Vivian Maier – A Life Uncovered

Vivian Maier - Maloof Collection Bildgalerie betrachten

Vivian Maier
Maloof Collection

Das B.A.Z. Amerika Haus in München präsentiert vom 10. Oktober bis zum 9. Dezember 2011 die Ausstellung „A Life Uncovered“ mit Arbeiten von Vivian Maier.

Erst vor wenigen Jahren wurde eine der wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts entdeckt: Vivian Maier. Zeit ihres Lebens hatte sie ihr Werk von über 100.000 Aufnahmen niemandem gezeigt. Erst 2007 kamen die Fotos zufällig an das Licht der Öffentlichkeit. Der junge Immobilienmakler John Maloof suchte nach Bildmaterial für seine Stadtteilgeschichte und hatte auf einer Zwangsversteigerung einen Karton von Negativen und zum Teil unentwickelten Filmen mit Motiven des Stadtlebens von Chicago und New York erworben. Schnell wurde ihm klar, dass er auf einen Schatz unvergleichlicher Straßenfotografie gestoßen war.

Maiers bis jetzt erschlossene Bilder gehören zu den wohl eindringlichsten Darstellungen urbanen Lebens in den USA der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Arbeiten sind von höchster technischer und ästhetischer Qualität. Ausgestattet mit tiefer Empathie und mit dem Blick für die kleinen und großen Momente des städtischen Lebens der Menschen, schuf Maier Bilder, die in ihrer Eindringlichkeit, in der Kraft ihrer emotionalen Wirkung ihresgleichen suchen.

Sei es die herablassende Art einer mondänen Frau in ihrer Limousine, der apathische Blick eines völlig heruntergekommenen Penners in der Gosse, ein dicklicher Junge, der stolz seinen Wellensittich vorführt, die abgrundtief erschreckende Traurigkeit eines Zirkusclowns oder der zugleich unbedarfte wie erfahrene Blick eines jungen Mädchens – in allen Momentaufnahmen gelingt es Maier, unsentimental, zum Teil ironisch und stets würdevoll ganze Schicksale einzufangen.

Das Amerika Haus präsentiert 48 ihrer Aufnahmen aus den fünfziger und sechziger Jahren, die bisher in nur wenigen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt wurden.

Vivian Maier, 1926 wahrscheinlich in New York geboren, verbrachte einige Jahre in Frankreich, dem Ursprungsland ihrer Familie. In den fünfziger Jahren lebte sie wieder in New York und begann dort ihre Arbeit als Fotografin. Über Lehrer oder Ausbildung ist bisher nichts bekannt. Wenige Jahre später siedelte sie nach Chicago um, wo sie fast 40 Jahre als Kindermädchen arbeitete. Stets Einzelgängerin starb sie 2009 in ärmlichen Verhältnissen, ohne dass sie von ihrer Entdeckung als eine der größten Fotografinnen Amerikas erfahren hatte.

John Maloof verwaltet ihr Werk und verzichtet bisher auf eine Vermarktung. Es gehe ihm nur darum, dass Maier in den Geschichtsbüchern stehe. Er arbeitet an dem dokumentarischen Film Finding Vivian Maier und hat erste Fotografien 2011 im Buch Vivian Maier: Street Photographer, in Deutschland als Die Straßenphotographin, veröffentlicht.

Weitere Informationen: http://www.amerikahaus.de/

Fotoausstellungen 10 / 2011

95 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden