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Ruth Marcus

Ruth Marcus – Mit der Digitalkamera auf der Lauer vor einem Mauseloch

In Schloss Philippsruhe in Hanau breitet die Fotografin Ruth Marcus ihren Blick in die Welt der Katzen aus – Großartige Tierfotografie die fesselt. Noch bis zum 30. Mai ist die Ausstellung in Hanau zu sehen – das einmalige Angebot sollte man annehmen, denn das was die Besucher hier zu sehen bekommen, ist eine Augenweide von der Aufnahme bis hin zum Print vom Fotospezialisten Grieger und auf Tecco Materialien. Der Besucher wird verzaubert. Manfred Bissinger über die Fotografin: „Ruth Marcus hat den berühmten zweiten Blick, der aus Fotografen Künstler macht. Ihre Hunde- und Katzenbilder sind von außergewöhnlicher Ehrlichkeit, faszinierender Ausdruckskraft und altmeisterlicher Schönheit. Sie offenbaren, warum Tiere für unser Leben unverzichtbar sind.“

Mindestens genau so lange wie der Hund begleitet die Katze den Menschen durch seine Geschichte. Schon in altägyptischen Königsgräbern fand man mumifizierte Katzen, treue Begleiter und Hausgenossen im Jenseits mit gottähnlichem Status. Katze und Hund sind – neben Pferd und Rind – in der Tat die ältesten Haustiere, domestiziert seit unerdenklichen Zeiten und seither aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Freilich hat sich die Motivation, Hund oder Katze zu halten, im Lauf der Zeiten gewandelt. War es einst Aufgabe des Hundes, bei der Jagd zu assistieren und den Hof zu bewachen, was ja auch heute noch teilweise seine Aufgabe ist, so hatte die Katze vor allem das Haus von Plagegeistern wie den Mäusen freizuhalten.

Allerdings besteht zwischen beiden tierischen Hausgenossen des Menschen ein grundsätzlicher Unterschied, den der Schriftsteller Erich Kästner so formulierte: „Alle beide, der Hund und die Katze, sind reich an Tugenden und Talenten, doch der Hund hat ein Talent zu viel: Er lässt sich dressieren. Und er hat ein Talent zu wenig: Er ist ein Tier ohne Geheimnisse. Manchmal glaub‘ ich sogar, am liebsten wäre er vierbeiniger Mensch, uns möglichst ähnlich, nur schneller. Die Katze springt nicht durch Reifen und denkt nicht im Traum daran, uns zu gefallen auf den Hinterbeinen herumzustelzen. Desgleichen ginge gegen ihre Würde, gegen ihren guten Geschmack und gegen ihre schönste Passion, den Freiheitsdrang.“

Diese Sätze hat die Fotografin Ruth Marcus ihrem jüngsten Ausstellungsprojekt vorangestellt, das sich mit eben jener „samtpfötigen“ Species beschäftigt. Die Fotografin hat allerdings an allerlei Vierbeinern buchstäblich „einen Affen gefressen“ und lebt selbst mit Hund und Pferd am Fuße der Ronneburg. In ihrer fotografischen Annäherung an die Kreatur bewegt sie sich dabei im Fahrwasser von August Gaul (1869-1921). Der in Großauheim geborene Bildhauer, der an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in der Tierplastik Maßstäbe setzte, hat nämlich die Tierdarstellung von all jener symbolhaften Überhöhung befreit, mit der sie in der Kunst bis dahin befrachtet war. Solcherart von Ballast befreit präsentieren sich Gauls Tierfiguren naturalistisch reduziert auf das Wesentliche: die den Charakter spiegelnde Gestalt des Tieres. Dies sichert bis heute Gauls Rang und Wirkung in der Tierplastik.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich die aus Hanau stammende Fotografin Ruth Marcus vor drei Jahren herausgefordert fühlte, die Gaul‘sschen Plastiken mit dem Medium unserer Tage, der Digitalfotografie, neu zu entdecken. Im ausgeräumten und wegen des Umbaus geschlossenen Museum Großauheim entstand eine Serie von großformatigen Prints. Sie vermitteln Gauls Ansatz neu und unterstreichen ihn zugleich. Ihre erste Hanauer Ausstellung mit Bildern von Hunden hat denn auch bleibende Eindrücke hinterlassen.

Ruth Marcus gibt unumwunden zu, von Gaul nicht nur beeindruckt, sondern tatsächlich auch beeinflusst zu sein: Keine Überhöhung oder Vermenschlichung des Tieres durch Ideologie verstellt den fotografischen Blick auf dessen Eigenheiten in Gestalt und Charakter. „Es ist ganz einfach,“ sagt sie. „Man muss sich nur genau so vor die Katze setzen, wie diese vor ein Mauseloch, und dann fotografieren!“ Mit großer Zuverlässigkeit ereigne sich dann Außerordentliches. Dass dies natürlich eine Untertreibung ist belegt schon das erste Durchblättern des Katalogbuches, das zur aktuellen Katzen-Ausstellung in Schloss Philippsruhe erschienen ist. Tiere zu fotografieren ist harte Arbeit, zumal dann, wenn eine Perfektionistin wie Ruth Marcus ans Werk geht. Schließlich haben wir es hier mit anspruchsvoller Fotografie zu tun.

Ein Tier, egal ob Hund oder Katz, ist kein Model, dem der Fotograf sagen kann, in welcher Pose er es vor der Linse haben möchte. Die „Arbeit“ mit Tieren ist deutlich anstrengender, und bisweilen sind die Vierbeiner ebenso extravagant wie die zweibeinigen Models. Doch können wir nicht mit ihnen reden, die „sprachlose“ Kommunikation beschränkt sich auf das Einfühlungsvermögen der Fotografin. Ruth Marcus: „Die Unterschiede zwischen Hund und Katze beim Fotografieren sind extrem!“ Zwischen Hund und Fotografin entwickle sich rasch eine direkte und intensive Interaktion. Hund sind neugierig und reagierten auf Lautäußerungen direkt. Katzen dagegen, so die Fotografin, hätten sie fast durchweg ignoriert. Leidenschaftslos lasse die Katze die Fotografiererei über sich ergehen. „Die Sitzung mit einer Katze wird häufig erst durch die Ermüdung des Fotografen beendet!“

Gleichwohl ist die Fotografin, fast wie im richtigen Fotografenleben zu einer intensiven Beziehung zu ihren „Models“ bereit. Dass diese im Gegensatz zum Hund bei den Katzen aber eher eine etwas einseitige Sache ist, trägt dem Charakter der Katze durchaus Rechnung. Und so merkt man bei den Katzenbildern der Ruth Marcus, wie allen ihren Tierfotografien, deutlich an, welche Auseinandersetzungen vor dem Schuss mit der Kamera im Kopf der Künstlerin vor sich gehen. Nicht nur formale über Lichteinfall, Kameraeinstellung oder Bildausschnitt. Das geht bis hin zur Selbstreflexion, bei der sie sich dabei ertappt, doch wieder einmal zu sehr in menschlichen Kategorien und Dimensionen gedacht zu haben. Doch wer kann sich schon in eine Katze versetzen, und das auch noch während der kurzen Zeit des „Fotoshootings“?

Die Aufnahmen sind formal bis zum Äußersten reduziert. Kein erzählerischer Kontext, kein irgendwie gearteter Hintergrund lenkt den Betrachter ab von der Schönheit, dem Charme und letztlich dem Wesen der Tiere. Im Buch begleiten kleine Texte die Bilder, die uns dann doch etwas mehr eröffnen über deren Entstehung: „Katzen sind wie sie sind, machen was sie wollen und sehen dabei wunderschön aus,“ meint die Fotografin.

Weitere Informationen:
www.museen-hanau.de, www.ruthmarcus.de

Fotoausstellungen 04 / 2010

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