Szenen und Spuren eines Falls - Die Berliner Mauer im Fokus der Photographen

Grenzöffnung in Thüringen, aus der Serie Wendezeit Bildgalerie betrachten

"Grenzöffnung in Thüringen, aus der Serie Wendezeit, Frühjahr 1990"
Wolfgang Bellwinkel

Am 3. Oktober 2009, am Tag der deutschen Einheit und anlässlich des 20. Jahrestages des Berliner Mauerfalls, eröffnete die Stiftung „Brandenburger Tor“ im Max-Liebermann-Haus die Ausstellung „Szenen und Spuren eines Falls. Die Berliner Mauer im Fokus der Photographen“ für das Publikum. Mit knapp 150 Arbeiten von 21 renommierten Fotografen wird diese Zeitenwende individuell und gleichzeitig repräsentativ erzählt, und das noch bis zum 6. Dezember 2009.

Die Ausstellung vereint Werkgruppen und Einzelbilder von Wilfried Bauer, Wolfgang Bellwinkel, Sibylle Bergemann, Thierry Buignet, Dietmar Bührer, Norbert Enker, Thomas Ernsting, Harald Hauswald, Kai-Olaf Hesse, Karl-Ludwig Lange, André Kirchner, Barbara Klemm, Eberhard Klöppel, Werner Mahler, Hans W. Mende, Nelly Rau-Häring, Karsten de Riese, Gilles Peress, Regina Schmeken, Ralf Schuhmann und Maurice Weiss. Die ausgewählten Fotografen (und manche ihrer Kollegen) haben den revolutionären politischen Veränderungsprozess im Herbst 1989 und seine Folgen begleitet; daraus sind Dokumente von hoher historischer Signifikanz entstanden. In der Ausstellung werden wir Zeugen von überschwänglichen Verbrüderungen vor dem Hintergrund der provisorisch geöffneten Mauer, wir schauen in die Gesichter von noch immer streng dreinblickenden und frustrierten Grenzbeamten und Zöllnern, deren Tage gezählt waren. Der CNN-Starreporter Peter Arnett berichtete bereits am 12. November live vom Brandenburger Tor. Die internationale Medialisierung dieses Ereignisses, die in manchen dieser Aufnahmen thematisiert wird, offenbart die weltpolitische Bedeutung des Mauerfalls in Berlin. Immer wieder steht die Mauer selbst, mit ihrer kreativen Bemalung im Westteil und in ihrem schlichten Grau auf der Ostseite, im Zentrum des bildnerischen Interesses; gelegentlich auch die Hinterlandmauer.

Die geöffnete Mauer - an prominenten Orten wie dem Potsdamer oder Pariser Platz, aber auch an abgelegenen Brücken zwischen Johannisthal und Rudow - ist das Leitmotiv, die ersten Momente der Verbindung zwischen Ost und West, wenn mit schwerem Gerät eine Schneise geschlagen wurde, kehren immer wieder. Die Ausstellung „Szenen und Spuren eines Falls“ präsentiert die unterschiedlichsten Aspekte des Mauerfalls mit individuellen Handschriften und verschiedenen Ansätzen zwischen journalistischer Prägung und klassischer Architekturfotografie. Einige schilderten den Mauerfall spontan vor Ort mit aller darin enthaltenen Dramatik, andere fotografierten systematisch oder distanziert, als trauten sie weder der Situation noch sich selbst.

Zusammengenommen ist eine visuelle Studie deutsch-deutscher Befindlichkeit entstanden, für die das Medium Fotografie wie geschaffen erscheint. Die Fotografie ist - trotz aller Diskussionen um das Authentische im Bild - ein so wirkungsmächtiges Medium, dass es unsere eigenen Assoziationen anregen, lenken und sogar überlagern kann. Heute, 20 Jahre später, ist kaum mehr nachzuvollziehen, wie es damals im historischen Zentrum Berlins ausgesehen hat. Um daran zu erinnern, wurde diese Ausstellung fotografischer Dokumente und künstlerischer Interpretationen des Mauerfalls im Auftrag der Stiftung „Brandenburger Tor“ für das Max Liebermann Haus zusammengestellt. Einen geeigneteren Ausstellungsort in Berlin, unmittelbar neben dem Brandenburger Tor gelegen, kann man sich dafür kaum vorstellen.

Weitere Informationen: www.stiftung.brandenburgertor.de.
 

Fotoausstellungen 12 / 2009

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