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Helen Levitt - Street Photography

Einmalig in Europa zeigt das Sprengel Museum Hannover noch bis zum 25. Mai 2008 anlässlich der Verleihung des „Spectrum“-Preises an Helen Levitt die bisher umfangreichste Werkschau der großen Photographin, der so genannten amerikanischen „Street Photography“.

Helen Levitt, geboren 1913, photographiert - ausgenommen der Arbeiten, die 1941 auf einer Reise nach Mexiko entstanden - nahezu ausschließlich in den ihr vertrauten Straßenzügen der Lower East Side und der Bronx, in Harlem und Brooklyn. Über Jahrzehnte hinweg richtet sie ihre Kamera auf die hier lebenden Menschen. Was sie interessiert, ist das alltägliche Schauspiel des Miteinanders: Kinder, Frauen und Männer, Junge und Alte, die unterwegs sind, miteinander spielen oder auf etwas warten, die sich begegnen, beieinander stehen oder sitzen, miteinander lachen oder sich streiten und versöhnen. Die Momente, die Helen Levitt festhält, sind von großer, ganz und gar unsentimentaler Poesie. Der scheinbaren Unsichtbarkeit der Photographin und ihrer Aufmerksamkeit für Details und Nuancen entspringen Bilder von intensiver und sensibler, nahezu tänzerischer Rhythmik. Levitt findet in der harten Realität dieser Quartiere eine Ebene des Spiels, der Imagination und der selbstvergessenen, unbewussten Emotionen und Affekte. „Die Ästhetik“, sagt sie, „ist bereits in der Wirklichkeit vorhanden.“

Helen Levitt entstammt einem russisch-jüdischen Elternhaus und wächst in Brooklyn in einer ungezwungenen, an Literatur, Theater und Film interessierten Atmosphäre auf. Nachdem sie die High School ein Jahr vor dem Abschluss gelangweilt verlässt, lernt sie für einige Zeit bei einem mit der Mutter befreundeten Atelierphotographen. Nach ihrem Umzug trifft sie in Manhattan Mitte der 30er Jahre den Photographen Walker Evans. Sie lernt Henri Cartier-Bresson kennen, den sie auf seinen photographischen Streifzügen durch die Stadt begleitet. Ausgerüstet mit einer Leica beginnt Levitt 1936 ernsthaft zu photographieren. Evans, mit dem sie die Dunkelkammer teilt und gemeinsam photographiert, und der Dichter James Agee stehen ihr in diesen Anfängen als Freunde zur Seite. Dank des Interesses Luis Buñuels findet sie Beschäftigung beim Film. Bis in die 1960er Jahre wird sie vor allem auf diese Weise ihren Unterhalt bestreiten.

Gemeinsam mit Agee und Janice Loeb beginnt sie 1944 mit der Arbeit an dem Film „In The Street“, der 1952 fertig gestellt wird. Er gilt als eine der Inkunabeln des frühen experimentellen Kinos und hat auch Charlie Chaplin inspiriert. Publikationen ihrer Arbeiten in Illustrierten und eine 1943 im Museum of Modern Art gezeigte Einzelausstellung würdigen und unterstützen Levitts photographische Arbeit. Das 1946 konzipierte Buch „A Way of Seeing“, für das James Agee ein Essay verfasst, erscheint erst 1965. Ende der 50er Jahre nimmt Helen Levitt ihre photographische Arbeit, nun in Farbe, und seit 1959/1960 unterstützt von einem Guggenheim-Stipendium, wieder auf. 1980 wendet sie sich noch einmal für einige Jahre der Schwarzweißphotographie zu.

Anfang der 90er Jahre wird ihre Arbeit durch eine gemeinsam von dem San Francisco Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum New York eingerichtete Retrospektive und eine begleitende Publikation erstmals ausführlich gewürdigt. Levitts Blick auf die Stadt entwickelte sich in den ausgehenden 1930er Jahren und ist nach wie vor von großer Aktualität. In seiner zeitlos-poetischen Intensität und seiner kompositorischen Freiheit beinhaltet er einen starken, utopischen Moment. Die Ausstellung - anlässlich ihrer Auszeichnung mit dem „Spectrum“-Preis - im Sprengel Museum Hannover gibt mit zirka 300 Werken den bisher breitesten Überblick über das Schaffen von Helen Levitt.

Gezeigt werden ihre ersten, 1936 im Central Park und Umgebung entstandenen Aufnahmen. Über kleinformatige Bildsequenzen werden konkrete Bildentscheidungen einsehbar. Arbeiten aus dem Motivkreis der Graffiti sind ebenso vertreten wie 1941 in Mexiko entstandene Photographien. Sowohl ihr frühes wie späteres New Yorker Schaffen wird umfangreich ausgebreitet.

Anlässlich der Ausstellung und der Preisvergabe durch die Stiftung Niedersachsen konzipierte Helen Levitt ein Künstlerbuch. (Helen Levitt, Fotografien 1937 - 1991, 168 Seiten, 143 großformatige Abbildungen 30,5 x 31,8 cm, Leinen, Museumsausgabe € 29,90).

Weitere Informationen: www.sprengel-museum.de/
 

Fotoausstellungen 03 / 2008

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New York 1940

"New York 1940"
Helen Levitt