Vera Mercer - Porträts und Stillleben

Vera Mercer, Naked Deer Head, Omaha 2008 Bildgalerie betrachten

"Naked Deer Head, Omaha 2008"
Vera Mercer

Erstmals in Deutschland werden Mercers großformatige Stillleben sowie ihre unmittelbaren Porträts von Künstlern wie Andy Warhol, Marcel Duchamp und Niki de Saint-Phalle gemeinsam in der Kommunalen Galerie Berlin noch bis zum 25. April 2010 gezeigt. Obwohl beide Sujets auf den ersten Blick gänzlich verschieden zu sein scheinen, so sind sie bei näherer Betrachtung doch eng miteinander verwoben. Den gemeinsamen Ausgangspunkt bildet die Stadt Paris; die Stadt, in die Vera Mertz, geboren 1936 in Berlin, nach ihrer Heirat mit dem späteren ‘Eat-Art’-Begründer Daniel Spoerri zog. Als Mitglied der Pariser Avantgarde-Bewegung dokumentierte sie im Laufe der Zeit nicht nur die Aktionen und Werke von Jean Tinguely, Eva Aeppli, Daniel Spoerri u.a., sondern auch die Künstler selbst. Auf Basis von persönlicher Nähe und Freundschaft entstanden zeitlose und eindrucksvolle Schwarzweißporträts, die jeglicher Künstlerpose entbehren und lediglich die Stimmung des Augenblicks sprechen lassen.

In den ehemaligen Pariser Markthallen begegnete die fotografische Autodidaktin Vera Mercer dann auch dem Thema, welchem sie sich nunmehr seit fast einem halben Jahrhundert widmet: Nahrung – Früchte und Gemüse, Fleisch und Fisch – oder Speisen in rohester Form. Für ihre großformatigen Stillleben besorgt sie sich deren Bestandteile von Jägern, aus Blumenläden und von den Gemüse-, Frucht- oder Fischmärkten vor Ort; die Arrangements entstehen allerdings erst vor der und für die Kamera, sei es im heimischen Studio in Omaha oder ihrem Wohnatelier im Pariser Quartier Latin. Es sind nicht allein die Motive an sich, die den Betrachter zu fesseln vermögen, sondern vor allem die Art der Darstellung. Während ihre Stillleben durch schrille und satte Farben bestechen, überrascht Vera Mercer bei ihren Blumenarrangements und Gemüsebildern mit bewusster Farbreduktion. Ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Verständnis ihrer Bilder ist das Spiel der Größenverhältnisse; so wird Großes oftmals klein, Kleines wiederum viel größer dargestellt und die natürlichen Verhältnisse hintersinnig verdreht. Und trotz Formaten von bis zu 150 × 250 cm scheint der gegebene Rahmen ihrer Fotografien nicht auszureichen, um die bildliche Steigerung der Motive zu fassen. Der makabere Tierschädel als zentrales Objekt des Bildes ‘Naked Deer Head’ symbolisiert unpathetisch den Endpunkt eines jeden Lebens. Zusammen mit den verwelkten Blumen im Vordergrund liefert er eine barock anmutende Inszenierung und üppige Gruppierung klassischer Vanitas-Motive, ohne ins Dekadente abzugleiten.

So sind Vera Mercers Stillleben und Blumenfotografien bildgewordene Irritationen, mit denen sich die Künstlerin fernab zeitgenössischer Kunstmoden positioniert und gleichzeitig unsere Sehkonventionen en passant erweitert.

Weitere Informationen: www.kommunalegalerie-berlin.de/.

Fotoausstellungen 04 / 2010

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