Bildleiste

Marina Gadonneix - Playground Disorder

Kaune Sudendorf, GALLERY FOR CONTEMPORARY PHOTOGRAPHY in Köln stellt noch bis zum 26. Februar 2011 die Arbeiten von Marina Gadonneix aus.

Marina Gadonneix, 1977 in Paris geboren, studierte von 1996-2002 an der École Nationale Supérieure de la Photographie in Arles. In 2006 wurde sie mit dem ‚Prix HSBC pour la Photographie’ ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Paris.

Der Titel der Arbeit, „Playground Disorder“, weist auf einen spielerischen Umgang mit Orten hin und beschreibt zugleich eine Ordnung die, wie auch immer geartet, konterkariert wird. Und tatsächlich geht es in den beiden Werkgruppen ‚The house that burns every day’ und ‚Crime scenes’, die auszugsweise gezeigt werden, um die Fortführung des Gesamtwerkes Gadonneixs, das sich in den vorherigen weltweit gezeigten Serien manifestiert: Die Dokumentation inszenierter Wirklichkeit. Konträr zu gewohnten Inszenierungen künstlerischen Schaffens, wird diese hierbei nicht vom Künstler selbst vorgenommen, sondern gezielt gesucht, entdeckt und ohne weiteres Dazutun dokumentiert. Der jeweils vorgefundenen Situation liegt eine notwendige Simulation zugrunde.

Geliefert wird ein zwar klares unverfälschtes Motiv mit sauberer Bildkomposition, das aber dennoch Interpretation und Erklärung fordert. Geschickt spielen Gadonneixs Fotografien mit dem Aufeinandertreffen von Dokument, Inszenierung und Fiktion. Die immer menschenleeren Orte und Räume vermitteln eine beunruhigende Atmosphäre, in der die Grenzen zwischen realer Gegenständlichkeit und fingierten Ereignissen verschwimmen und Diskurs fordern. Von Ruß geschwärzte Räume wie etwa eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Arbeitszimmer die zunächst eine Schwarz-Weiß Aufnahme vermuten lassen, stehen einem leuchtend rot-orange brennenden Bett gegenüber.

Scheinbar klare Bilder, die zuletzt weder real noch Kulisse sind, wir sehen keine Wohnräume noch tatsächliche Möbelstücke – was wir sehen sind gelernte Proportionen, festgemacht an Höhen, Tiefen und Formsprache – eine Illusion aus Edelstahl und Beton deren Grauwerte weniger einem Entwicklungsprozess von Fotomaterialien denn der dort vorherrschenden Rußentwicklung entsprechen. Andere realitätsnah eingerichtete Räume lenken den Blick von der Einrichtung auf gelbe Störer die jedwede funktionale Sinnhaftigkeit der Umgebung komplett verschwinden lassen um die Konzentration auf, für die Bildkomposition eigentlich unbrauchbare Details zu lenken.

Diese zunächst deutlich spürbare Sinnlosigkeit entpuppt sich dennoch als große Sinn- und Wahrhaftigkeit im dankenswerten Auftrag der gesellschaftlichen Basiskonstitution. Wir sehen die blanke Realität zivilisatorischer Entwicklung, Übungsplätze für ‚Worst-Case-Szenarien’ die täglich ebenso bespielt werden wie der Rest der Welt mit den realen Abläufen, deren Behandlung hier trainiert werden soll.

Weitere Informationen: http://www.ks-contemporary.com/

Fotoausstellungen 01 / 2011

Bewerten 124

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Marina Gadonneix, sofa #1, 2010

"sofa #1, 2010"
Marina Gadonneix

Marina Gadonneix, plane, 2009

"plane, 2009"
Marina Gadonneix

Marina Gadonneix, kitchen #2, 2010

"kitchen #2, 2010"
Marina Gadonneix

Marina Gadonneix, fire #2, 2009

"fire #2, 2009"
Marina Gadonneix