Liselotte Grschebina (1908-1994)

Hilde Billigheimer, 1934, © The Israel Museum, Jerusalem Bildgalerie betrachten

“Hilde Billigheimer, 1934”
© The Israel Museum, Jerusalem

Der Martin-Gropius-Bau präsentiert noch bis zum 28. Juni 2008 die erste Retrospektive der Fotografin Liselotte Grschebina (1908-1994). Gezeigt werden 100 Fotos, die zwischen 1929 und den 1960er Jahren hauptsächlich in Deutschland und Palästina von der Künstlerin aufgenommen wurden. Grschebina war in der Ausstellung „Die Neuen Hebräer. 100 Jahre Kunst in Israel“ (2005) mit ausgewählten Fotografien im Martin-Gropius-Bau vertreten.

Liselotte Grschebina emigrierte 1934 nach Palästina, wo sie bis zum Ende ihres Lebens blieb. Die Arbeiten der Fotografin entdeckte Grschebinas Sohn, Beni Gjebin, erst nach ihrem Tod. Im Jahr 2000 schenkte er die etwa 1.800 Fotos umfassende Sammlung der Fotoabteilung des Israel Museum, Jerusalem. Dieses ungeordnete, undatierte und nur mit sehr knappen Begleitinformationen vorliegende Material wurde wissenschaftlich aufgearbeitet. Das Leben und Wirken von Liselotte Grschebina war bis dahin kaum erforscht. Nur wenige Fotos von ihr, die in Zeitungen und in einem Kalender von 1938 veröffentlicht wurden, waren bis zum Eintreffen der Sammlung im Israel Museum bekannt.

Liselotte Grschebina, geb. Billigheimer, kam als Tochter eines jüdischen Kaufmanns in Karlsruhe am 2. Mai 1908 zur Welt. Von 1925 bis 1928 studierte sie an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe (heute Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe). Nach Abschluss ihres Studiums 1929 unterrichtete sie dort bis 1931 selbst Werbefotografie, welche zu dieser Zeit noch am Anfang ihrer Entwicklung stand. Ein Jahr später eröffnete sie unter dem Namen „Bilfoto“ ein eigenes Atelier, mit dem sie sich auf Werbefotos und Kinderporträts spezialisierte. 1933 schloss sie das Studio und kam gemeinsam mit ihrem Mann Jacob Grschebin im März 1934 nach Palästina, wo sie sich in Tel Aviv niederließ. Dort eröffnete Grschebina gemeinsam mit Ellen Rosenberg (später Auerbach), die sie aus Karlsruhe kannte, ein Atelier. Rosenberg war die ehemalige Partnerin des berühmten Fotografenduos „Ringel + Pit“. Diese Zusammenarbeit war für Liselotte Grschebina eine Quelle großer Inspiration. Sie nannten ihr Studio „Ishon“, was auf Hebräisch „Augapfel“ oder auch „kleiner Mensch“ bedeutet, und warben insbesondere mit ihrer Spezialisierung auf Kinderfotos.

Die ihr gewidmete Retrospektive offenbart die Kunst einer jungen Frau, die in den Tagen der Weimarer Republik von der Neuen Sachlichkeit inspiriert wurde. Die Kunst der Neuen Sachlichkeit zeichnet sich insbesondere durch klare Formen, Strukturen und die Schönheit der einfachen Dinge aus. Zugleich besitzt sie einen dokumentarischen Charakter, der sich auf das Wesentliche im Objekt konzentriert. Grschebina entwickelte diesen Stil in ihrer neuen Heimat Palästina weiter und integrierte ihre Arbeit in die einflussreiche Gruppe deutscher Fotografen, die mit der fünften Einwanderungswelle (Hebr. Aliyah) kam und sich vor allem in Tel Aviv ansiedelte.

1934 übernahm Liselotte Grschebina die Position ihrer Partnerin Rosenberg als offizielle Fotografin der Women's International Zionist Organization (WIZO), nachdem jene das Land verlassen hatte. Mit Courage und bescheidenen finanziellen Mitteln wurde kurze Zeit später unter Beteilung Grschebinas der erste Fotografenverband des Landes, der „Verband der Berufsfotografen“, gegründet. Die Zusammenkünfte fanden in den Cafés Tel Avivs statt. Bei diesen Treffen unterstützten sich die Mitglieder gegenseitig bei der Bewältigung des beruflichen Lebens in Israel und beim Verleih ihrer Fotos sowohl in Israel als auch im Ausland. 1941 initiierten sie eine Gruppenausstellung des Verbandes in Tel Aviv.

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Fotoausstellungen 04 / 2009

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