Robert Lebeck. Fotografien 1955-2005

Jackie Kennedy und Lee Radziwill am Sarg von Robert Kennedy, New York 1968, Robert Lebeck Bildgalerie betrachten

"Jackie Kennedy und Lee Radziwill am Sarg von Robert Kennedy, New York 1968"
Robert Lebeck

Der Martin-Gropius-Bau widmet noch bis zum 23. März 2009 dem deutschen Photoreporter Robert Lebeck eine große Werkschau. Er photographierte für Revue, Kristall und Stern und war Chefredakteur des Magazin GEO. Mit seiner Reportage „Afrika im Jahre Null“ (1960) wurde er bekannt. Das Photo eines jungen Afrikaners, der bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit des Kongo König Baudouins Degen stahl, ging um die Welt und ist noch heute seine „Visitenkarte“.

Robert Lebeck wurde am 21. März 1929 geboren und gehört damit zu jener Generation, die jung in den Krieg zog. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam an die Ostfront, wo er 1945 in Gefangenschaft geriet. Was Todesangst ist, aber auch welch Überlebenswillen in ihm steckte, das erfuhr er als Fünfzehnjähriger an der Oder hinter einem Maschinengewehr, auf das russische Panzer zurollten. Er entkam dem Tod, aber nicht dem Zusammensturz der Welt und der Auflösung jeder Ordnung. Dies wird in seinen Bildern sichtbar: in der leisen Trauer, die viele seiner Photographien prägen, in der Skepsis gegenüber allen Fassaden, in der inneren Distanz zu den Menschen, die er doch so nah und so deutlich zeigt. Vier Monate nachdem er 1952 angefangen hatte zu photographieren, erschien das erste Lebeck-Photo auf der Frontseite einer Zeitung. Es war ein Bild von Konrad Adenauer in der Heidelberger „Rhein-Neckar-Zeitung“. Lebeck war 23 Jahre alt. Er photographierte Hochzeiten, Fußball, Karneval, Kinder, Huren, Oberbürgermeister, Jazzclubs, Studenten. Dass das Bild in sich „stimmte“, dies war immer das oberste Gebot in Lebecks Arbeit und Grund seines Erfolges. Der Durchbruch zum Ruhm gelang ihm wenige Jahre später, als er 1960 für die in Hamburg erscheinende „Kristall“ drei Monate lang durch Afrika reiste. Endlich war er dem „Rätsel der Urwaldhölle“, der Sehnsucht seiner frühen Jugend, auf der Spur. Die Realität sah anders aus als. Afrika war ein politischer Hexenkessel. Es war das Jahr, in dem die europäischen Mächte ihre einstigen Kolonien in die Unabhängigkeit entließen. In Leopoldville versammelte sich die Weltpresse um die Unabhängigkeitsfeiern von Belgisch-Kongo, des größten Landes Schwarzafrikas, zu erleben. König Baudouin fuhr, im offenen Wagen stehend, durch die Stadt. Ein Schwarzer entriss ihm plötzlich den Säbel und lief, die erbeutete Waffe im Triumph schwingend, davon. Lebeck schoss das Bild des Jahres. Ein Symbol für den Niedergang der Macht des weißen Mannes und für die blutigen Wirren, in denen der Kongo alsbald versinken sollte.

„Ohne Glück kannst du nichts werden“, meint Lebeck dazu. Tatsächlich ist ihm das Reporterglück auf eine fast penetrante Art immer treu geblieben. Aber nur Glück? Er selbst weiß es besser. Es gehört zu diesem Beruf, zu dieser Kunst, eine spezifische Wachheit, die nichts zu tun hat mit jener aufgeregten Umtriebigkeit, die Fellini in der Figur des Paparazzo so drastisch karikiert hat. Die Wachheit des guten Reporters ist von einer leisen, unaufdringlichen Art. „Der entscheidende Augenblick“ ist immer nur der Bruchteil einer Sekunde. Photographie, auch journalistische Photographie, kann pathetisch sein, brutal, obszön, sentimental. Lebecks Photographie ist nichts von alledem. Sie ist auf eine irritierende Weise nüchtern. Seine Bilder haben immer etwas von dem sezierenden Blick eines Chirurgen. Manchen mag dies als Kälte erscheinen und in der Tat wirkt seine emotionslose Art, Dinge und Menschen zu sehen, zuweilen provozierend. Doch gerade das Kühle, Unbeteiligte, die innere Distanz zum Objekt und zum Vorgang, machen die Wirkung von Lebecks Arbeiten aus. Er will keine Antworten geben. Er lässt seine Bilder Fragen stellen, und manche dieser Bilder bohren sich wie mit Widerhaken im Gedächtnis fest.

Dass was man üblicherweise „Sensationen“ nennt, fehlt bei Lebeck - von Ausnahmen abgesehen. Er überlässt das anderen. Über seinem ganzen Werk liegt ein Hauch von augenzwinkernder Ironie, die Haltung eines Mannes, der das ganze Getriebe durchschaut hat und es gerade deshalb reizvoll findet. „Nun macht bloß nicht so viel Theater“, scheint er zu denken, während er das Theater photographiert. 1991 erhielt Robert Lebeck den Dr. Erich Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Es ist mit über 400 Werken die bisher umfangreichste Präsentation von Bildern Robert Lebecks. Zu sehen sind zudem gedruckte Reportagen, die einen umfangreichen Einblick über die Zeitschriftenlandschaft der Nachkriegszeit geben. Bekannte und unbekannte Photographien erinnern anlässlich seines 80. Geburtstages (am 21. März 2009) an die aktiven Jahre (1955 bis 2005) des ehemaligen Stern-Reporters, der 2007 als erster Photograph den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk erhielt.

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Fotoausstellungen 12 / 2008

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