Leben und Sterben in Palermo

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“Il quartiere Cala”
Letizia Battaglia, Palermo 1980

Noch bis zum 11. Dezember 2009 zeigen das Italienische Kulturinstitut Wolfsburg und die Fachhochschule Hannover im Design-Center auf der Expo Plaza in Hannover die Ausstellung „Vivere e morire a Palermo - Leben und Sterben in Palermo“ mit Fotografien der sizilianischen Fotografin Letizia Battaglia. Neben Bildern von Mafiamorden und -anschlägen, die sie weltberühmt gemacht haben, erzählt die Ausstellung jedoch auch von Glanz und Elend der Stadt Palermo: von den Traditionen, den Blicken, den Stadtvierteln, den Feier- und den Trauertagen, dem täglichen Leben und den vielen Gesichtern der Macht in einer Stadt voller Widersprüche.

Die 74-jährige Letizia Battaglia hat zwischen 1970 und 1994 in Palermo die Morde der Mafia fotografisch dokumentiert. In dieser Zeit hat sie über 600.000 Belichtungen gemacht. In den 70er und 80er Jahren ereigneten sich in Palermo fast täglich bis zu fünf Schießereien und Mordanschläge, an denen die Mafia beteiligt war. Sowie im Polizeifunk eine solche Tat gemeldet wurde, setzte sich Letizia Battaglia auf ihre Vespa und raste zum Tatort. Ihre Bilder zeigen die ungehemmte Brutalität, mit der die Mafia gegen ihre Feinde vorgeht. Dabei sind ihre Fotos niemals sensationslüstern oder geschmacklos, sondern geprägt von der Anteilnahme an den Opfern. In den Augen vieler Kritiker sind sie mehr als bloße Dokumentation, sondern haben eine künstlerische Dimension, so eigenartig das im Zusammenhang mit dem Sujet ihrer Fotos klingen mag. Dafür erhielt sie zahlreiche internationale Auszeichnungen, unter anderem 1986 den renommierten „New York Times Award Eugene Smith“, der damit erstmals einer Europäerin verliehen wurde, und 1999 in San Francisco den „Mother Johnson Achievement for Life“. Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPH) verlieh ihr 2007 den Dr.- Erich-Salomon-Preis, den wohl bedeutendsten deutschen Fotopreis. Ihre Arbeiten wurden in Palermo, Amsterdam, London, Paris, Turin, Montreal, Lausanne, Houston, Stockholm, Pisa, La Coruña, Mailand, Barcelona, Marseille, New York, Washington, Berlin, Rom, Oslo und Moskau ausgestellt.

Letizia Battaglias fotografische Auseinandersetzung mit der Mafia basiert auf einer radikalen humanistischen Grundhaltung. Ihr Nachname Battaglia bedeutet Kampf, und offenbar war dieser Name für sie stets Programm. Den führte sie an breiter Front: als Fotografin, Verlegerin, Dramaturgin, Abgeordnete der Anti-Mafia-Partei La Rete im sizilianischen Parlament und als Stadträtin für Lebensqualität, zu der sie ihr alter Kampfgefährte Leoluca Orlando gemacht hatte. Orlando hatte der Mafia als erster Bürgermeister Palermos den Kampf angesagt. Insofern ist es nur konsequent, dass er die hannoversche Ausstellung mit seiner Laudatio eröffnet.

Weitere Informationen: www.fotofestival-hannover.de/.
 

Fotoausstellungen 12 / 2009

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