Burkas auf – das zentrale Thema der Ausstellung. Wie Gefangene im eigenen Körper schieben sich die schwer und massig erscheinenden Figuren durch die Straßen. In der Galerie installierte Burka-Gewänder konfrontieren den Betrachter mit der Bürde des Ganzkörperschleiers, der gleichzeitig auch Zuflucht bietet und ermöglichen eine besondere Perspektive auf die Rolle der afghanischen Frauen.

Ahmadzai nähert sich als Exilantin ihrem Herkunftsland an und setzt sich so mit ihrer eigenen Identität auseinander. Sie beleuchtet die Situationen der Frauen insbesondere im Kontext der traditionellen Burka-Bekleidung. Ahmadzai selbst konnte diesen Konventionen als junge Frau entfliehen, da ihr Vater eine aufgeschlossene Einstellung besaß und sich sehr für die Vermittlung von Bildung auch unter Frauen einsetzte. Aufgrund zunehmender politischer Anspannungen verlässt die Familie Ende der 80er Jahre gemeinsam das Land. Die Position aus dem Exil ermöglicht es Ahmadzai, aus gesellschaftlich vorgeschriebenen Grenzen auszubrechen, wobei sie dennoch an sich selbst immer wieder Verhaltensweisen entdeckt, die an alten Traditionsmustern orientiert sind. Ihre Reflexionen über die Situation in Afghanistan sind während ihrer Reisen in das Heimatland entstanden. Einige der dokumentarisch anmutenden Bilder wurden unbemerkt aufgenommen, andere mit Verwandten inszeniert. Die Fotografien zeugen von der engen persönlichen Bindung der Künstlerin an das Land und seine Menschen und reflektieren die Bedeutung und auch die Problematik der traditionellen Verschleierung afghanischer Frauen.

Die Künstlerin Lela Ahmadzai (* in Kabul, Afghanistan) ging im Alter von 17 Jahren mit ihrer Familie ins Exil nach Deutschland. 2004 erwarb sie ihr Diplom in Produkt Design an der Fachhochschule Hannover. Von 2004 bis 2005 war sie am International Design & Fashion College-Hannover als Dozentin tätig, anschließend reiste sie als freiberufliche Fotografin in die USA. 2009 Master in Design an der Fachhochschule Hannover. Mit einem Stipendium der „VG-Bild Kunst“ für ein Fotografie-Projekt in Afghanistan entwickelte sie 2010 das Projekt „Strangers At Home“ und dokumentierte die Frauenfußball- Nationalmannschaft in Kabul. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Berlin.

Weitere Informationen: http://www.petrarietz.com/

Fotoausstellungen 07 / 2011

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Lela Ahmadzai

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