Erich Grisar - Ruhrgebietsfotografien 1928 - 1933

Erich Grisar: Vor der Westfalenhütte, Dortmund (1928-1933)
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Erich Grisar: Vor der Westfalenhütte, Dortmund (1928-1933)
© Stadtarchiv Dortmund

Das Ruhr Museum in Essen zeigt noch bis zum 28. August 2016 in seiner Galerieausstellung die weitgehend unveröffentlichten Schwarzweißfotografien des bislang nur als Schriftsteller bekannten Dortmunder Erich Grisar zu den Themen „Städtisches Leben“, „Kindheit“ sowie „Arbeit und Alltag“ im industriellen Ballungsraum.

Die dokumentarischen Aufnahmen im Stil der Sozialreportage entstanden in den Jahren 1928 bis 1933 im Ruhrgebiet, vor allem aber in seiner Heimatstadt Dortmund. Der im Dortmunder Stadtarchiv lagernde fotografische Nachlass Grisars umfasst mehr als 4.200 Negative und Glasplatten, wovon circa 1.500 im Ruhrgebiet entstanden sind.

Erstmalig wurde dieser Bestand ausgewertet und ist nun in einer Auswahl von knapp 200 Fotografien im Ruhr Museum zu sehen. Grisar hat gezielt Themen aus dem Arbeitermilieu fotografiert, zu denen er zeitlebens auch schriftstellerisch gearbeitet hatte; hier interessierten ihn besonders die Härten des Alltags- und Arbeitslebens. Seine Fotografien zeigen eine Innensicht des Reviers und sind mit einem empathischen Blick für die Menschen ins Bild gesetzt. Er interessierte sich für das Leben in der Stadt, für den Alltag in den Siedlungen mit den mächtigen Industrieanlagen im Hintergrund, für die harte körperliche Arbeit und die technischen Fertigkeiten der unterschiedlichen Berufsgruppen. Er wusste, wovon er in seinen Bildern erzählt, weil er Milieus zeigt, in denen er groß geworden war und zu denen er profunde Kenntnisse besaß. Die genau beobachteten Szenen auf der Straße, insbesondere von spielenden und arbeitenden Kindern, sind die größte Entdeckung im Bestand.

Erich Gisar (1898 – 1955) stammte aus proletarischem Hause, war Sozialdemokrat und Guttempler. Vor seiner freien fotografischen und journalistischen Tätigkeit arbeitete er mehrere Jahre als Vorzeichner in einer Kesselschmiede. In der Endphase der Weimarer Republik fotografierte er als Autodidakt Sozialreportagen, die in der Tagespresse oder in Zeitungen des linken Spektrums veröffentlicht wurden. Häufig stammen Text und Fotografien von Grisar. Er nahm die Impulse der sozialkritischen Arbeiterfotografie auf und war selbst ein unabhängiger Teil von ihr. Er wollte als Schriftsteller zwischen den Klassen vermitteln, als Fotograf konnte er dieses Anliegen weiter verwirklichen.

Die Ausstellung ist Teil eines großen Kooperationsprojektes. Das Ruhr Museum entdeckt Grisar zusammen mit dem Stadtarchiv Dortmund, wo der fotografische Nachlass liegt, und dem LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, wo die Ausstellung vom 24.2.2017 bis 8.10.2017 gezeigt wird, als Fotografen; das Fritz-Hüser-Institut, wo der schriftstellerische Nachlass aufbewahrt wird, und die LWL-Literaturkommission für Westfalen, die weitere Werke Grisars bearbeitet und herausgibt, entdecken ihn als Schriftsteller.

Begleitend zur Ausstellung finden im Ruhr Museum eine Vortrags- und Filmreihe sowie eine Tagung zu Erich Grisar und der Arbeiterfotografie statt. Vielfältige Führungsangebote runden das Angebot ab. Detaillierte Informationen sind unter www.ruhrmuseum.de zu finden.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit rund 220 Seiten und ca. 240 Abbildungen im Essener Klartext Verlag.

Als Partner unterstützt auch die Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets das Begleitprogramm.

Fotoausstellungen 03 / 2016

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