Paradise Now und Naturdinge

Peter Bialobrzeski, Paradise Now # 63 Bildgalerie betrachten

"Paradise Now # 63"
Peter Bialobrzeski

Die Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin präsentiert noch bis zum 18. April 2010 die Ausstellungen Peter Bialobrzeski - Paradise Now und Alfred Ehrhardt – Naturdinge.

Peter Bialobrzeski (geb. 1961 in Wolfsburg) thematisiert in seiner Serie Paradise Now die sowohl vom Menschen gepflanzte als auch vom Stadtwachstum unberührt gelassene, urwaldartige Natur in den asiatischen Mega-Städten Jakarta, Singapur, Bangkok und Kuala Lumpur. Wie in seinen früheren Serien Neontigers und Lost in Transition lotet Bialobrzeski die Grenzen des Dokumentarischen meisterhaft aus. Seine Bildkompositionen sind verführerisch wie Gemälde der Romantik, doch ist ihre oberflächliche Schönheit trügerisch. Ausschließlich zur Abenddämmerung oder nachts aufgenommen, lassen die Neonleuchten und angestrahlten Wolkenkratzer das wuchernde Tropengrün zwischen hyperreal und surreal changieren. „Die Bilder inszenieren das üppige Wachstum als Zeichen der Hoffnung, werfen aber auch die Frage auf, ob wir dieses Leuchten angesichts der prognostizierten Klimakatastrophe noch verantworten können“ (Bialobrzeski). Die paradiesisch anmutende, von glitzerndem Großstadtlicht erleuchtete Natur scheint sich gegen die urbane Struktur durchsetzen zu können. So evoziert Paradise Now das Szenario einer fernen Zukunft, in der der Mensch von diesem Planeten wieder verschwunden sein wird und sich die Natur ihren Platz zurück erobert.

Alfred Ehrhardt (1901-1984) ist bekannt für seine fotografischen und filmischen Studien von Naturdingen, von Korallen, Schwämmen, Muscheln, Schnecken, Seeigeln, Seesternen, Kristallen und Gesteinen, die von großem Respekt für die vielfältigen Formen der Natur zeugen. In der mächtigen Bildsprache der Neuen Sachlichkeit verdeutlichte er den Formenreichtum und die Gesetzmäßigkeiten der Natur mit typologischer Systematik und naturwissenschaftlichem Darstellungsmodus. Für ihn waren die vielfältigen Erscheinungsformen der Natur Zeichen eines übergeordneten, schöpferischen Plans im Sinne eines pantheistischen Naturverständnisses.

Die Natur, die es zu studieren galt, wurde zum Ausgangspunkt und zur Inspirationsquelle für das künstlerische Schaffen. Ehrhardt stellt die Natur als eine den Menschen überdauernde, überzeitliche Kraft dar. Der Mensch ist Teil der Natur, die als traditionelle Gegenspielerin des Zivilisatorischen zur normativen Instanz wird. Der Dialog mit Peter Bialobrzeskis Paradise Now verdeutlicht, dass die Natur den Kampf gegen die vom Menschen geschaffenen Welten aufzunehmen und sich zu behaupten weiß. Die fotografische Ausstellung wird ergänzt durch die Vorführung der drei preisgekrönten Dokumentarfilme Spiel der Spiralen (1951), Tanz der Muscheln (1956) und Korallen, Skulpturen der Meere (1964).

Weitere Informationen: www.alfred-ehrhardt-stiftung.de/.
 

Fotoausstellungen 02 / 2010

43 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden