Trainspotting

Willi Allen und Dorothy Christian in einem Autokino an der Pocahontas Linie in Iaeger, das vom Schnellgüterzug 77 passiert wird. 1955. Bildgalerie betrachten

"Willi Allen und Dorothy Christian in einem Autokino an der Pocahontas Linie in Iaeger, das vom Schnellgüterzug 77 passiert wird. 1955."
O. Winston Link

Das Museum der Arbeit in Hamburg zeigt vom 24. April bis 29. Juni 2008 die Ausstellung „Trainspotting“ mit Photographien von O. Winston Link. Im Januar 1955 war der New Yorker Werbephotograph Ogle Winston Link in Virginia unterwegs, als er abends im Bahnhof von Waynesboro die zischende und qualmende Ankunft eines der selten gewordenen Dampfzüge der Norfolk & Western Railway beobachtete. Norfolk & Western war zu dieser Zeit eine der letzten Eisenbahngesellschaften, die ihre Strecken zwischen West Virginia und North Carolina ausschließlich mit Dampflokomotiven betrieb. Nach diesem nächtlichen Zusammentreffen entstand bei Link die Idee einer photographischen Dokumentation dieser Technik und ihrer Arbeitswelt. Mit der Dampfeisenbahn sah er eine ganze Lebensweise verschwinden, das ländliche „rural life“, das für ihn einen wichtigen Aspekt amerikanischer Lebensart verkörperte.

Shenandoah Valley - Nachtaufnahmen
Über einen Zeitraum von fünf Jahren produzierte Link ungefähr 2.400 Aufnahmen von den Zügen, den Bahnhöfen und den kleinen Orten und Alltagszenen entlang der Strecken. Link entschied sich trotz des enormen Aufwandes dafür, die Züge nachts zu photographieren. Sehr viele Aufnahmen entstanden an der Shenandoah Linie. Hier fuhr jeden Abend der Passagierzug No. 2 nach New York.

Link konstruierte eigene Steuergeräte, um ganze Batterien von Blitzlichtlampen mit kilometerlangen Kabeln zu synchronisieren. Oft blieb ihm nach manchmal tagelanger Vorbereitung nur ein Versuch, um einen in der Dunkelheit vorbeirasenden Zug genau an der richtigen Position im Blitzlicht „einzufrieren“. Durch diese theatralische Lichtführung inszenierte O. Winston Link die imposante Technik und Urgewalt der Lokomotiven und zeigte in seinen bühnenbildähnlichen Kompositionen die vielfältigen Beziehungen zwischen der Bahn, der Landschaft und dem Leben der Menschen an der Strecke.

Unterwegs in den Blue Ridge Mountains
Viele der kleinen Ortschaften in den Bergtälern im Südwesten Virginias waren ehemalige Holzfällercamps und Zechensiedlungen, die von der Eisenbahn erschlossen wurden. Meist bestanden sie aus der Bahnstation mit dem General Store, dem Postbüro und einer Kirche, um die sich vereinzelte Höfe gliederten.

Viele Aufnahmen zeigen, wie der Alltag in den Orten durch den Zugverkehr bestimmt wurde und wie die Eisenbahn mit ihren Viadukten, Tunneln und Gleisanlagen die Landschaft geprägt hat. Hier sorgte die Eisenbahn für Waren und Nachrichten, beförderte die Einheimischen in die Stadt und stellt für viele der abgelegenen Dörfer bis dahin die wichtigste Verbindung zur Außenwelt dar. Hier fand Link eine Lebensweise, die das ländliche Amerika über Jahrzehnte geprägt hatte und die sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Zunahme des Autoverkehrs in den späten 1950er Jahren und einem Wandel in der Siedlungsstruktur rasant veränderte.

Weitere Informationen: www.museum-der-arbeit.de/.
 

Fotoausstellungen 04 / 2008

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