Rhetorik der Bilder - Über das journalistische Foto

Pascal Convert, Archäologie der Madonna von Bentalha Bildgalerie betrachten

"Archäologie der Madonna von Bentalha"
Pascal Convert

Das Museum für Photographie Braunschweig präsentiert noch bis zum 25. April die Ausstellung „Rhetorik der Bilder – Über das journalistische Foto“. Künstlerische Arbeiten von Sarah Charlesworth, Pascal Convert, G.R.A.M, Peter Piller und Michael Schäfer, Titelseiten internationaler Zeitungen und Magazine zum 11. September 2001, Titelseiten von deutschen und internationalen Zeitungen vom 12. März 2009, dem Tag nach Winnenden sowie Internetbilder von Neda, „der iranischen Märtyrerin“, Juli 2009 sind zu sehen.

Die Ausstellung „Rhetorik der Bilder – Über das journalistische Foto“ beleuchtet die Art und Weise, wie Fotos in Zeitungen ein Geschehen nicht nur abbilden, sondern es auch bedeuten. In den 1960er Jahren begannen Soziologen und Semiologen, aber auch Künstler, die in Zeitungen publizierte Fotografie nicht mehr nur auf ihren bildnerischen Wert hin zu betrachten, sondern viel mehr nach der durch sie transportierten Botschaft zu befragen. Bis heute fordert das gedruckte Foto aufgrund seiner Macht, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen, zur Reflexion und Reaktion heraus, und dies sowohl in wissenschaftlicher wie auch in künstlerischer Hinsicht. Zwei Perspektiven ziehen sich daher durch diese Ausstellung: die Betrachtung von künstlerischen Arbeiten über und anhand von Pressefotos sowie die Analyse der gegenwärtigen fotografischen Berichterstattung anhand von drei Ereignissen.

Ein zentrales Augenmerk liegt auf den Stereotypen und ständig wiederkehrenden Bildmustern der fotografischen Berichterstattung. So ist in der Ausstellung ein früher Klassiker der Medienkritik zu sehen, Sarah Charlesworths Serie „Herald Tribune, September 1977“. Aus den reproduzierten Titelseiten der 26 Ausgaben jenes Monats schnitt sie die Nachrichtentexte weg: Übrig bleiben die Fotos von den großen Männern, die Geschichte machen.

Zeitgenössische Arbeiten von Peter Piller und Michael Schäfer untersuchen jeweils auf ihre Weise und nicht ohne Ironie die „Rhetorik“ der Pressefotos, sei es durch die Zusammenstellung bestimmter Bildtypen oder durch die übertriebene Re-Inszenierung auffälliger Bildmuster. Der französische Künstler und Bildhauer Pascal Convert geht drei Ikonen nach, die zwischen 1997 und 2004 in der Berichterstattung aus den Krisengebieten Kosovo, Algerien und Gazastreifen entstanden sind, und arbeitet hinter den berühmt gewordenen Aufnahmen des Leids eine christliche Ikonographie heraus.

Die Anschläge des 11. Septembers 2001 und der Amoklauf von Winnenden am 11. März 2009 stellten – gewiss in unterschiedlichem Ausmaß – traumatisierende Ereignisse dar. Durch ihre unentwegte Darstellung in allen Medien wurden sie zu einem Teil unserer kollektiven Erinnerung – und nicht zuletzt deshalb wurden sie unternommen. Welchen Aspekt des Ereignisses stellen die publizierten Fotografien dar, welche Auswahl liegt ihnen zu Grunde, welche Bilder sind nicht zu sehen, welche Bilder des Ereignisses werden bleiben? Ein zweiter Schwerpunkt der Ausstellung liegt daher auf der Untersuchung einer großen Anzahl von Titelseiten von Tageszeitungen, die im Gegensatz zur ununterbrochenen Berichterstattung des Fernsehens auf die sprechende Qualität von Einzelbildern setzen müssen. Dieser Teil der Ausstellung basiert auf der Analyse des französischen Fotohistorikers Clément Chéroux.

Nicht zuletzt gilt die Frage dem journalistischen Bild des Internetzeitalters, das längst nicht mehr nur von den professionellen Fotografen gestellt wird, sondern von „Bürgerjournalisten“ und ihren omnipräsenten Handykameras. Hier steht das weltweit wahrgenommene Schicksal der jungen Iranerin Neda Agha Soltan, die im Laufe einer Demonstration gegen das herrschende Regime im Iran erschossen wurde, im Mittelpunkt.
(www.photomuseum.de/)

Fotoausstellungen 03 / 2010

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