Bildleiste

Street & Studio. Eine urbane Geschichte der Fotografie

Die Ausstellung „Street & Studio. Eine urbane Geschichte der Fotografie“ präsentiert mit rund 300 Exponaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert noch bis 11. Januar 2009 im Museum Folkwang, Essen, erstmals die faszinierende Geschichte zweier zentraler Produktionsorte des photographischen Mediums. Sie entstand in Kooperation mit der Tate Modern, London. Durch Arbeiten von unter anderem Diane Arbus, Cecil Beaton, Brassaï, Walker Evans, Helen Levitt, Robert Mapplethorpe, Irving Penn, Cindy Sherman, Malick Sidibé, Juergen Teller, Wolfgang Tillmans und Weegee legt die Ausstellung dynamische Wechselwirkungen der photographischen Praxis auf der Straße und im Studio offen. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts prägt die Photographie das Bild der sich herausbildenden, westlichen Metropolen mit ihren unterschiedlichen Milieus. „Street & Studio“ zeigt unterschiedliche Genres und Arbeitsweisen, die sich - bedingt durch ihre räumliche Aufnahmesituation - bis heute entwickelt haben und erschließt die Photographie als Medium der Stadt.

Die Studiophotographie kennzeichnet im späten 19. Jahrhundert eine oftmals formalisierte und standardisierte Herstellung von Porträts. Ehrgeizige Photographen suchten in der Geschlossenheit des Studios ein ihren Ideen entsprechendes Porträt zu „konstruieren“, sowohl mit experimenteller Technik als auch in betont abbildungshaften Darstellungsweisen. In den 1920er und 1930er Jahren wurden diese Techniken der Inszenierung in den florierenden Porträt- und Modestudios weiter verfeinert. Der Einsatz von Hintergründen und ausgefallenen Requisiten ist bis heute Teil der Studiokultur, wie die zeitgenössischen Selbstporträts von Samuel Fosso, die großformatigen Bilder von Adrian Paci und die Auftragsphotographien von Lee To Sang zeigen.

Mit der Entwicklung kleiner und leicht zu verbergender Kameras um die Jahrhundertwende wurde die Straße zu einem wichtigen Terrain für die Photographie. Es wurde möglich, Menschen in unerwarteten, momenthaften und sogar intimen Augenblicken zu photographieren. Die Straße erweiterte das Studio und lud zu neuen, visuellen Abenteuern und zur Erforschung des Alltaglebens ein, wie zum Beispiel Jacques Henri Lartigue's Schnappschüsse im Bois de Boulogne in Paris, Walker Evans Porträts von anonymen Passanten in New York oder die zeitgenössischen Porträts von Valérie Jouve.

Straßen- und Studiophotographie haben ihre eigenen Geschichten und Darstellungsweisen entwickelt. Die Ausstellung im Museum Folkwang in Essen ermöglicht einen simultanen Blick auf die zwei Orte der Photographie und zeigt grenzüberschreitende Themen und Arbeitsmethoden auf. Die in höchstem Maße inszenierten Photographien von Robert Doisneau oder Modephotographien der 1950er Jahre von William Klein zeigen, wie die Straße zur Bühne wurde. Helmar Lerskis Serie „Köpfe des Alltags“ und Andreas Serranos Porträts von Obdachlosen belegen, wie sich die Studiophotographie im Laufe der Zeit zur Straße hin öffnete und vielfach ihre Dynamik übernahm.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, inwiefern die Photographie das Bild der modernen Metropole mit ihren unterschiedlichen sozialen Milieus geprägt hat. Anschaulich wird diese Dimension in den ausgestellten Zeitschriften und Büchern, die verdeutlichen, wie die Welten der Stars und Prominenten und die Welt des Alltags, das Ideal des Studios und der Realismus der Straße allmählich ineinander übergehen.

Weitere Informationen: www.museum-folkwang.de/.
 

Fotoausstellungen 10 / 2008

Bewerten 56

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Attorney with laundry, corner Bank and West 41 street, NYC, 1988

"Attorney with laundry, corner Bank and West 41 street, NYC, 1988"
Joel Sternfeld

Abdullahi Mohammed with Mainasara, Lagos, Nigeria 2007

"Abdullahi Mohammed with Mainasara, Lagos, Nigeria 2007"
Pieter Hugo

Mug Shots, 1900 - 26

"Mug Shots, 1900 – 26"
Department of Police, Bureau of Identification, Chicago