Mikrofotografie - Retrospektive Manfred Kage

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"Volvox (LM, Dunkelfeldaufnahme – 30:1)"
Manfred Kage

Im Rahmen des 4. Europäischen Monats der Fotografie Berlin widmet die Alfred Ehrhardt Stiftung noch bis zum 9. Januar 2010 ihre kommende Ausstellung dem Werk von Manfred Kage. Kage gehört weltweit zu den herausragenden Vertretern der Mikrofotografie. Er ist ein faszinierender Grenzgänger im Terrain zwischen Naturwissenschaft und Kunst, Fotografie und Film, Erfindungsreichtum und Innovationsbegeisterung. Die Retrospektive umfasst Werke aus einer Schaffensperiode von mehr als 50 Jahren.

Die Ausstellung findet parallel zur gemeinsam mit der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, im Museum für Fotografie organisierten Ausstellung „Mikrofotografie – Schönheit jenseits des Sichtbaren“ statt.

Manfred Kage wurde 1935 in Delitzsch bei Leipzig geboren. Nach seiner Ausbildung zum Chemotechniker stieß er bei chemischen und optischen Arbeiten auf den ästhetischen Reiz kristalliner Strukturen. Er schildert es so: „Eines Tages, bei der Analyse von Magnesiumverbindungen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich sah plötzlich ganz anders, losgelöst von jeglicher wissenschaftlicher Sehweise. Ich erblickte in den kristallinen Vorgängen, die ich vor meinen Augen abspielen lassen konnte, flächige Gliederungen, rhythmische Abläufe und faszinierende Helldunkelkompositionen.“

Bereits 1958 wurden seine fotografischen Arbeiten im Kunstkontext als „Fotografie informel“ ausgestellt. Sein Werk steht in engem Zusammenhang mit der künstlerischen Avantgarde jener Jahre in Deutschland, der Gruppe ZERO und der subjektiven fotografie. 1959 gründete Kage das in Schloss Weissenstein untergebrachte „Institut für wissenschaftliche Fotografie und Kinematografie“, eine bis ans Dach mit Apparaten, Mikroskopen, Fossilien und Präparaten hochgerüstete Wunderkammer, das bis heute gemeinsam mit Ehefrau Christina und Tochter Ninja-Nadine als schwäbisches Familienunternehmen geführt wird.

Mit faustischer Energie wird dort erfunden, was es noch nicht gibt, genutzt, was für andere Zwecke entworfen wurde und fotografiert, was für keinen Menschen vorher sichtbar war: Der Polychromator zur Erzeugung von unbunten Farben, ein System zur Colorierung von Rasterelektronenfotografien oder die sofortige Nutzung des 1969 in der Fernsehproduktion eingeführten U-matic-Videosystems brachte Kages neuer Bilderwelt reiches Interesse von Künstlern, Technikern, Produzenten und der Medien ein. 1975 entstand mit Salvador Dalí der surrealistische Film „Reise in die hohe Mongolei“, in dem Kage die Kratzer und Ätzstrukturen eines Kugelschreibers so aufnahm, dass sie wie simulierte Flugaufnahmen unwirklicher Landschaften wirkten. 2006 entstand als Größenvergleich die Fotografie des Zahnrads eines Mikromotors – eingefädelt um den Fuß einer Ameise. Dies gelang mithilfe eines auf einen Zahnstocher geklebten Haares aus dem Wimpernkranz eines Meerschweinchens. Hierfür gewann er den 1. Preis des Focus-Fotowettbewerbs für wissenschaftliche Fotografie.

Die Ausstellung „Mikrofotografie – Retrospektive Manfred Kage“ zeigt über 100 Fotografien, 10 Filme und 1 Mikroapparatur. Zu dieser Ausstellung und zur Ausstellung „Mikrofotografie – Schönheit jenseits des Sichtbaren“ im Museum für Fotografie erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag.

Weitere Informationen: www.alfred-ehrhardt-stiftung.de/

Fotoausstellungen 10 / 2010

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