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HANS-CHRISTIAN SCHINK - Fotografien 1980 bis 2010

Mit Hans-Christian Schink (*1961 Erfurt) präsentiert das Museum Küppersmühle in Duisburg noch bis zum 3. Oktober 2011 einen der bedeutendsten deutschen Fotografen der Gegenwart. Rund 100 Fotografien aus drei Jahrzehnten sind vom 1. Juli bis 3. Oktober zu sehen, vielfach im großen Format. Gemeinsam mit dem Künstler hat Kuratorin Simone Förster zentrale Arbeiten aus den wichtigsten Serien ausgewählt. Erstmals wird im MKM auch das Frühwerk ausführlich gezeigt. Die Duisburger Schau, eine Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar, ist die bislang umfangreichste Ausstellung Schinks und macht die vollständige Entwicklung seiner klaren und eindringlichen künstlerischen Handschrift der Jahre 1980 bis 2010 anschaulich.

„Das Geschenk meines Lebens“, sagt Hans-Christian Schink, „war vermutlich eine simple Rollfilmkamera, die ich zu meinem 7. Geburtstag bekommen habe“. Die frühe Initialzündung führte ihn 1986 zum Fotografie-Studium an die renommierte Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er von 1991 bis 1993 Meisterschüler war. Heute sind die Werke des gebürtigen Erfurters, der in Leipzig lebt und für seine Bildserien regelmäßig um den Globus reist, weltweit in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, auch in der Sammlung Ströher im MKM.

Von Beginn an arbeitet Schink konsequent in Serien, zum Teil über mehrere Jahre. Ein Fokus seines Interesses liegt auf den Übergängen zwischen Stadt und Land, den Schnittstellen zwischen Zivilisation und Natur und der Manifestation menschlichen Bau- und Ordnungswillens in der Landschaft. Weitere Schwerpunkte sind die Auseinandersetzung mit der fotografischen Wiedergabe von Lichtphänomenen und -stimmungen und die Abbildbarkeit der Realität durch das Medium Fotografie. Der Künstler nutzt in diesem Zusammenhang die dem Material immanenten Möglichkeiten wie extreme Vergrößerung (und daraus folgende Grobkörnung des Motivs) oder Solarisationseffekte.

Allerdings verändert der Künstler die Wirklichkeit nicht. Er interpretiert sie aus dem Blickwinkel des scheinbar neutralen Beobachters und reizt sie teilweise bis an ihre Grenzen aus. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er in den 1990er Jahren mit der Serie „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“, die die gewaltigen Eingriffe in die ostdeutsche Landschaft der Nachwendezeit dokumentiert. Preisgekrönt wurden zuletzt seine fast unwirklich anmutenden Solarisationen der Reihe „1h“, in der die Sonne durch überlange Belichtung scheinbar vom weißen Rund zum schwarzen Stab wird und Schink das Paradox gelingt, ein für das Auge eigentlich unsichtbares Phänomen im Bild zu bannen.

Seine Motive findet er sowohl in der nahen Umgebung, zunächst im Osten Deutschlands, und bald auch auf gezielten Reisen über die ganze Welt, von Nordkorea über die USA bis in die Antarktis. Dabei ist Schink gerade nicht auf der Suche nach „exotischen“ Perspektiven, sondern setzt sich intensiv der Umgebung aus, bis sich Motive herauskristallisieren, die fernab gewohnter Pfade und Blicke liegen. „Obwohl Hans-Christian Schink Landschaften, Architekturen und Städte fotografiert und die notwendigen fotografischen Mittel exzellent beherrscht“, so T.O. Immisch in seinem Katalogbeitrag, „ist er kein Landschafts-, Architektur- oder Stadtfotograf, weil er anhand dieser Gegenstände und Themen etwas sichtbar macht und zeigt, was über sie hinaus- und durch sie hindurchgeht“.

Weitere Informationen: http://www.museum-kueppersmuehle.de/

Fotoausstellungen 08 / 2011

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Hans-Christian Schink, Ba Be (1), 2005

"Ba Be (1), 2005"
Hans-Christian Schink

Hans-Christian Schink, A 20 - Peenebrücke Jarmen, 2002

"A 20 – Peenebrücke Jarmen, 2002"
Hans-Christian Schink

Hans-Christian Schink, 2/26/2010, 7:54 am-8:54 am, S36° 49.622’ E 175° 47.340’, 2010

"2/26/2010, 7:54 am-8:54 am, S36° 49.622’ E 175° 47.340’, 2010"
Hans-Christian Schink

Hans-Christian Schink, Seehausen, 1996

"Seehausen, 1996"
Hans-Christian Schink