Liselotte Strelow (1908-1981) - Retrospektive

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"Marlene Dietrich, 1960"
Liselotte Strelow, © Gesellschaft Photo Archiv e.V. Köln, Bonn / VG Bild-Kunst, Bonn 2008

Aus Anlass ihres 100. Geburtstages in 2008 und passend zum 60. Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 2009 zeigt das Historische Museum in Frankfurt am Main noch bis zum 13. April 2009 die umfassende Retrospektive der Werke Liselotte Strelows, deren Arbeitsschwerpunkt in der Nachkriegszeit liegt. Die Präsentation versammelt rund 220 originale Porträt- und Theaterfotografien aus der Zeit von 1942/43 bis 1971. Dokumente, wie Bücher, Zeitschriften, Auftragsbücher und Filme aus ihrer Fernsehreihe „Sagt die Fotografie die Wahrheit?“, vervollständigen die Retrospektive.

Strelows Lebensweg war nicht einfach, umso bewusster gestaltete sie nach 1945 ihre Karriere als Berufsfotografin und Fotokünstlerin der jungen Bundesrepublik. Nach Ausbildung und ersten Ateliererfolgen als Fotografin im Berlin der NS-Zeit zog sie aus Pommern, wohin sie geflüchtet war, nach dem Zweiten Weltkrieg über Detmold ins Rheinland. Zielsicher wählte sie 1949 die gut klingende Atelieradresse Königsallee „Kö“ in Düsseldorf und fotografierte nun die Prominenz der deutschen Nachkriegszeit bis in die sechziger Jahre hinein. Politiker, Künstler, und Schauspieler aus dem In- und Ausland sowie die Elite des deutschen Wirtschaftswunders saßen ihr Modell. Der erste Bundeskanzler der neuen Republik, Konrad Adenauer, wurde ebenso von „der Strelow“ abgelichtet wie der erste Bundespräsident Theodor Heuss. Das Strelow-Porträt diente als Vorlage für die in Millionenauflage gedruckte Heuss-Briefmarke.

Für das psychologische Porträt, das Liselotte Strelow anstrebte, hieß es, „so viele von den hundert Charakterzügen, Wesenszügen eines Menschen zu sammeln wie möglich.“ In langen Studiositzungen und Gesprächen mit ihrem Gegenüber entstanden facettenreiche Einzelbilder, mit denen sie dem „Wesentlichen einer Persönlichkeit“ auf den Grund gehen wollte. Liselotte Strelow schuf konzentrierte Bildnisse unter anderem von Gottfried Benn, Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Alexander Mitscherlich, Jean Cocteau, Joseph Beuys, Hildegard Knef und Marlene Dietrich.

Schon ab Ende der 1930er Jahre hatte sich Liselotte Strelow mit Fotografien von Schauspielern, Opern- und Revuestars einen Namen gemacht. Im kulturhungrigen Nachkriegsdeutschland beschäftigte sie sich erneut mit der Theaterfotografie. So war sie für Gustaf Gründgens, damals Intendant in Düsseldorf, für die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth oder für Oscar Fritz Schuh an den Städtischen Bühnen in Köln tätig. Es entstanden Aufnahmen von Theater- und Tanzaufführungen, Regisseuren und Schauspielern wie dem aus dem Exil zurückgekehrten Fritz Kortner, von Elisabeth Flickenschildt oder Ruth Leuwerick.

Neben der Porträt- und Theaterfotografie arbeitete Liselotte Strelow als Auftragsfotografin für die Werbung oder schrieb eigene Reportagen. Ihre Fachkenntnis publizierte sie unter anderem 1961 in dem Buch „Das manipulierte Menschenbildnis“. In ihrer zehnteiligen Filmreihe „Sagt die Fotografie die Wahrheit?“ (WDR, 1965-67) demonstrierte sie anschaulich, wie ein Bild inszeniert und manipuliert werden kann.

Weitere Informationen: www.historisches-museum.frankfurt.de
 

Fotoausstellungen 01 / 2009

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