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Frank Rothe - China Naked

Anlässlich der im August beginnenden Olympischen Spiele in China zeigt die Galerie Camera Work in Berlin noch bis zum 16. August 2008 ausgewählte Arbeiten von Frank Rothe aus der Serie „China Naked“.

Der große Auftritt Chinas auf der Weltbühne steht unmittelbar bevor. Während der Olympischen Spiele im August wird sich das asiatische Land, nach Jahren des rasanten Wachstums, in all seiner durchinszenierten Pracht präsentieren. Aber neben dem offiziellen Glanz sind die Olympischen Spiele - und das wird in der internationalen Berichterstattung gern übersehen - auch ein Zeichen für die Öffnung des faszinierenden, uns aber letztendlich fremd gebliebenen Landes. Der Photograph Frank Rothe ist diesem Fremden nachgegangen und nähert sich mit seiner Kamera konzeptuell dem von gravierenden Umbrüchen geprägten Land. Dabei fragt er nach der chinesischen Identität und begibt sich gleichzeitig auf die Suche nach den Unterschieden sowie der Wechselbeziehung zwischen chinesischer und westlicher Kultur. 21 Chinesen - Männer und Frauen unterschiedlichen Alters - hat Rothe, trotz Schwierigkeiten und kultureller Vorbehalte mit seiner Kamera enthüllt ablichten können.

In der chinesischen Kulturgeschichte ist das Nackte als Mysterium zu verstehen. Verhülltes sowie Verborgenes gilt als inspirierend und anziehend, wohingegen das in der griechischen Antike formulierte Schönheitsideal des hüllenlosen Körpers traditionell als vordergründig und unattraktiv verstanden wurde. Diese Ansicht verändert sich seit einigen Jahren. Vorwiegend durch die mittels Werbung und Medien bedingte Orientierung an westlichen Schönheitsidealen. Ein provisorisches Studio diente Rothe für die intimen Momentaufnahmen. Wie im Vorbeigehen haben sich die Porträtierten vor der Kamera entblößt: Kein Make-up, keine Gestaltung des Hintergrunds, kein Platz für die abgelegte Kleidung. Schutzlos, schüchtern, manchmal aber auch selbstbewusst wird das Individuum Photographien von Stadtlandschaften aus Peking und Shanghai gegenübergestellt. Mittels Langzeitbelichtung unterstreicht Rothe hierbei die Dynamik und Dimension dieser Städte, die Symbole für die beeindruckende Leistung der chinesischen Gemeinschaft sind. Drei große und vier kleinere präsentierte Abzüge werden dies veranschaulichen: Ein rotierendes Karussell in urbaner Abendstimmung, der nicht abreißende nächtliche Verkehr auf den Straßen oder chinesische Lampions, die vor einer imposanten Stadtlandschaft schweben, korrespondieren gekonnt mit einer sich aus dem Bild schleichenden nackten Frau. Durch die Gegenüberstellung von Individuum und Gemeinschaft, Intimität und Öffentlichkeit, Authentizität und alltäglicher Inszenierung sowie dem Spiel mit Proportionen entwickelt sich hierbei ein spannungsreiches wie lebendiges Wechselspiel.

Frank Rothe reiste erstmals 1991 in die Volksrepublik China und beobachtet seitdem interessiert die Entwicklung des Landes. Mit 19 Jahren begann er für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben, kurz darauf fing er an seine Erfahrungen auch photographisch zu dokumentieren. Rothe arbeitet mittlerweile in der ganzen Welt. Seine Arbeiten sind international ausgezeichnet und ausgestellt worden.

Weitere Informationen: www.camerawork.de
 

Fotoausstellungen 07 / 2008

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Handbag - China, 2005

"Handbag – China, 2005"
© Frank Rothe

Merry go round - China, 2005

"Merry go round – China, 2005"
© Frank Rothe

Street light - China, 2005

"Street light – China, 2005"
© Frank Rothe