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Mode:Bilder

Die Ausstellung „Mode:Bilder“ mit Photographien aus der Sammlung F.C. Gundlach, die bis zum 24. März im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf zu sehen ist, verändert den Blick auf die Modephotographie: Anhand von nahezu 400 Photographien von 100 Photographen aus dem Zeitraum 1843 bis 2006 zeigt sie auf, dass Modephotographie mehr ist als die Abbildung von Bekleidung. Ja, so ist die These dieser Ausstellung, dass vielmehr jedes Photo von einem Menschen seinem Wesen nach immer auch ein Modephoto ist.

Und so beginnt die Ausstellung „Mode:Bilder“ im NRW-Forum mit den kostbaren Aufnahmen von Robert Adamson aus der Frühzeit der Photographie; einer Inkunabel der Photographie-Geschichte. Adamson photographierte im Jahre 1843 über 450 schottische Geistliche, die sich in einem aufständischen Akt von der Church of England lossagten und die Free Church of Scotland gründeten. Diese Einzelphotos benutzte der Maler Octavius Hill als Vorlagen für ein Gemälde, das eben diese Versammlung der Abtrünnigen darstellt. Diese Photographien sind nicht nur das erste Mal, dass die Photographie als Vorlage für Malerei diente, es ist auch die Typologie eines Berufsstandes und einer Generation Mitte des 19. Jahrhunderts: Sie sagen alles aus über Mode und Gestus der dargestellten „Photomodelle“.

Es folgen in rascher Abfolge Photographien der Belle Epoque, der 20er und 30er Jahre in Deutschland - Photographien von Künstlern, wie Wols (Otto Wolfgang Schulze, einem Wegbereiter des Informel), treffen auf Photographien von Schaufenstergestaltungen von Peek & Cloppenburg; Aktaufnahmen treffen auf Freikörperkultur, Mode ist hier nur noch in Haltung und Haar zu erkennen, und schließlich schließt die erste Hälfte der Ausstellung mit den großartigen Schwarzweißaufnahmen von Richard Avedon. Mit ihm endet die Epoche der Elegance, um dann im zweiten Teil der Ausstellung fortzufahren mit den voyeuristischen, berührenden, bahnbrechenden Aufnahmen von Guy Bourdin. Ein Gegenpol, mit dem eine neue Epoche beginnt, die Epoche der Exzentrik und der expliziten Bildsprache.

Moden und Modephotographien reflektieren Zeitzeugenschaft, sie sind Momentaufnahmen einer Zeit und spiegeln das Lebensgefühl einer jeden Generation wider. Sie sind die wichtigste Komponente unserer non-verbalen Kommunikation, ihre einzige Konstante ist der Wechsel. Der Modephotograph muss genauso wie der Modeschöpfer Trends antizipieren, Intentionen visualisieren, und das möglichst in Bildern, mit denen sich Frauen und Männer - bewusst oder unbewusst - identifizieren.

Die Ausstellung „Mode:Bilder“ befreit den Begriff der Modephotographie aus seiner Verengung. Gezeigt werden nicht die Konjunkturen von Textilien, Couturiers, Models und der sie begleitenden oder interpretierenden Photographen. Ziel ist es vielmehr, zu zeigen, wie das Genre sich ständig verändert und sich strengen Kategorisierungen entzieht. Die Ausstellung trägt damit einer Entwicklung innerhalb der Mode selbst Rechnung: Wer sie heute noch mit den Kategorien von Schönheit und Eleganz zu erfassen versucht, wird scheitern.

Die Ausstellung dokumentiert die Mode als integralen, substantiellen Bestandteil unseres Lebens. Sie zeigt die mannigfaltigen Facetten von Mode jenseits der Schutzfunktion von Kleidung vor Kälte und Hitze. Moden bestimmen unser Leben mehr, als wir es vielleicht bemerken, wahrnehmen oder zuzugeben bereit sind.

Die Auswahl der fast 400 Werke von 100 Photographen über den Zeitraum vom 1843 bis 2006 beansprucht keineswegs einen repräsentativen Überblick über 160 Jahre Modephotographie zu geben. Sie ist ein subjektives Extrakt der Sammlung F.C. Gundlach - geprägt von der ganz persönlichen Sicht des Sammlers und Kurators, getroffen unter der bereits eingangs erwähnten These, dass Modephotographie viel mehr ist als die Reproduktion eines Kleides. Ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung wie auch in der Ausstellung sind die Photographien der Moden, so wie sie sich auf der Straße, dem „Catwalk der Öffentlichkeit“, präsentieren.

Darüber hinaus zeigt die Ausstellung, wie der Sammler konstant sein Konzept veränderte, andere Schwerpunkte setzte und auf gesellschaftliche Veränderungen reagierte. Was einmal 1975 mit dem Erwerb eines Abzugs von Ansel Adams „Hernandez Moonrise“ begann, setzte sich über viele Inkunabeln der Photographie fort bis hin zum anonymen Bild oder Amateurphoto, die im Kontext der Sammlung und in der Vorstellung des Sammlers, eine neue und andere Bedeutung erfahren.

„Mode:Bilder“ zeigt unter anderem Arbeiten der Künstler und Photographen Hill und Adamson, Madame d´Ora, George Hoyningen-Huene, Yva, Regina Relang, Irving Penn, Richard Avedon, Guy Bourdin, Robert Mapplethorpe, George Platt-Lynes, Will Mc Bride, David LaChapelle, Herlinde Koelbl, Peter Lindbergh, Martin Kippenberger, Jürgen Klauke, Bernhard Prinz, Wols, Wolfgang Tillmans, Merry Alpern.

Die Ausstellung wurde von F.C. Gundlach 2006 anlässlich seines 80. Geburtstags unter dem Titel „The Heartbeat of Fashion“ kuratiert und im gleichen Jahr erstmals in dem „Haus der Photographie“ der Hamburger Deichtorhallen gezeigt. Die umfangreiche Sammlung von F.C. Gundlach bildet den Grundstock des von ihm mit gegründeten „Haus der Photographie“ in den Hamburger Deichtorhallen.

Für Düsseldorf wurde die Ausstellung vom NRW-Forum neu arrangiert. „Die Ausstellung ist für das NRW-Forum von großer Bedeutung, beinhaltet Sie doch vieles, was wir bereits ausgestellt haben - oder noch gerne ausstellen möchten. Sie ist eine Quintessenz unserer Auseinandersetzung mit der Modephotographie“, fasst Werner Lippert vom NRW-Forum seine Faszination für die Sammlung von F.C. Gundlach zusammen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: 311 Seiten, 4-farbig, Hardcover, € 48,--. Erhältlich im Museumsshop oder im webshop des NRW-Forums unter www.nrw-forum.de.

Weitere Informationen zur Ausstellung „Mode:Bilder - Photographien aus der Sammlung F.C. Gundlach“ unter www.nrw.forum.de.
 

Fotoausstellungen 11 / 2007

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