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This is how I remember now. Portraits.

Mit dieser rund 80 Exponate umfassenden Ausstellung und seinem begleitenden motivisch umfangreicheren Buch gibt Jim Dine einen Einblick in sein kontinuierliches photographisches Schaffen. Im Fokus stehen in der Ausstellung „This is how I remember now. Portraits.“, die noch bis zum 14. Dezember 2008 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln zu sehen ist, seine zwischen 2002 und 2007 entstandenen Bilder, subsumiert unter dem Begriff des Porträts. Ein Sujet, dem der Künstler durch seine Bearbeitung und Auffassung einen durchaus erweiterten Sinn gibt. Die aktuelle Auswahl führt weit in sein über Jahrzehnte mit unterschiedlichen Mitteln ausgeführtes Œuvre und spiegelt abwechslungsreich die Bandbreite von Dines künstlerischer Palette und Biographie wider. Durchgängig gelingt ihm, eine individuell pointierte Auswahl und Gestaltung von Darstellungsinhalten, die als Metaphern für die menschliche Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit interpretierbar sind, sich auf universell menschliche Eigenschaften beziehen, das Auffassungsvermögen und das daraus erwachsene kreative Potenzial, eingeschlossen die Themen von Vergänglichkeit und Tod, beleuchten. Er befragt via Selbstporträt die eigene Entwicklung, seine unterschiedlichen Reaktionen sowie Gefühlslagen und sucht, gleichfalls gerichtet auf einen für Dine bedeutungsvollen Personen- und Figurenkreis, seinen facettenreichen Visionen und Erinnerungen habhaft zu werden. Die Aufgabe gilt der Entdeckung des Ichs im Anderen oder auch umgekehrt des Anderen im Ich.

Die ihm beinahe alltäglich anbei stehenden Wesen, denen er sich in seinen Porträtbildern zuwendet, sind als Menschen oder von ihm geschaffene Kunstfiguren innerhalb ihrer von Jim Dine zugewiesenen Sphären unterschiedslos relevant, treue Begleiter und vor allem unversiegbare Quellen seiner Inspiration. Einige der in Dines photographischem „Notizbuch“ einbezogenen Personen sind zwar verstorben, doch die Unmöglichkeit ihrer persönlichen Präsenz überbrückt der Künstler, indem er beispielsweise anonym entstandene Erinnerungsphotographien heranzieht, die er sich allein schon durch seine individuelle Betrachtung zu eigen macht. So findet er für die Anwesenheit der Betroffenen erstaunlich anschaulich treffende Äquivalente.

Neben den verschiedenen Menschen verdienen auch Dines elementar bedeutungsvollen, aus seinem künstlerischen Programm heraus entwickelten Figuren nähere Erwähnung. Sie sind oft bereits im Arsenal seiner früheren Photographien, Malereien, Graphiken und Skulpturen verankert. Man trifft in unterschiedlichen Konstellationen auf die ausgestopfte Eule mit funkelnden Augen und den schwarzen, stolz erhabenen Raben, auf charaktervolle Pinocchiopuppen, die bei ihren imaginären Abenteuern gelegentlich von einem Porzellanaffen und einem Porzellanhahn begleitet werden. Man trifft auf Porträtstudien Pinocchios wie auch auf die seines Widersachers, des listigen Fuchses, die auf von Jim Dine meist in Holz erarbeitete Skulpturen zurückgehen, photographiert in seinem Studio kurz vor ihrer Fertigstellung. Ebenso basiert auch die photographische Ansicht eines Menschenaffen, der eine große Barbie-Puppe schultert, auf einer eigenen monumentalen bildhauerischen Ausarbeitung, die im Kampf der Geschlechter ein kraft- wie humorvolles Bild für die synergetische Verbindung gegensätzlicher Temperamente und Mächte entwirft.

Alle Photographien des Projekts resultieren aus der puren Anwendung traditioneller Ablichtungsmethoden und einer auf Negativmaterial basierenden Vergrößerungsarbeit. Die Schwarzweißaufnahmen sind als Gelatinesilberabzüge und die Coloraufnahmen als chromogene Farbabzüge ausgeführt. In ihrer Qualität allerdings - schaut man einerseits auf die klar zeichnenden, aber auch zart verschmelzenden Grauwerte, andererseits auf das bemerkenswert eingesetzte Spektrum transparenter und satter Farbigkeit oder auch als weitere Möglichkeit auf die geschickte Kombination dieser üblicherweise in der Photographie getrennten Ton- und Farbwelten - so verrät sich deutlich das geschulte Auge des Graphikers und Malers.

Mit dem Projekt “This is how I remember now. Portraits.“ Photographs by Jim Dine nimmt die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur die Gelegenheit wahr, die seit mehreren Jahren bestehende Partnerschaft zwischen dem Künstler und der Institution fortzusetzen und einen ausgewählten Teil aus der stetig wachsenden großzügigen Schenkung des Künstlers zu präsentieren.

Weitere Informationen: www.photographie-sk-kultur.de
 

Fotoausstellungen 11 / 2008

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Levantine P.M., 2006, Jim Dine

"Levantine P.M., 2006"
Jim Dine

Disappearing Before Gerhard and Susanne, 2004, Jim Dine

"Disappearing Before Gerhard and Susanne, 2004"
Jim Dine

Ecstatic with Eunice, 2005, Jim Dine

"Ecstatic with Eunice, 2005"
Jim Dine