Nachtleben

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Anne Kathrin Greiner

Ein besonderer Reiz zeichnet die Nacht aus. Mit Einbruch der Dunkelheit erleben wir einen neuen, anderen Raum, in dem die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Sinnestrug verschwimmen, tauchen ein in eine Welt voll bedrohlicher Wahrnehmungen, ungreifbarer Gefahren und einer tief in uns liegenden Verängstigung. Dennoch fasziniert uns die Nacht mit ihren geschärften Hörwahrnehmungen, mit all ihrer Tiefe und Undurchdringlichkeit. Drei nächtliche Räume, die diese Phänomene zeigen und in deren Bildern das weitestgehend abwesende Leben imaginiert werden kann, zeigt die Ausstellung „Nachtleben“ in der Galerie Degenhartt in Berlin noch bis zum 7. März 2009. Ungewöhnlich, aber folgerichtig ist die Ausstellung nur bei Nacht, von 19.00 Uhr bis 24.00 Uhr geöffnet.

Karen Stukes Bilder aus der Serie „sleeping sister“ sind mit der Lochkamera, jeweils eine ganze Nacht lang aufgenommen. Diese Fotografien besitzen eine leuchtende, fast magische Oberfläche. Nach erstem Hinsehen erkennt man den intimen Raum der Schlafenden (die Fotografien entstehen meist auf Reisen) und entdeckt im Bild sowie in der eigenen Imagination eine andere Welt, die des Traumes, eine, die nicht sichtbar ist und doch sofort präsent wird. Karen Stuke studierte in Groningen und Bielefeld Fotografie und Kommunikationsdesign. Sie lebt und arbeitet in Berlin und führt neben ihrer Arbeit als Fotografin den Kronenboden, einen Raum für Theaterkunst. Ihre Aufmerksamkeit gilt vor allem der Arbeit mit der Camera Obscura sowie dem Theater.

Die fotografische Serie „Theatres of play“ der in Großbritannien ausgebildeten Künstlerin Anne Kathrin Greiner zeigt menschenleere nächtliche Szenarien, nicht in Gebäuden, sondern im erweiterten Raum der Stadt. Eine vertraute Umgebung wird uns hier in ungewohnter, nahezu mysteriöser Weise präsentiert. Auch im weiteren Sinne entfaltet sich ein Spiel aus Licht und Schatten, Hell und Dunkel, Sichtbarem und Unsichtbarem, Realität und Traum. Die, bei Tageslicht betrachtet, eher banal erscheinenden Elemente entfalten im Dämmerlicht ein Eigenleben, das vielfältige Assoziationen zulässt. Anne Kathrin Greiner studierte in Siena, Edinburgh und London. Ihre preisgekrönten Arbeiten werden auf Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, unter anderem bei Hauser & Wirth in Zürich und im Reykjaviker Museum für Fotografie.

Als dritte Position sind aktuelle Leinwände mit „Himmelsbildern“ von Doris Conrads zu sehen. Hier werden wir in den nochmals deutlich erweiterten Raum des Himmels und den des gesamten Alls versetzt. Seit jeher ist Doris Conrads in ihren Arbeiten an Themen wie Übergang, Weite oder Grenzenlosigkeit interessiert. In diesen Bildern konzentrieren sich Gedanken zur relativen Ohnmacht des Menschen, aber auch Fragestellungen, die durch die wissenschaftliche Forschung evoziert werden und an denen das menschliche Selbstverständnis stets aufs Neue geprüft werden muss. Doris Conrads studierte an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt (Städelschule) bei Raimer Jochims, war seither in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten und ist Lehrbeauftragte der Universität Marburg.

Weitere Informationen: www.galerie-degenhartt.de/
 

Fotoausstellungen 02 / 2009

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