HERBERT DOMBROWSKI - in memoriam

Kepa, 1958 Bildgalerie betrachten

"Kepa, 1958"
Herbert Dombrowski

Noch bis zum 30. Dezember 2010 zeigt die Galerie Hilaneh von Kories die Ausstellung „Herbert Dombrowski in memoriam“, eine Hommage an den im Mai diesen Jahres hochbetagt verstorbenen Hamburger Fotografen, die eine Auswahl seiner besten schwarzweiss Arbeiten sowie einige ausgewählte Vintage Prints präsentiert.

Herbert Dombrowski wurde 1917 in Hamburg geboren und begann schon als Schüler zu fotografieren. Bereits 1936 wurde sein Bild von der SS St. Louis, die der damals 19jährige mit einer gebrauchten Leica im nächtlichen Hamburger Hafen fotografiert hatte, Titelbild der Zeitschrift Reclams Universum. Drei Jahre später erlangte das Schiff traurige Berühmtheit als „Schiff der Verdammten“: Mehr als 900 jüdischen Flüchtlingen wurde von Kuba und den USA die Einreise verweigert, das Schiff musste nach einer 50tägigen Odyssee nach Europa zurückkehren. Über 600 Passagiere kamen später in Konzentrationslagern ums Leben.

Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann Herbert Dombrowski als Berufsfotograf zu arbeiten. Er eröffnete ein kleines Fotoatelier in Eppendorf und begann mit Auftragsarbeiten für ein Einrichtungshaus und die Friseurinnung. 1949 und 1950 arbeitete er als Strandfotograf in Timmendorf und erlernte dabei den fotografischen Umgang mit Menschen.

Neben umfangreichen Aufträgen wie der Dokumentation des gesamten Altbaubestandes der Altonaer Altstadt (1953-1956) für die Wohnungsbaugesellschaft Neue Heimat fotografierte Herbert Dombrowski immer wieder Menschen in ihren Alltagssituationen und entwickelte dabei seinen besonderen Reportage-Stil. Er machte Bilder von Werftarbeitern und ihren Schiffen im Hamburger Hafen, Derby- Besucherinnen in elegantem Outfit, Männern in der Börse, Menschen in der City, auf dem Fischmarkt und auf St. Pauli.

Eine Fotoserie dieser Zeit – leichte Mädchen und Matrosen im legendären Ballhaus Jahnke auf St.Pauli – brachte Dombrowski den Einstieg in den Magazin-Journalismus. Henri Nannen druckte die Serie im Stern ab. Es folgten weitere Foto-Reportagen unter anderem für das Hamburg Journal und den Spiegel.

In den 1960er Jahren wurde Dombrowskis erzählerischer Stil von der Werbung entdeckt. Mehr als zwanzig Jahre lang arbeitete er als Werbefotograf überaus erfolgreich für Konzerne wie VW, BMW und ESSO. 1985 zog sich Herbert Dombrowski aus dem Berufsleben zurück. Er starb am 13. Mai diesen Jahres im Alter von 93 Jahren.

Herbert Dombrowskis Fotografien sind zeitlos und zugleich präzise Dokumente seiner Zeit. Er fotografierte jedes Motiv nur einmal. „Dombrowski hat diese Konzentration auf jeweils nur eine Aufnahme sein ganzes Leben durchgehalten, weil er wusste, dass ein Bild nie wiederholt werden kann, so dass wörtlich der Moment zur „Momentaufnahme“ wurde, in Schwarz und Weiß und natürlich in Grau, und dass das eine ohne die beiden anderen eben nichts ist“, schreibt Prof. Dr. Torkild Hinrichsen, Direktor des Altonaer Museums, im Magazin Profifoto. Die Galerie Hilaneh von Kories, die Dombrowkis gesamtes Werk exklusiv betreut, präsentiert in der Ausstellung „Herbert Dombrowski in memoriam“ eine Auswahl von rund 50 seiner Arbeiten. Die Fotografien (auf analogem Silbergelatine Agfa Multicontrast Classic Papier) bestechen durch ihre grosse Intensität und dichte Atmosphäre. Zusätzlich zeigt die Galerie einige Vintage Prints aus dem Nachlass des Fotografen.

Zur Ausstellung erscheint außerdem eine Edition mit fünf auf Hahnemühle-Baryt-Papier geprinteten Motiven in einer Fotobox.

Weitere Informationen: www.galeriehilanehvonkories.de/

Fotoausstellungen 10 / 2010

114 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden