Fotoausstellung: Herlinde Koelbl - Kleider machen Leute

Herlinde Koelbl: Nonne aus der Serie Bildgalerie betrachten

Herlinde Koelbl: Nonne aus der Serie “Kleider machen Leute”

Noch bis zum 14. März ist im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund die Fotoausstellung „Kleider machen Leute“ mit Fotografien von Herlinde Koebl zu sehen.

In 70 Doppelporträts zeigt Herlinde Koelbl, wie die Körper der Abgebildeten durch Uniformen zu Gestalten werden. Ob Ordensschwester oder Kaminkehrerin, General oder Metzger: Es ist ihre Berufskleidung, die diesen Menschen eine Identität verleiht. Die Künstlerin hat die Menschen in Deutschland und im Ausland porträtiert – zunächst in ihrer Standes- und Berufsbekleidung und anschließend so, wie sie sich in ihrer Freizeit kleiden.

Erforscht wurde in der Fotoserie, was die unterschiedlichen Uniformen aus den Personen machen. Die Kategorien der Wahrnehmung anderer Menschen werden in dieser Ausstellung bestätigt und gleichzeitig verunsichert: In welcher Kleidung zeigen sich die Porträtierten in ihrer sozialen Rolle, in welcher kommt ihr individueller Charakter zur Geltung?

Vertreten waren Menschen aus Berufsgruppen, in denen eine spezifische Kleidung traditionell eine große Rolle spielt wie etwa beim Militär, in den Kirchen oder im Hotelwesen. Daneben waren aber zahlreiche andere Professionen beteiligt: ein Astronaut, ein Bergmann, eine Bundesverfassungsrichterin, ein Clown, ein Diplomat, eine Domina, ein Jockey, eine Geisha, ein Sargträger und viele andere.

Herlinde Koelbl arbeitete an der Serie „Kleider machen Leute“ von 2008 bis 2012. Die Verwandlungen von Menschen in ein uniformiertes Ich interpretierte sie nicht nur in den Bildern, sondern gelangte als Interviewpartnerin zu konkreten Aussagen der Dargestellten, die häufig überraschen und berühren. Auch diese Selbstaussagen der Fotografierten sind in der Schau zu sehen.

Die Ausstellung „Kleider machen Leute“ in Dortmund wird von der Kulturstiftung Dortmund gefördert. Kulturpartner des Museums für Kunst und Kulturgeschichte ist der WDR.

Zum Werk der Künstlerin Herlinde Koelbl

Herlinde Koelbls Werk zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie an ihre Themen konzeptionell herangeht und diese mit ihrem ganz eigenen Blick realisiert. Die Arbeit an ihren Projekten kann bis zu mehreren Jahren dauern. Parallel zu ihren Büchern und Ausstellungen veröffentlicht sie häufig auch themengleiche Dokumentarfilme.

Ihr erster großer Erfolg war der Bildband Das deutsche Wohnzimmer (1980). Es folgten weitere wie Männer (1984) und Starke Frauen (1996), die mutige und ehrliche Aktporträts enthalten – sowohl aus Sicht der Fotografin wie auch aus Sicht der Porträtierten. Ihr Werk Jüdische Porträts (1989) wurde preisgekrönt. Koelbls bislang größtes Projekt ist eine Langzeitstudie, für die sie von 1991 bis 1998 jährlich 15 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft fotografierte und interviewte. Unter dem Titel Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt erschien 1999 ein Bildband, der u. a. die Veränderung von Joschka Fischer, Gerhard Schröder und Angela Merkel darstellt. 1999 wurde der gleichnamige Dokumentar- und Fernsehfilm mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. 2003 drehte sie über Benjamin von Stuckrad-Barre den Dokumentarfilm Rausch und Ruhm, der dessen Weg durch den Drogenentzug begleitet. 2009 wurde zum ersten Mal eine Werkschau mit Koelbls Gesamtwerk unter dem Titel „Herlinde Koelbl Fotografien 1976 -2009“ in ihrer bislang größten Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert.

Die Künstlerin wurde seit den 1980er Jahren vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Zu den jüngst erworbenen gehören der Oberbayrische Kulturpreis und der EON-Kulturpreis (beide 2012), der Querdenkerpreis (2011) sowie im Jahr 2010 der Corine Internationaler Buchpreis, der Lindauer Kulturpreis sowie der Comprix Award Gold. 2009 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Weitere Informationen: http://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/museen/mkk/start_mkk/index.html

Fotoausstellungen 12 / 2013

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