New color photography der 1970er Jahre

Cape Cod, 1976, Joel Meyerowitz Cape Bildgalerie betrachten

"Cape Cod, 1976"
Joel Meyerowitz

Mit den Arbeiten der amerikanischen Photographen Joe Maloney, Joel Meyerowitz, Stephen Shore und Joel Sternfeld präsentiert das Haus der Photographie in Hamburg noch bis zum 11. Januar 2009 vier photographische Positionen, die die New Color Photography der 1970er Jahren nachhaltig geprägt haben. Entscheidend für ihre photographiehistorische Bedeutung ist, dass sich diese Künstler mit dem bewussten Einsatz der Farbe als künstlerischem Ausdrucksmittel im Medium der Photographie nicht nur über die Behauptung Walker Evans', die Farbe sei „vulgär“, erfolgreich hinwegsetzten, sondern ihnen gleichzeitig die kritische Abgrenzung von den überlieferten Anwendungsgebieten farbphotographischer Verfahrenstechniken in der Werbe- und Amateurphotographie gelang.

Neben dem Experimentieren und genauen Ausloten der spezifischen gestalterischen Möglichkeiten, die der Gebrauch der Großformatkamera ihnen ermöglichte, besteht eine klar erkennbare gestalterische Strategie in der bewussten Abstufung und Verfeinerung der Farbe, die erst auf diese Weise zum Ausdrucksträger der subjektiven Wahrnehmung des einzelnen Künstlers im Blick auf seine Umgebung werden konnte.

Stephen Shores (*1947, New York) im klassischen Sinne nüchterne wiewohl formalistisch geprägte Position löst urbane Situationen aus ihrer scheinbaren Banalität. Ihm gegenüber finden sich romantisch anmutende Farbfeldkompositionen, die Joel Meyerowitz (*1938, New York) auf Cape Cod in der „blauen Stunde“ für sich entdeckte. Die sensible, narrative Kraft eines Joel Sternfeld (*1944, New York) kommentiert zurückhaltend als auch ironisierend sozio-politische Strukturen amerikanischer Landschaft und ihrer Bewohner, während Joe Maloney (*1949, Worcester/ Massachusetts) mit einer bewusst verfremdeten Farbwiedergabe den Realitätsbegriff zugunsten einer surrealen Wahrnehmung irritiert.

Mit den charakteristischen, scheinbar banalen „deadpan views“ lassen die vier Künstler das Umfeld konzeptuell angelegter photographischer Arbeiten, wie sie seriell arbeitende Künstler wie Ed Ruscha und Dan Graham seit den 1960er Jahren realisierten, weit hinter sich. Mittels einer präzise kalkulierten Bildästhetik entwarfen Maloney, Meyerowitz, Shore und Sternfeld schlagkräftige Alternativen innerhalb der ortsbeschreibenden Photographie, die von zeitgenössischen Photographen der jüngeren Generation wie Paul Graham und John Davies, aber auch Andreas Gursky und Thomas Struth konsequent weiterentwickelt werden.

Die gezeigten vier Werkgruppen stammen aus der Dauerleihgabe der Sammlung F.C. Gundlach im Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg. Kuratorin: Dr. Sabine Schnakenberg, Sammlungsbetreuung Haus der Photographie. Weitere Informationen: www.deichtorhallen.de/.
 

Fotoausstellungen 12 / 2008

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