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Kurt Wyss - Begegnungen

Noch bis zum – 14. Januar 2012 präsentiert „Johanna Breede, Photokunst“ die Ausstellung „Begegnungen“ mit Arbeiten des Schweizer Fotografen Kurt Wyss (*1936 in Basel).

Nach seiner Fotografenlehre in Fribourg und Bern arbeitete Kurt Wyss seit Mitte der sechziger Jahre für verschiedene Zeitungen. Neben Reportagen, die ihn nach Biafra, Nicaragua oder zu den Schweizer Bergbauern führten, dokumentiert Kurt Wyss ab 1970 die Entwicklung der Art Basel. Als Chronist, Zeitzeuge, Schilderer von Ereignissen und Lebensumständen, reflektiert er Begebenheiten und Begegnungen. Begegnungen mit Respekt und Sensibilität.

Von den Einwohnern der Stadt Basel habe ich eine ganz bestimmte Meinung: nämlich dass sie ganz erstaunliche Menschen sind. Zwar soll man sich vor zu schnellen Verallgemeinerungen hüten, aber trotzdem muss ich sagen, dass alle Basler, die ich gekannt habe (und das waren nicht wenige), erstaunliche Menschen waren – und Kurt Wyss gehört auch dazu. Was seine physische Erscheinung angeht, so würde ich ihn als schlank bezeichnen, als einen Menschen mit raschen Bewegungen und einem in hohem Maße Ehrlichkeit ausstrahlenden Gesichtsausdruck. Was diese Ausstrahlung angeht, so würde ich sagen, dass man sie – zumindest außerhalb Basels – doch recht selten antrifft, und was die Ehrlichkeit und die Suche nach Wahrheit als Charaktereigenschaften bei Künstlern angeht, so würde ich im Gegensatz zu dem, was man hin und wieder hört, sagen, dass diese Eigenschaften absolut kennzeichnend für die gesamte Persönlichkeit sind. Wirkliche Kunstwerke können nur dort entstehen, wo das künstlerische Schaffen von Wahrheit durchdrungen ist. Und alle, die nicht von vornherein davon überzeugt sind, haben von wirklichem künstlerischem Schaffen nur eine geringe, und klar herausgesagt, falsche Vorstellung.

Was man an Kurt Wyss zuerst wahrnimmt, ist sein schlanker Körper, dessen Glieder sich raumumfassend zu verlängern und wie mit Suchern ausgerüstet scheinen, die er mit den Händen formt und knetet und dann ganz unvermittelt zum Auge führt. Bei anderen Fotografen beobachtet man bestimmte Handgriffe, die in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen, Berechnung der Entfernung, Einschätzung der Lichtverhältnisse und Objektiveinstellung – nichts von alledem sieht man jedoch bei ihm.

Die Kamera und sein Auge verschmelzen zu einem Ganzen, zu einer einzigen Handlung, die sich nicht in einzelne Vorgänge gliedert. Ganz plötzlich klettert er auf einen gerade verfügbaren Gegenstand, stellt einen Tisch auf eine Kiste, einen Stuhl auf den Tisch, stützt sich mit dem Fuß am Fenster ab, und schon steht er da, den Hals nach vorn gestreckt, den Kopf nach unten gebeugt, das Auge am Sucher und drückt fünf, zehn, nein zwanzig Mal hintereinander auf den Auslöser, greift geschickt nach einer anderen Kamera, dreht sich wie ein Kreisel um die eigene Achse und hat schon wieder zwanzig Mal ausgelöst. Er springt auf die andere Seite und beginnt von Neuem. Er ist völlig in Trance, ist nicht mehr Fotograf, sondern ganz Bild, losgelöst von allen Ketten, auf der Jagd in freier Wildbahn.

Eine gewaltige Arbeit, stelle ich mir vor, deren Ergebnis sich in einer ungeahnten Vielfalt verblüffender, bewundernswert genialer, aus unerwartetem Blickwinkel aufgenommener Fotos von erstaunlicher technischer Perfektion widerspiegelt, die er in Alben zusammenfasst. In diesen Alben verschmelzen einige flüchtige Augenblicke, denen niemand außer ihm Beachtung geschenkt hätte, die er jedoch mit überraschender Schnelligkeit wahrzunehmen und einzufangen wusste, zu einem eindrucksvollen dramatisch wirklichkeitsnahen Gesamtbild. (22. Februar 1974, Jean Dubuffet)

Weitere Informationen: http://www.johanna-breede.de/.

Fotoausstellungen 11 / 2011

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Kurt Wyss, Pablo Picasso, 1967, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

© Kurt Wyss, Pablo Picasso, 1967
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Kurt Wyss, Jean Dubuffet, 1974, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

© Kurt Wyss, Jean Dubuffet, 1974
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Kurt Wyss, Robert Doisneau, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

© Kurt Wyss, Robert Doisneau
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Kurt Wyss, Andy Warhol, Zürich 1978, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

© Kurt Wyss, Andy Warhol, Zürich 1978
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST