Marek Poźniak - BERLIN - LONDON - NEW YORK

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© Marek Poźniak: Berlin-Schöneberg, 1994

Johanna Breede PHOTOKUNST präsentiert noch bis zum 24. August 2013 die Ausstellung „Marek Poźniak – BERLINLONDONNEW YORK“ mit Fotografien von 1985 bis 2010.

„You press the button, we do the rest”, wir erinnern uns, das war der Werbeslogan, als George Eastman, der Begründer des Kodak-Imperiums, vor gut einem Jahrhundert das Fotografieren so vereinfachte, daß selbst Laien zu brauchbaren Ergebnissen kamen. Seitdem hat die Fotografie eine vielschichtige Entwicklung erlebt: technisch wie bildästhetisch. Inzwischen werden die analogen Prozesse durch die digitalen ersetzt. In Relation dazu hat sich Marek Poźniak freiwillig in die fotografische Steinzeit zurückbegeben, als er mit einer vermutlich 1896/1897 gebauten englischen Amateurkamera zu fotografieren begann. Denn diese „Black Box“, und hier trifft der Begriff buchstäblich, besitzt keine der inzwischen zum Standard gehörenden technischen Ausstattungen. Sie hat keine Entfernungseinstellung, keine veränderbaren Blenden, der Verschluss erlaubt nur die Wahl zwischen Daueröffnung oder Momentbelichtung und die Optik, sie verdient nach heutigem Maßstab nicht einmal diesen Namen.

Und trotzdem, diese Kamera liefert faszinierende Bilder, nicht automatisch, das haben Kameras nie vermocht, aber in den Händen von Marek Poźniak. Wobei nicht diese, sondern seine Fantasie und sein ästhetisches Antizipieren die Fotografien hervorbringen. Das betrifft die in langzeitbelichteten Innenräume ebenso wie die kurzzeitigen Außenaufnahmen. In den zu Abstraktionen führenden hochformatigen Innenaufnahmen einerseits und den perspektivisch organisierten querformatigen Außenaufnahmen andererseits manifestieren sich bildgeschichtliche Grunderfahrungen: Während das Hochformat in seiner Seitenbegrenzung eher Enge und das Aufrechte, wie das Stehen von Menschen symbolisch erfasst, verbindet sich mit dem Querformat die Vorstellung der Weite, wie wir sie von Landschaften als weit ausladende Naturschauspiele kennen und wie sie uns gewissermaßen ins Blut gegangen sind. Die bewusst auf Körnigkeit und Kontrast angelegte Negativentwicklung und das anschließende Vergrößern auf Chlorsilberpapier verleiht den Motiven eine vermeintlich alte, der historischen Technik angemessene Patina. Oder anders formuliert, das Erscheinungsbild verklärt die präzise zeitliche Einordnung. Sind die Fotografien älteren Datums? Aber wieso dann vertraute Stadtarchitektur, wieso die bekannten Alltagsgegenstände?

Damit opponiert Marek Poźniak – obwohl er mit modernster Digitaltechnik einen Teil seines Lebensunterhalts bestreitet – zum einen gegen den Technikfetischismus unserer Tage mit den Hightech-Geräten und neuen digitalen Bildproduktionen und
-bearbeitungen und zum anderen, was mehr wiegt, unterstreicht er damit sein uneingeschränktes Vertrauen auf die Magie alter, analoger Fotografien. Die im Sinn der Straßenfotografie im städtischen Außenraum aufgenommenen Motive, als Spezifikum der einen Serie, sowie die als Langzeitbelichtungen in öffentlich zugänglichen Innenräumen entstandenen Motive zeigen eine irritierende Altertümlichkeit, in der sich aber die uns vertrauten modernen Formen der Architektur, des Straßenbildes, der Kleidungen der Menschen oder aber die von Objekten brechen. Das Moderne verbirgt sich zwar hinter dem Antiquierten, bleibt aber deutlich genug erkennbar. Es ist die individuelle fotografische Sicht Marek Poźniak in Verbindung mit der alten Fototechnik, die das Vergangene im Gegenwärtigen aufgehen, und die eine neue, so bislang nie gesehene Wirklichkeit entstehen lässt – eine fotografische, Assoziationen weckende Wirklichkeit, ästhetisch und damit künstlerisch organisiert. (Enno Kaufhold)

Weitere Informationen: http://176.28.17.178/institution/details/johanna-breede-photokunst

Fotoausstellungen 06 / 2013

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