Anton Corbijn - Inwards and Onwards

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© Anton Corbijn, Kate Moss, New York, 1996

Die Ausstellung „Inwards and Onwards“, zu sehen noch bis zum 2. Juni 2012 in Berlin in der Galerie CAMERA WORK, zeigt in großformatigen Porträts das bedeutende künstlerische Schaffenswerk von Anton Corbijn. Neben eindringlichen Fotografien bekannter Musiklegenden, wie Bruce Springsteen, Patti Smith oder Tom Waits, die ihn seit jeher faszinieren, fokussiert sich Corbijn in seinen neuesten Fotografien auch auf die modernen Inbilder künstlerischer Inspiration, wie Gilbert & George, Damien Hirst oder Jeff Koons. Ausschließlich in Schwarzweiß fotografierend, reduziert Anton Corbijn seine Fotoshoots mit seiner Hasselblad-Kamera, einem Setting in gewohnter Umgebung des Porträtierten sowie natürlichem Licht auf das Wesentliche – Assistenten oder künstlich erzeugtes Licht sind für ihn tabu. Auch, wenn sich einige Porträts wie jene von Damien Hirst oder Jeff Koons, durch eine Verspieltheit auszeichnen, so versteht Anton Corbijn die Kamera als Mittel zum Zweck, die Persönlichkeit des Porträtierten zum Ausdruck zu bringen und die ehrliche Tiefe des Charakters jenseits jeglicher äußerlicher Inszenierung darstellen zu können.

Diese besondere visuelle Erfahrung ist auch beim unkonventionellen Porträt von Gerhard Richter zu erkennen, der sich nicht nur berufsbedingt der Möglichkeiten der Selbstinszenierung im Medium der Fotografie bewusst ist. Anton Corbijn zeigt den Künstler in einer Rückenansicht, gewährt ihm damit sein Verlangen nach persönlicher Intimität, um zugleich sein künstlerisches Schaffen zu reflektieren – kehren doch oftmals auch in Richters Werken die Personen dem Betrachter den Rücken zu oder verschwimmen bis zur Unkenntlichkeit. Auch der 2011 verstorbene Maler Lucien Freud ließ Anton Corbijn nicht nur in seine räumliche Privatsphäre eindringen, sondern öffnete für ihn sein Wesen. Die bildprägende Gestik und charakterliche Zeichnung sowie die greifbare Stimmung in der Fotografie sind das Ergebnis eines besonderen Zugangs von Anton Corbijn zu seinen Porträtierten. Dieser Zugang erlaubt es Corbijn, hinter Inszenierungsfassaden Ebenen von Personen abbilden zu können, die nur der Kunst vorbehalten sind.

Neben faszinierenden Einblicken in die einzelnen Persönlichkeiten – wie auch beim Porträt von Kate Moss, deren Maskierung einerseits paradoxerweise die mediale Fassade des Models zerstört, um den Blick auf die Person und nicht auf das Konstrukt zu lenken, und andererseits als Symbol für das Wechselspiel zwischen der Aufgabe der Privatsphäre in der Öffentlichkeit und dem Schutz derselben angesehen werden kann – spielen andere Bilder aus der Ausstellung, wie das Porträt von Anthony Kiedis, mit dem Reiz des seriösen Surrealen. Anton Corbijns Fotografien zeugen von einem sichtbar gemachten Auseinandersetzen der Porträtierten mit sich selbst und sind darüber hinaus von einer reizvollen Bildsprache sowie oftmals von scheinbar abstrakten Szenarien geprägt, in denen sich die Persönlichkeiten in einem intimen Moment zeigen: „Inwards and Onwards“.

Anton Corbijn

Geboren am 20. Mai 1955 im niederländischen Dorf Strijen, entwickelte sich bei Anton Corbijn in den siebziger Jahren die Leidenschaft heraus, Musikbands zu porträtieren und mit der Fotokamera zu begleiten. Als „stilles Mitglied“ der Musikgruppen schärfte er als Fotograf und fortan auch zeitweise als Art Director und Bühnenbildner das Image von Bands, wie Depeche Mode, Joy Division, New Order und U2. Seine enge Verbundenheit mit dem Musikgeschäft in Kombination mit seinem künstlerischen Verständnis konnte Anton Corbijn auch jenseits der Fotografie kreativ ausleben. So führte er seit den achtziger Jahren bei zahlreichen Musikvideos der erfolgreichsten Musiker und Bands der Geschichte Regie, darunter neben Depeche Mode und U2 auch von Johnny Cash, Nick Cave, Coldplay, Herbert Grönemeyer, Metallica und Nirvana. Zuletzt auch aufgrund der preisgekrönten Filme „Control“ und „The American“, bei denen Anton Corbijn Regie geführt hat, zählt er heute nicht nur zu den einflussreichsten zeitgenössischen Fotografen, sondern auch zu den bedeutendsten Regisseuren weltweit. Ihm wurde daher die Ehre zuteil, in die Jury der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin berufen zu werden.

Seit 1997 verfolgt Anton Corbijn jenseits der Regiearbeit und Auftragsfotografie auch eigene fotografische Projekte, die Bestandteil von Ausstellungen in internationalen Museen und Galerien waren. Neben zahlreichen Auszeichnungen für sein künstlerisches Schaffen, wurde Anton Corbijn im vergangenen Jahr in seiner Heimat der renommierte Niederländische Kulturpreis verliehen.

Weitere Informationen: http://www.camerawork.de/.

Fotoausstellungen 04 / 2012

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