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Frankierte Fantastereien

Die Fotografische Sammlung des Museum Folkwang, Essen, zeigt noch bis 21. September 2008 über 500 Photopostkarten vornehmlich aus den Sammlungen von Gérard Lévy, Paris, und Peter Weiss, Hamburg, sowie Photographien von unter anderem Jean Arp, Herbert Bayer, Salvador Dalí, Max Ernst, André Kertész, El Lissitzky, René Magritte, Joan Miró, Pablo Picasso und Man Ray.

Die Ausstellung stellt die Photopostkarte, die noch vor der illustrierten Presse der erste Träger für die massenhafte Verbreitung der Photographie war, in den Zusammenhang photographischer Werke der Avantgarde. Diese Zusammenschau von Phantasiepostkarten und künstlerischen Photographien macht erstmals Verbindungslinien zwischen diesen beiden Bildformen sichtbar. Mehrere Publikationen und Ausstellungen zum Thema der Popularisierung von Photographie stießen in den letzten Jahren auf großes Publikumsinteresse und führten das Verständnis der frühen Photographie weiter. Die Ausstellung wird gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Museum Folkwang ist die einzige Ausstellungsstation in Deutschland.

Ab 1900 verzeichnete die Ansichtskarte einen gewaltigen Erfolg. Parallel zu Stadt- oder Dorfaufnahmen veröffentlichten die Herausgeber unter dem Sammelbegriff „Phantasie-Postkarten“ auch unterhaltsamere Bilder: Glückwunsch- oder 1. April-Karten, in Bild umgesetzte Sprichwörter, imaginäre, komische oder auch erotisierende Szenen. Um diese visuellen Kuriositäten zu gestalten, griffen die für die Verleger tätigen Photographen zu einer ganzen Palette technischer Kunstgriffe - Montage, Doppelbelichtung, optische Verzerrung, Großaufnahme usw. - die bei den Fachleuten gut, beim breiten Publikum aber noch recht wenig bekannt waren. Diesen ungemein spielerischen Umgang mit dem Bild, den die Postkartenindustrie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts an den Tag legte, will die Ausstellung präsentieren und diskutieren.

Die blühende visuelle Phantasie, die die allgemeine Begeisterung für Postkarten auslöste, blieb nicht ohne Wirkung auf die Photographie der Zeit, wie sie in den Kreisen der Amateur- und Berufsphotographen, aber auch im Feld der Kunst praktiziert wurde. Paul Éluard, André Breton, Salvador Dalí und weitere Künstler der 1920er und 1930er Jahre sammelten Phantasiepostkarten. Hannah Höch, Herbert Bayer, Man Ray, um nur einige zu nennen, benutzten sie als Material und als Modell für ihre eigenen Werke. Vielleicht waren diese Postkarten, wie Paul Éluard es damals vermerkte, „Kleingeld der Kunst“, jedoch vermochte dieses Kleingeld manchmal die „Vorstellung von Gold“ zu vermitteln. Weitere Informationen: www.museum-folkwang.de.
 

Fotoausstellungen 07 / 2008

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Neue Photographische Gesellschaft, Deutschland, ca. 1906, Kolorierter Bromsilberdruck

"Neue Photographische Gesellschaft, Deutschland, ca. 1906, Kolorierter Bromsilberdruck"
Sammlung Peter Weiss

Gerlach & Martin Gerlach Jr., Deutschland 1911, Bromsilberdruck

"Gerlach & Martin Gerlach Jr., Deutschland 1911, Bromsilberdruck"
Sammlung Peter Weiss