Vee Speers - The Birthday Party

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Vee Speers

Die Liste jener Photokünstler, die die Kindheit als Thema für sich entdeckten, ist lang. Das kann man verstehen, denn sie ist ein lohnendes photographisches Sujet. Es ist die Zwischenposition, das Uneindeutige am Kind-Sein, das fasziniert: Das Selbst des Kindes ist fragil, es stehen Möglichkeiten offen. Es ist erst am Anfang: ein, wie oft geschrieben worden ist, paradiesischer Zustand?

Wenn Vee Speers für ihre Serie „The Birthday Party“ Kinder vor eine immer gleiche weiße Wand stellt, um sie in ihren Kostümierungen zu photographieren, dann mag diese Bildidee anfangs verwundern. Mit Kindheit assoziieren wir eher spontane Bewegung als Statik. Bei Vee Speer ist das anders: Es gibt einen streng festgelegten Rahmen, in dem ihre Modelle agieren.

Eine der ersten Photokünstlerinnen, die junge Menschen nicht in ihrer Freizügigkeit, sondern hinsichtlich ihrer zukünftigen Rolle photographierte, war Lisette Model. Die Kindheit ist eine Zeitspanne, in der man sich übt, Rollen einzunehmen - davon erzählt auch Vee Speers Serie „Birthday Party“. Nicht, dass ihr Rollenkorsett schon übermächtig zu werden droht, dennoch sind die hier Gezeigten alles andere als frei und unschuldig. Sie stehen da, in ihren phantastischen Kostümen, doch sehen sie gar nicht glücklich aus. „Ja, freust Du Dich denn gar nicht?“, will man sie fragen. Doch nein, auch wenn manche von ihnen sogar lächeln oder lachen. Wirklich froh scheinen sie nicht.

Sie öffnen sich der Kamera mit Blicken, die uns Erwachsenen sagen: Schaut uns an. Wir wissen doch viel mehr, als Ihr glaubt. Sind sie Vertreter jener vielzitierten „verschwundenen Kindheit“, die Photographen wie Achim Lippoth auf faszinierende Weise ins Bild brachten. Der Kölner photographiert Kinder mit hasserfüllten Mienen, die viel zu erwachsen sind für ihr Alter, wie etwa seine in China porträtierten Turner der Serie „L'homme Machine“ - Maschinenmenschen. Sie sind Mutanten der Erwachsenenwelt, früh Gereifte, die aber noch in kindlichen Körpern stecken. So ganz haben sich die Besucher der imaginären Geburtstagsparty ihre Kindheit noch nicht abgeschminkt. Dennoch: Aus ihren Gesichtern spricht keine kindliche Freude, sondern dringliche Offenheit.

Die unbeschwerte Kindheit, Reinheit, Unbefangenheit, das alles ist ein Klischee, das erzählen diese Photographien. Irritation ist hier Programm, diese Kunst soll verwirren: Sei es der kleine Kindersoldat - hat er ein echtes Maschinengewehr? - oder das Mädchen, das seine Handflächen öffnet, als wollte sie sagen: Ich habe nichts als mich selbst in dieser Welt. So offen sie die Photographin Vee Speers auch anblicken, dennoch geben diese Kinder wenig von sich preis. Vor weißem Hintergrund stehen sie, Symbole für: Das sagen sie nicht. Und genau hier liegt der große Reiz dieser Porträts: Die Kinder geben ihr Geheimnis nicht preis, den Grund ihrer Verlorenheit. „Ich interessiere mich für das Mensch-Sein, für die Psychologie der Menschen - was wir unter der Oberfläche wirklich sind“, hat Speers einmal gesagt. Doch ihre Kunst fertigt sie in der Gewissheit, jenes Darunter niemals offenlegen zu können.

„Ich wollte die letzten Momente der Kindheit mit einer imaginären Party einfangen“, sagt Speers. In merkwürdig blasse Farbphotographien gegossen hat sie einen ambivalenten Zustand zwischen Freiheit und Rollenspiel, zwischen Spontaneität und böser Vorahnung (später bin ich eine traurige, alte Hexe!), zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt. Das kindliche Spiel des Verkleidens, die Kostümierung, verstärkt die surreale Note der Serie. Ein Boxhandschuh macht noch keinen Boxer, ein Helm noch keinen römischen Legionär. Davon erzählt Vee Speers. Aber darüber, welche Träume wir haben, sollten wir öfter nachdenken.

Die Ausstellung „Vee Speers - The Birthday Party“ ist noch bis zum 5. April 2008 in der Galerie Anita Beckers in Frankfurt am Main zu sehen. Weitere Informationen: www.galerie-beckers.de/.
 

Fotoausstellungen 02 / 2008

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