Lillian Bassman & Paul Himmel

Lillian Bassman, More Fashion. Mileage Per Dress, Barbara Vaughn, Kleid von Ficol, New York, 1956. Bildgalerie betrachten

"More Fashion. Mileage Per Dress, Barbara Vaughn, Kleid von Ficol, New York, 1956."
Lillian Bassman

Die erste Retrospektive

Das Haus der Photographie in den Deichtorhallen zeigt die erste umfassende Retrospektive des Künstlerpaars Lillian Bassman (*1917) und Paul Himmel (1914 - 2009) vom 27. November 2009 bis zum 21. Februar 2010. Über 75 Jahre waren die beiden Künstler ein Paar und haben parallel jeweils ein fotografisches Œuvre geschaffen, das bis heute an Modernität nichts einbebüßt hat.

Das Werk von Lillian Bassman besticht durch beeindruckende Eleganz und Stilsicherheit. Als langjährige Art Direktorin bei Junior Bazaar, dem jungen Ableger von Harper's Bazaar, hat sie in den 1940er Jahren maßgeblich das Layout der Zeitschrift geprägt. Als Modefotografin entwickelte sie einen einzigartigen Stil: Durch immer neue experimentelle fotografische Verfahren gab sie ihren Bildern einen besonderen Schmelz, der eine malerische Anmutung in die Schwarzweiß-Aufnahmen einfließen ließ. In ihre atmosphärisch aufgeladenen Inszenierungen bevorzugte sie einen für die damalige Zeit außergewöhnlichen Frauentypus - langgliedrige, schwanengleiche Ikonen der Weiblichkeit. "Was sie macht, hat eine geradezu magische Kraft. In der Geschichte der Fotografie ist es niemand anderem gelungen, diesen atemberaubenden Moment zwischen der Erscheinung der Dinge und ihrem Verschwinden sichtbar zu machen." sagte einmal ihr Kollege Richard Avedon. Nach dem Auffinden ihrer verloren geglaubten Negative bestärkte Martin Harrison Lillian erneut darin ihre alten Aufnahmen zu arbeiten. Durch die Möglichkeit digitaler Techniken interpretiert sie ihre Bilder neu, manipuliert und lässt sie neu abziehen. In den 1990er Jahren entdeckten Modedesigner wie John Galliano und Art Direktoren ihre Arbeiten wieder und beauftragte die bereits über 70-jährige mit Modeaufnahmen.

Auch Paul Himmels Werk ist geprägt von einer großen Experimentierfreude. Zunächst arbeitete er für Vogue, Junior Bazaar, Harper's Bazaar und viele andere Magazine als Modefotograf. Doch sein Interesse in der Fotografie galt vor allem der Bewegung. Fotografiegeschichte geschrieben haben seine Aufnahmen vom New York City Ballet aus den 1950er Jahren, in denen Tanz nicht in Standbildern, sondern in fließenden Bewegungsstudien festgehalten wurden. Das Werk von Paul Himmel entwickelte sich in den darauf folgenden Jahren immer stärker zur freien Kunst. Die oft radikalen Experimente mit Über- und Langzeitbelichtungen waren ihrer Zeit bald derartig voraus, dass er keine kommerziellen Auftraggeber mehr fand. Er beendete seine fotografische Karriere bereits 1969 und wurde erfolgreicher Psychotherapeut. Bekannt wurde er durch die Teilnahme an der von Edward Steichen kuratierten, weltberühmten Wanderausstellung "The Family of Man", die 1955 im Museum of Modern Art in New York gestartet wurde und auf deren Einladungskarte ein Werk von Paul Himmel, nämlich das so genannte "Botticelli Girl", zu sehen war.

Die von Ingo Taubhorn (Haus der Photographie) und Brigitte Woischnik (Foto Factory) unter Mitarbeit von Jana Duda kuratierte Werkschau stellt weltweit erstmalig mit rund 400 Exponaten das Lebenswerk dieser beiden Künstler vor.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog in Deutsch und Englisch erschienen mit Beiträgen von u.a. Boris von Brauchitsch, Eric Himmel, Hans-Michael Koetzle, Adelheid Rasche, Bernd Stiegler, Ingo Taubhorn, Brigitte Woischnik
Kehrer Verlag Heidelberg, www.artbooksheidelberg.de, 416 Seiten mit ca. 300 Abb.,Format: 33 x 25 cm.
 

Fotoausstellungen 11 / 2009

58 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden