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Pflanzenstudien von Karl Blossfeldt und verwandte Positionen

Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur präsentiert in Köln bis zum 7. Juni 2009 die Ausstellung „Pflanzenstudien von Karl Blossfeldt und verwandte Positionen“. Die berühmten und Stil prägenden Pflanzenstudien von Karl Blossfeldt (1865-1932) aus dem Bestand der Universität der Künste Berlin sind somit zum ersten Mal im Originalabzug in einer umfangreichen Ausstellung zu sehen. Begleitet werden die Fotografien von Herbarien und von Bronzen nach Pflanzenvorbildern aus der Zusammenarbeit mit seinem Lehrer Moritz Meurer.

Die Zusammenführung und Präsentation der unterschiedlichen Konvolute der Berliner Blossfeldt-Sammlung geben einen detaillierten Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers, der rund dreißig Jahre in Berlin das Naturformenstudium lehrte. Seine Pflanzenaufnahmen setzte er hauptsächlich im Unterricht als Vorlagen in seiner Klasse ein. Erst gegen Ende seiner beruflichen Laufbahn wurden die Fotos durch eine Ausstellung in der Galerie Nierendorf, Berlin 1926 einem größeren Publikum bekannt. Mit der 1928 erschienenen, sehr erfolgreichen Publikation Urformen der Kunst begann eine nachhaltig andauernde Rezeption seiner Fotografien. Karl Blossfeldt entwickelte in der jahrelangen Konzentration auf ein Thema eine Bildsprache von hoher ästhetischer Qualität, die den Betrachter in ihrer Klarheit und Fokussierung auf das Objekt bis heute gleichermaßen fasziniert.

Die Ausstellung führt das Thema der Pflanzenstudien vor dem Hintergrund der künstlerischen Auseinandersetzung mit Form und Struktur auch an weiteren ausgewählten historischen bis zeitgenössischen Positionen fort. An ihnen zeigen sich die Entwicklung und die technischen Möglichkeiten des Mediums ebenso wie sie die Charakteristika und ästhetischen Aspekte der jeweiligen Pflanzen verdeutlichen. Die Spannweite der einbezogenen 300 Exponate reicht von einer dezidierten Formanalyse einzelner botanischer Details über die dokumentarische Erfassung komplexer Natur- und Lebensräume bis hin zu einer assoziativen Betrachtung der Pflanzen. Die Ausstellung resultiert aus der langjährigen Kooperation zwischen der Universität der Künste Berlin und der Photographischen Sammlung. Gemeinsam haben sich die Institutionen zum Ziel gesetzt, die im Besitz der Universität der Künste befindliche Karl-Blossfeldt-Sammlung kontinuierlich wissenschaftlich aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit umfassend vorzustellen.

Rahmenüberlegungen - Blick in die Sammlung
Für die Photographische Sammlung erweist sich die Präsentation als ein wiederholt wichtiger Schritt, die eigene institutionelle Ausrichtung zu verdeutlichen. Neben der Kooperation am Werk von Karl Blossfeldt sind dies bekanntermaßen weitere richtungsweisende sachlich- und konzeptorientierte fotografische Werke, die insbesondere im Geist der Aufbruchstimmung der 1920er und der 1960er/1970er Jahre entstanden oder damit in künstlerischer Beziehung stehen. Diejenigen Werke, die von der Kölner Institution im Laufe der vergangenen Jahre mit Blick auf die botanische Themenstellung erworben wurden oder als Dauerleihgaben langfristig gesichert werden konnten, sind nun auch Bestandteil der aktuellen Präsentation. Dazu gehören Arbeiten von Pietro Guidi, August Kotzsch, Paul Dobe, Arbeiten aus dem Folkwang-Auriga Verlag, von Fred Koch, Albert Renger Fred Koch, Albert Renger-Patzsch, Else Thalemann, August Sander, Ruth Lauterbach Baehnisch, Ruth Hallensleben, Dr. Herbert W. Franke und Lawrence Beck. Sind auch Arbeiten der jüngeren Künstlerinnen Natascha Borowsky oder Simone Nieweg in der hauseigenen Sammlung vortreten, so stellen beide jedoch mit Blick auf ihre aktuelle Arbeit Fotografien aus eigenem Besitz zur Verfügung.

Die aktuelle Schau erweist sich so auch als ein themengebundener Einblick in den Sammlungsbestand der Photographischen Sammlung, der im Wechsel von Historischem und Zeitgenössischem in den vergangenen Jahren um eine große Zahl von fotografischen Werkgruppen sinngerecht erweitert wurde. Um in der Ausstellung ein möglichst geschlossenes, aber auch lebendiges Bild rund um das Schaffen von Karl Blossfeldt zu geben und aufschlussreiche Positionen vorzustellen, die innerhalb der Rezeptionsgeschichte Blossfeldts zwar vielfach Erwähnung fanden, aber nur selten oder gar nicht in Ausstellungen mit seinen Werken kombiniert wurden oder solche Arbeiten zeigen zu können, die neue Gedankenverknüpfungen ermöglichen, sind für die Ausstellung wichtige Leihgaben hinzugezogen worden. Sie wurden aus dem Karl-Blossfeldt-Archiv/Ann und Jürgen Wilde, Zülpich, entliehen, in dem sich der umfangreichste Bestand an Originalfotografien aus dem Nachlass des Künstlers befindet.

Dank institutioneller und privater Leihgeber werden des Weiteren Arbeiten gezeigt von Anna Anna Atkins, Lou Bonin-Tchimoukoff, Adolphe Braun, Claudia Fährenkemper, Joan Fontcuberta, Martin Gerlach, Ernst Haeckel, Lady Hatton, Leiko Ikemura, Charles Jones, Peter Keetman, Moritz Meurer, Helmut Schweizer, Herman de Vries, Wilhelm Weimar, Gerhard Winkler, Dr. Paul Wolff und Alfred Tritschler.

Weitere Informationen: www.sk-kultur.de/photographie/.
 

Fotoausstellungen 04 / 2009

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Karl Blossfeldt: Nicht näher bestimmbarer Farn. Junge, noch eingerollte Wedel

"Nicht näher bestimmbarer Farn. Junge, noch eingerollte Wedel."
Karl Blossfeldt

Natascha Borowsky: Ohne Titel, 2007/2

"Ohne Titel, 2007/2"
Natascha Borowsky

Claudia Fährenkemper: from the series Embryo, tomatoes seed/Tomatensamen, 2005

"from the series Embryo, tomatoes seed/Tomatensamen, 2005"
Claudia Fährenkemper

August Sander: Fruchtstand des Aronstabes (Arum maculatum),1927-1935

"Fruchtstand des Aronstabes (Arum maculatum),1927-1935"
August Sander

Moritz Meurer: Sambucus nigra. Schwarzer Holunder, Syringa vulgaris.  Gemeiner Flieder und Fraxinus excelsior. Esche.

"Sambucus nigra. Schwarzer Holunder, Syringa vulgaris. Gemeiner Flieder und Fraxinus excelsior. Esche."
Moritz Meurer