Schilte & Portielje - Rolmodellen

Schilte, Portielje: Computer Collage auf Holzrahmen Bildgalerie betrachten

“Computer Collage auf Holzrahmen”
Schilte & Portielje

Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories präsentiert noch bis zum 7. Mai 2009 die Ausstellung „Rolmodellen“ mit Aufnahmen von Schilte & Portielje. Ein Bilderkosmos ganz in Schwarzweiß, und eine Welt, in der oft einzelne, entrückt wirkende Figuren den Mittelpunkt behaupten. Diese Sicht bestimmt den ersten Eindruck des Werkes des niederländischen Fotokünstler-Duos Schilte & Portielje. Schnell ließe sich auf klassisch analoge Fotografie schließen. Doch die Figuren, überwiegend Frauen mit eigenwillig verdrehten, manchmal manieristisch anmutenden Gliedmaßen und aufwändiger, an extravagante Haute Couture erinnernde Garderobe, offenbaren die willentliche Konstruktion dieser Körper.

1975 haben sich die gelernte Malerin Jacqueline Portielje und der studierte Architekt Huub Schilte kennengelernt und inspirieren sich seither nicht nur gegenseitig in ihren Einzelarbeiten, sondern ergänzen sich derart, dass sie seit 1997 unter dem Gemeinschaftsnamen Schilte & Portielje zusammen arbeiten. Beide erforschen seit 1994 den Computer als künstlerisches Medium und nutzen ihn als „digitale Dunkelkammer“, aber auch als Zeichen- und Malwerkzeug für ihre fotografischen Arbeiten.

Technisch gesehen produzieren Schilte & Portielje Computer-Collagen, denen lange und komplexe Arbeitsvorgänge vorausgehen. Jeder für sich wählt aus einer großen Bilddatenbank Fragmente aus, die anschließend auf ihre Tragfähigkeit für ein gemeinsames Bild untersucht werden und zu klein- bis großformatigen, aus mehreren Sektionen bestehenden Bildern verwirklicht werden. Die Zusammenarbeit, in der sie ebenso Einzelnes wie Gemeinsames produzieren, schließt kritisches Begutachten und Verwerfen jedes einzelnen Beitrags ein. Dieser Produktion unterliegt ein Prozess der Intuition, der keine genaue Regeln, vielmehr ein lang eingeübtes Verständnis kennt.

Was in den ausschließlich schwarzweißen Bildern auffällt ist, neben der Behandlung der einzelnen Figur, die Rückenansicht. Zahlreiche ihrer Werke zeigen den Menschen von „hinten“, manchmal auch hinten und vorne kombiniert, indem die Beine sich ins Bild hinein bewegen, der Oberkörper sich aber aus diesem hinaus bewegt. Anderen Bildern wohnt ein dezent surrealistischer, manchmal sogar mythologischer Zug inne, wie zum Beispiel dem Bildnis einer Frau mit überdimensioniertem Schwan, das unweigerlich an Darstellungen der Leda erinnert.

Schilte & Portieljes Werke reflektieren die Welt, in der sie leben, auf künstlerische Weise. Sie beschäftigen sich mit fundamentalen Aspekten des menschlichen Seins. Um jedoch der Deutung ihrer Bilder keine Richtung zu geben, verzichten Schilte & Portielje bewusst auf Titel. Die Interpretation ihrer Arbeiten soll ausschließlich beim Betrachter liegen. Ihre Werke sind keine Fotografien im klassischen Sinne, sondern vielmehr Bilder, die sie „in einen Dialog zwischen Fotografie und Zeichnung“ setzen. Deshalb verwundert es auch nicht, ihre Arbeiten wie in der Malerei teilweise mit Firnis versiegelt zu sehen.

Die Ausstellung „Rolmodellen“ zeigt eine Auswahl von großformatigen Lambda-Prints auf mattem Acrylglas in Holzrahmen. Bei den kleinen Motiven handelt es sich um Prints auf Fuji Crystal, übertragen auf Leinwand und aufgezogen auf handgefertigte Holzrahmen, mit UV-Gel und Firnis beschichtet. Unter dem Titel „photoworks beyond reality“ ist ein Ausstellungskatalog erschienen. Jacqueline Portielje und Huub Schilte arbeiten und leben in Rotterdam.

Weitere Informationen: www.galeriehilanehvonkories.de/.
 

Fotoausstellungen 04 / 2009

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