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Deimel + Wittmar

Galerie Ricarda Fox in Mühlheim - 12. September - 16. Oktober 2009

Deimel + Wittmar haben Architekturen der zwanziger Jahre gesichtet, haben Blicke zu Fotografien gemacht, ohne, dass sie anderen als den eigenen Ansprüchen zu folgen hatten. Freie Bilder, Fotografien, die dem eigenen Verlangen entspringen können, Entsprechungen zu schaffen, die nicht der funktionalen, sondern der geistigen Bestimmung gelten. Sie haben seit 1996 Gebäude besucht, die zumindest architekturhistorisch am Rande liegen, weniger für den architektonischen „Aufbruch“ als für eine eklektizistische Kontinuität stehen. Was sie mit ihren Fotografien anbieten, ist eine Art erneuten Lesens der Bauten, wie ein Buch, das, nach vielen Jahren aus dem Regal genommen, wiedergelesen und nun erst geschrieben wird. Und eben dies vermag ja die Fotografie, mit jedem Schritt auf einem bekannten Weg Unerkanntes und nicht Gesehenes zu heben, Dinge oder Geschehen nicht zu dokumentieren, aber sie in die Zeit anderer Blicke zu stellen. Die Fotografien bieten Einblick in den strukturellen Umfang der Architekturen wie auch in die Distanz, die sich zu ihm offenbart. Es ist eine doppelte Distanz zur Architektur, in die uns Deimel + Wittmar mit ihren Arbeiten stellen. Jeden in der Aufnahme historisierenden Gestus vermeidend, werden sie dem Medium Fotografie gerecht und verhindern den Eindruck einer historischen Kontinuität in der bewussten Fragmentierung. In jedem Bild lassen sie die Architektur anders überleben, mit jedem Bild legen sie offen, was nicht zu sehen ist. Sie haben sich im Sinne Walter Benjamins fotografisch an die Arbeit der Übersetzung gemacht, Gänge durch die Arkaden der Architektur unternommen, um in formaler wie konzeptioneller Strenge uns ein Angebot der Teilhabe zu unterbreiten.

Deimel + Wittmar stellen die Architektur in die Problematik ihrer Überlieferung. Sie nehmen den Weg nicht einer fotografisch aussichtslosen Dokumentation von Architektur, sondern zitieren Ausschnitte, wie andere einst Raubgut zu architektonischen Spolien formten. Blicke werden von Deimel + Wittmar als Pausen gedacht. Die Fotografie setzt aus. Sie teilt die Architektur von ihrer Erscheinung ab, setzt jeden Schritt in die imaginäre Erschließung umbauten Raums und bietet mit dem Augenblick einen Gegenwurf zur fotografierten Architektur. Zu keiner Zeit stellt die Fotografie die Architektur dar, mit jeder Aufnahme aber setzt sie die Architektur in die Erwartung des Kommenden - einer Ankunft, die dem Torhüter Kafkas sehr viel näher steht als jeglicher Erwartung, in der der architektonische Raum als ein fotografisch erschlossener stünde. Das ist das Moratorium der Fotografie. Wo Raum zur Fläche wird, stehen wir vor der Unentschiedenheit des Raums und damit auf der Schwelle zwischen Außen und Interieur.

Weitere Informationen: www.galerie-fox.de.
 

Fotoausstellungen 09 / 2009

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