Stefan Moses - Emigranten

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© Stefan Moses, Meret Oppenheim im Berner Studio 1982
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Johanna Breede PHOTOKUNST, in Berlin präsentiert noch bis zum 21. Mai 2012 die Ausstellung Emigranten mit Arbeiten von Stefan Moses.

Stefan Moses hat Lust auf Menschen – Begegnungen, Gesichter. Seine Anteilnahme und Fähigkeit mit Humor und Phantasie die Menschen zum „Mitspielen“ zu bewegen, machen Moses Bildnisfotografien unverwechselbar. Zu dieser „Kunst“ gehören physiognomischer Blick und physiognomischer Takt.

Das glückliche Maß an Nähe und sein Denken in großen Langzeitarbeiten über Jahrzehnte hinaus, haben der Fotogeschichte eine einzigartige Sammlung von Persönlichkeiten, ein umfassendes Panorama der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte beschert.

Auch diese nun bei Johanna Breede gezeigten „Emigranten“- Portraits werden einmal zum bleibenden Bestand der Deutschen Geschichte gehören. Nicht alle von ihnen sind uns heute noch vertraut, Stefan Moses fotografierte gegen das Vergessen und Verschwinden von „Zeitzeugen“ aus unserem Gedächtnis. Ihm lag am Herzen die Erinnerung an jene Frauen und Männer wach zu halten, die von der Nazidiktatur aus Deutschland vertrieben, in anderen fremden Ländern neu beginnen mussten oder nach dem Krieg zurückkehrten und die neue deutsche Gesellschaft mitprägten. Viele dieser „Remigranten“ begegnen uns in den Bildern der „Großen Alten“, Politiker, Künstler, Schriftsteller, die Moses zum Waldspaziergang einlud. Wie urtümliche Wesen treten sie uns zwischen knorrigen Baumstämmen entgegen: Willy Brandt, Sebastian Haffner, einer der einflussreichsten politischen Publizisten der BRD, die Schauspiellegende der 20/30er Jahre Tilla Durieux.

In der Reihe „Selbst im Spiegel“ drückte Stefan Moses Theodor W. Adorno oder Ernst Bloch und Hans Mayer den Selbstauslöser in die Hand und zeigt sie wie sie mit großer Nachdenklichkeit und Staunen sich selbst betrachten. Im physiognomischen Dialog stoßen Ichbefragung und Selbstdarstellung konzentriert aufeinander. Gegenwart und Vergangenheit sind Verflochten. Diese Bildnisse erklären aufs wunderbarste den schönen Novalissatz: „Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft“.

Wir spüren die leise Traurigkeit des alten Thomas Mann, 1949 in Weimar zum Goethejahr fotografiert, gerade angekommen aus den USA, die Entschlossenheit des mutigen Nazi-Anklägers Fritz Bauer, die tiefe Verbundenheit der „ewigen Reisenden“ Teofila und Marcel Reich-Ranicki. Und da sind Max Brod, Elisabeth Bergner, Tutti & Gottfried Berman-Fischer, Hilde Domin, Stefan Heym und Hermlin, Hans Jonas, Meret Oppenheim, Helene Weigel, Steffi und Camilla Spira und die vielen anderen: „Jeder hat seine Aufgabe: meine ist Menschen „festzuhalten“, bevor sie verloren gehen, aber sie leben weiter, solange wir sie nicht vergessen! So wurde das „Fotografieren“ zur lebenslangen Erinnerungsarbeit“ (Stefan Moses)

Weitere Informationen: http://www.johanna-breede.de/

Fotoausstellungen 04 / 2012

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