Politische Fotomontagen der 1930er Jahre

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"Drahtseilakt"
Marinus

Im Museum Ludwig in Köln ist noch bis zum 19. Oktober 2008 die Ausstellung „Politische Fotomontagen der 1930er Jahre“ zu sehen. Erstmalig werden in dieser sämtliche noch erhaltenen originalen Photomontagen von Marinus und das Gesamtwerk der gedruckten Ausgaben der Zeitschrift Marianne in Deutschland gezeigt. Ausführlich werden die Vorbilder von John Heartfield dokumentiert und die ikonografischen und historischen Bilderthemen analysiert. Es gilt, Marinus neben Heartfield als bedeutenden politischen Photomonteur zu entdecken und die Mediengeschichte der 1930er Jahre um die Dimension dieser Bilderwelt aus Kunstgeschichte, Film und photographierter Tagespolitik zu erweitern.

Unter dem Pseudonym „Marinus“ veröffentlichte die in Paris erscheinende Zeitung „Marianne“ in den Jahren 1932 bis 1940 über 250 Photomontagen. Diese vorwiegend als Titel abgedruckten Werke waren offenkundig von den Photomontagen von John Heartfield inspiriert, die dieser seit 1930 für die AIZ (Arbeiter llustrierte Zeitung) hergestellt hatte. Während Leben und Werk von John Heartfield inzwischen umfassend aufgearbeitet worden sind, galt der Bildautor von „Marianne“ als unbekannt, vor allem nachdem der Einmarsch der deutschen Truppen in Paris im Juni 1940 die große Zeit der französischen Illustrierten schlagartig beendete.

Vor diesem Hintergrund ist die erst kürzlich erfolgte Entdeckung, dass sich der Däne Jacob Kjeldgaard (1884 - 1964) sein Leben lang hinter dem Pseudonym „Marinus“ versteckt hielt, als Sensation zu betrachten. Seit 1933 war er Mitarbeiter der Redaktion von „Marianne“ und der Urheber der Photomontagen, die ein ganz außergewöhnliches Bilderrepertoire entfalteten. Aus französischer Sicht wurde die nationalsozialistische Politik karikiert, aber auch die mächtigen Staatsmänner der westlichen Welt als zweifelhafte Drahtzieher und Friedenskämpfer der 1930er Jahre dargestellt. Hitler wurde als Anstreicher, als stumpfer Bräutigam aus Wagners Oper „Tristan und Isolde“ oder als Karnevalsprinz vorgeführt, aber auch Mussolini und Stalin als verschlagene Politiker dargestellt. Marinus verarbeitete Kunstwerke von Leonardo, Breughel, Delacroix, Rodin und Franz von Stuck, aber auch Standfotografien aus Historienfilmen wie zum Beispiel aus „Ben Hur“. Noch heute irritieren diese Photomontagen den Betrachter in ihrer Perfektion und historischen Finesse, die damals den Leser subtil informieren und aufrütteln sollten.

Weitere Informationen unter www.museum-ludwig.de.
 

Fotoausstellungen 08 / 2008

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